Als ungefährlich eingestuft

Südtiroler „Ausbrecherkönig“ Max Leitner ist wieder ein freier Mann

Max Leitner war im September 2021 in Bozen festgenommen worden.
© Dolomiten/Rosario Multari

Laut Gericht stellt der 65-Jährige aus gesundheitlichen Gründen keine Gefahr mehr für die öffentliche Sicherheit dar.

Bozen – Der Südtiroler „Ausbrecherkönig“ Max Leitner ist wieder ein freier Mann. Das Aufsichtsgericht Bozen hob aus gesundheitlichen Gründen alle Bewährungsauflagen auf, wie Südtiroler Medien am Freitag berichteten. Das Gericht stimmte überein, dass Leitner, der seit einiger Zeit in einer Wohnung in Meran lebt, aus ebendiesen Gründen keine Gefahr mehr für die öffentliche Sicherheit darstelle und daher keine Sicherheitsmaßnahmen erforderlich seien.

Nächste Woche soll der 65-jährige Leitner, der in seiner langen „Karriere“ fünfmal aus einem Gefängnis ausbrach, am Bezirksgericht Bozen zur Vorverhandlung im Verfahren gegen ihn erscheinen, weil er in der Nacht vom 17. September 2021 in Bozen-Süd Schüsse auf das Auto einer Prostituierten abgegeben hatte. Nach diesem Vorfall war der „Ausbrecherkönig“ festgenommen worden. Die Verteidigung werde beantragen, das Verfahren für mindestens ein Jahr auszusetzen, da er nicht verhandlungsfähig sei, hieß es.

Festnahme 2021 in Bozen

Leitner war im September 2021 festgenommen worden. Im Wagen, in dem er und ein Österreicher sich befanden, stellten die Sicherheitskräfte Waffen sicher. Eine Prostituierte hatte die Polizei alarmiert, nachdem zwei Schüsse auf ihren Wagen abgegeben worden waren. Verletzt wurde niemand. Anhand der Beschreibung konnte die Polizei Leitner einige Zeit später festnehmen.

Seinem Ruf als „Ausbrecherkönig“ war Leitner in der Vergangenheit mehr als gerecht geworden: Im August 1990 versuchte er in der Nähe der Ausfahrt Innsbruck-Süd der Brennerautobahn mit Komplizen, einen mit 90 Millionen Schilling beladenen Geldtransporter zu überfallen. Der Coup wurde allerdings durch eine Spezialeinheit der Gendarmerie vereitelt, Leitner nach einem Schusswechsel gestellt und schließlich von einem Geschworenengericht zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Wenige Tage später gelang ihm die Flucht. Die Haftbedingungen in Österreich bezeichnete er als „mittelalterlich“.

Mit Leintücher abgeseilt

Seine Haft setzte Leitner in Bozen fort, wo er sich laut Angaben der Gefängniswärter „vorbildlich“ verhielt – bis er sich eines Tages mit Leintüchern abseilte und das Weite suchte. Im Mai 1993 wurde er – vorübergehend – wieder gefasst. Während eines Hafturlaubs kehrte Leitner 2002 jedoch ins Hochsicherheitsgefängnis in Padua nicht mehr zurück. Nach dem Banküberfall 2003 wurde er nach einer tagelangen, aufsehenerregenden Flucht von einem Großaufgebot der Carabinieri in einem Maisfeld bei Bruneck geschnappt. Er wurde verurteilt und in das Gefängnis nach Bergamo gebracht – auch damals nur vorübergehend.

Eine Flucht im Dezember 2004 nahm mit einer Verhaftung in Marokko ein jähes Ende. Im Oktober 2011 kehrte er dann von einem Freigang nicht mehr ins Gefängnis von Asti im Piemont zurück. Im Dezember desselben Jahres wurde er schließlich erneut geschnappt. (APA)

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