Auto-Test

Der neue Hashtag One: Endlich ein Smart, der auch clever ist

Vom Kleinstwagen-Image ist bei Smart nicht mehr viel übrig, der #1 (Hashtag One) ist 4,27 m lang.
© Höscheler

Als mobiler Winzling hat er ausgedient, dem Stadium des elektrischen Versuchskaninchens ist er entflohen, die Kooperation mit Renault hat er überstanden – und mit Geely geht es in eine ganz neue Richtung.

Hall i. T. – Vor zwei Aspekten braucht keiner Angst zu haben, der sich mit Neugier dem #1 (gesprochen: Hashtag One) nähert und ihn verwendet: dass er mit dem Elektrofahrzeug nur Kurzstrecken fahren kann und dass er sich über einen zu günstigen Anschaffungspreis wegen der chinesischen Herkunft ärgern muss.

Smart hat als Teil von Mercedes (Daimler) eine bewegte Geschichte hinter sich, hat als Kleinstwagen (Zweisitzer Fortwo) mit seinem hohen Sicherheitsanspruch für Furore gesorgt und eine größere Fangemeinde überzeugt. Doch eines konnte Smart ganz offenbar nicht: seinen Mutterkonzern glücklich machen. Trotz vergleichsweise hoher Einpreisung galt die Marke nicht als Rentabilitätstreiber; auch Kooperationen wollten nicht so recht reüssieren. Erst war Mitsubishi als Lieferant für den viersitzigen Forfour auserkoren, später gab es eine enge Zusammenarbeit mit Renault (Twingo). Gleichzeitig suchte Smart einen Ausweg aus dem Dilemma und machte sich stark für den Einsatz von Elektromobilität. Aber die Stromer der Marke hatten ein ungünstiges Preis-Leistungs-Verhältnis: Sie kamen mit einer Akkuladung nicht weit und waren kein Schnäppchen.

Die Schwaben suchten nach einer neuen Lösung und fanden sie in Geely. Der chinesische Konzern ist nicht nur gewichtiger Mercedes-Aktionär, sondern auch Eigner von so leuchtenden Marken wie Volvo, Lotus und Polestar. Mercedes und Geely sind nun Partner – und siehe da: Smart entledigt sich im Gewand des #1 des vergangenen Ballasts, wie unser zweiwöchiger Test mit dem Fahrzeug belegt. Dabei waren wir anfangs skeptisch angesichts früherer Erfahrungen mit Smart-Modellen, was insbesondere Fahrkomfort und Raumangebot sowie Materialienauswahl betraf. In all diesen Disziplinen macht das subkompakte Sport Utility Vehicle eine ausgezeichnete Figur, verzichtet auf schwäbische Sparsamkeit: Vollwertige Sitze, ein nahezu hervorragend austariertes Fahrwerk und großzügig arrangierte Displays hinterlassen einen guten Eindruck. Selbst ein Head-up-Display mit ansprechender Darstellung zeigt seine Vorzüge; der mittig platzierte Touchscreen präsentiert einen animierten Fuchs, der bei Interaktionen mit dem Infotainmentsystem helfen will. Das Raumangebot für die hinten Sitzenden ist ausladend – und die Reichweite des #1 kann sich sehen lassen. Im Test, bei sehr mildem Wetter, kommen wir auf gut 400 Kilometer, Autobahnfahrten und Bergpassagen inklusive. Und die Fahrleistungen sind ebenso eines Komplimentes würdig – nur 6,7 Sekunden vergehen, bis das Modell mit 272 PS starkem E-Motor von null auf 100 km/h praktisch tonlos beschleunigt.

Fairerweise muss hinzugefügt werden: Von seinem ursprünglichen Kleinstwagendasein (als Fortwo) hat sich Smart weit entfernt. Dafür ist es der Marke gelungen, ein ernstzunehmendes Elektrofahrzeug auf den Markt zu bringen. Immerhin bei der Preisgestaltung bleibt sich Smart treu: Billig ist der #1 bei aller Lobpreisung nicht. Ein Auto aus China muss nicht zwangsläufig günstig sein.

Die Technik

  • Akku-Kapazität: 66 kWh
  • Drehmoment: 343 Nm
  • Leistung: 200 kW/272 PS
  • L/B/H: 4270/1822/1636 mm
  • Gewicht: 1800/2225 kg
  • Kofferraumvolumen: 323 l
  • Reichweite (nominell): 440 km
  • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
  • 0–100 km/h: 6,7 Sekunden
  • Verbrauch: 17 kWh/100 Kilometer
  • Kraftübertragung: Hinterradantrieb
  • Preis: ab 43.400 Euro
  • CO2-Emission: 0,00 g/km