„Roter Himmel“ in den Kinos: Die Katastrophe ist weit weg – bis sie da ist
Eine Sommerkomödie im Angesicht der Apokalypse: Christian Petzolds großartiger neuer Film „Roter Himmel“.
Innsbruck – „Irgendetwas stimmt nicht“, ist der erste Satz, der in „Roter Himmel“ fällt. Und tatsächlich stimmt hier einiges nicht. Leon (Thomas Schubert) und Felix (Langston Uibel) wollen am Meer von der Muse geküsst werden. Leon ist Autor, Felix Fotograf. Doch das abgelegene Haus an der Ostsee ist schon belegt. Nadja (Paula Beer) hat sich hier eingenistet. Nadja und ihr Liebhaber, ein Rettungsschwimmer (Enno Trebs). Leon will seinen Roman zu Ende schreiben – und er verschaut sich hoffnungslos in Nadja, stellt ihr tollpatschig nach – und gibt, noch tollpatschiger, vor, ihr eigentlich nur aus dem Weg gehen zu wollen. Und dann verfärbt sich auch noch der Himmel. Weil weit weg der Wald brennt. Jedenfalls solang der Wind nicht dreht. Dann kann das Feuer auch die Küste erreichen.
Der Wind, das wird in Christian Petzolds neuem, bei der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichneten Film schnell klar, wird drehen: buchstäblich und metaphorisch. Ganz leichtfüßig erzählt Petzold von großen und kleinen Katastrophen: Leons Romanmanuskript wird von einem Verleger (Matthias Brandt), der sich zur Lektüre angekündigt hat, zerlegt; der Bademeister lässt sich mit dem Fotografen ein; Leon ist so damit beschäftigt, den Unverstandenen zu spielen, dass er gar nicht merkt, dass er tatsächlich nichts versteht; und dann kommen die Flammen.
„Roter Himmel“ ist eine Sommerkomödie im Angesicht der Apokalypse, ein Konversationsstück im Katastrophenmodus. Der Wiener Thomas Schubert, einst mit „Atmen“ (2011) bekannt geworden, ist als bester Darsteller für den Europäischen Filmpreis nominiert, der am 9. Dezember vergeben wird.
Roter Himmel
Ab 16 Jahren. Ab Freitag in den Kinos.
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