Schlechter in Mathe, aber über Durchschnitt: So schnitt Österreich in PISA-Studie ab
Die am Dienstag veröffentlichte PISA-Studie bringt gemischte Ergebnisse: In Österreich ist ein starker Rückgang bei Mathe-Resultaten zu erkennen, kaum ein Minus gibt es hingegen beim Lesen.
Wien – Bei der ersten PISA-Studie nach der Corona-Pandemie haben sich die Resultate gegenüber früheren Erhebungen OECD-weit größtenteils verschlechtert. In Österreich war der Rückgang durchgehend geringer bzw. gar nicht vorhanden. Hierzulande gingen die Leistungen im Bereich Mathematik deutlich zurück, statistisch nicht signifikant waren die Einbußen im Lesen – praktisch stabil blieben die Ergebnisse im Bereich Naturwissenschaften.
6200 Schülerinnen und Schüler in Österreich getestet
Für die Untersuchung wurde im Frühjahr 2022 an über 300 Schulen in Österreich eine Stichprobe von etwa 6200 15- bzw. 16-jährigen Schülerinnen und Schüler ausgewählt, die Aufgaben in den Kategorien Mathematik, Lesen, Naturwissenschaften und – erstmals – Finanzkompetenz lösen mussten. Schwerpunktthema der Tests war bei diesem PISA-Durchgang die Mathematik.
Der am Computer durchgeführte Test dauerte zwei Stunden, für das Ausfüllen eines Fragebogens waren 55 Minuten vorgesehen. Zu lösen waren sowohl Multiple-Choice-Aufgaben als auch offene Aufgaben, bei denen selbst eine Antwort formuliert werden musste. Außerdem mussten Aussagen oder Textteile mit Drag-and-Drop in die richtige Reihenfolge gebracht, im Text ein fehlendes Wort aus einem Drop-down-Menü ausgewählt oder Computersimulationen ausgeführt werden.
Für PISA 2022 wurden weltweit rund 690.000 Schüler im Alter von 15 bzw. 16 Jahren getestet, in Österreich waren rund 6200 Jugendliche aus mehr als 300 Schulen mit dabei. In Österreich wurde der Test wie in der Mehrzahl der Teilnehmerstaaten ausschließlich am Computer durchgeführt und dauerte zwei Stunden, für das Ausfüllen eines Fragebogens war noch einmal eine knappe Stunde veranschlagt.
Schwerpunkt Mathematik
Im Haupttestgebiet Mathematik sank der OECD-Mittelwert von 489 Punkten (2018) auf 472. Laut OECD entspricht das in etwa drei Viertel eines Lernjahrs – bei den bisherigen PISA-Studien schwankte in Mathe das Ergebnis dagegen nie mehr als vier Punkte gegenüber der vorherigen Erhebung. In Österreich war der Rückgang deutlich geringer: Der Wert sank von 499 auf 487 Punkte und lag damit signifikant über dem OECD-Schnitt.
Mathematik ist schon seit längerem jener Testbereich, in dem Österreich vergleichsweise die besten Werte erzielt. Haupttestgebiet bedeutet übrigens, dass rund die Hälfte aller Aufgaben aus der Mathematik stammte und Matheaufgaben als einziges Testfeld von allen teilnehmenden Schülern bearbeitet wurden.
Rückgang beim Lesen geringer
Im Lesen waren die Rückgänge geringer ausgeprägt: Der OECD-Mittelwert sank von 487 (2018) auf 476 Punkte, das entspricht laut OECD in etwa einem halben Lernjahr. Bei den bisherigen PISA-Studien waren beim Lesen nur Schwankungen von fünf Punkten gegenüber der vorherigen Erhebung zu beobachten. Auch hier war der Rückgang in Österreich deutlich geringer – hierzulande erreichten die Jugendlichen nach 484 Punkten im Jahr 2018 nun 480 Punkte. Laut OECD ist das Minus in Österreich sogar statistisch nicht signifikant, Österreich liegt damit weiter in etwa im OECD-Schnitt.
Interessanterweise praktisch gleichgeblieben sind die Werte in den Naturwissenschaften. Der OECD-Mittelwert sank um statistisch nicht signifikante vier Punkte von 489 auf 485 Punkte. In Österreich scorten die Jugendlichen nach 490 Punkten im Jahr 2018 nun sogar 491 Punkte. Rein statistisch bedeutet das, dass sie nun signifikant über dem OECD-Schnitt liegen (2018 waren sie noch im OECD-Schnitt).
Spitzenreiter aus Fernost
International die besten Werte weist mit Abstand in allen Testbereichen Singapur auf (Mathe: 575 Punkte, Lesen: 543, Naturwissenschaften: 561), es folgen Japan und Südkorea, Europa-Champion ist Estland.
Die unterschiedlichen Ergebnisse je nach Testgebiet erklären sich Experten der OECD bzw. in Österreich damit, dass sich Schulschließungen während der Corona-Pandemie vor allem in der Mathematik negativ ausgewirkt haben könnten. In diesem Fach sei besonders viel Erklärungsaufwand durch Lehrkräfte nötig.
Ebenfalls bei PISA erhoben wurde in Österreich erstmals der Bereich „Finanzkompetenz“ – die Ergebnisse dieser Kategorie werden aber erst 2024 präsentiert.
Praxisnahe Aufgaben im Fokus
PISA testet nicht Lehrplanvorgaben ab – das wäre aufgrund der unterschiedlichen Curricula in den mehr als 80 teilnehmenden Ländern bzw. Regionen auch gar nicht möglich. Im Mittelpunkt steht weniger Faktenwissen, sondern die Anwendung bestimmter Kompetenzen auf praxisnahe Aufgaben.
Herkunft beeinflusst Ergebnisse
Österreich gehört weiterhin zu jenen OECD-Ländern, in denen der sozioökonomische Hintergrund (Bildung und Beruf der Eltern, materieller Wohlstand) einen noch stärkeren Einfluss auf die Leistungen der Jugendlichen hat als im Schnitt der anderen OECD-Staaten. Auch die Kluft zwischen Schülern, deren Eltern im Ausland geboren wurden, und ihren einheimischen Altersgenossen ist weiterhin größer als im OECD-Schnitt.
Die Schüler aus dem Viertel mit dem höchsten sozioökonomischen Status haben dabei im Schwerpunktfach Mathematik um 106 Punkte mehr erreicht als jene aus dem niedrigsten Viertel, das entspricht einem Leistungsunterschied von mehreren Jahren und ist signifikant mehr als im OECD-Schnitt (93 Punkte). In Österreich ist der Leistungsunterschied im Vergleich zur letzten PISA-Studie sogar größer geworden, weil die Leistung der Schüler mit den ungünstigsten Voraussetzungen etwas zurückgefallen sind, während die Ergebnisse der Schüler mit den günstigsten Lernvoraussetzungen gleichgeblieben sind.
Insgesamt lässt sich ein Fünftel der Leistungsunterschiede österreichischer Schüler in Mathe mit dem sozioökonomischen Hintergrund erklären, im OECD-Schnitt sind es 15 Prozent. In die Gruppe der Schüler mit den Top-Resultaten schaffen es nur acht Prozent der Schüler mit den schwierigsten Lernvoraussetzungen, im OECD-Schnitt sind es 10 Prozent.
Schlechtere Ergebnisse bei Migrationshintergrund
Signifikant schlechtere Ergebnisse liefern auch Schüler mit Migrationshintergrund –wobei die Hälfte darunter gleichzeitig aus einer Familie mit besonders wenigen Ressourcen kommt und 75 Prozent angegeben haben, daheim nicht die Unterrichtssprache zu nutzen. In Mathematik erreichten sie diesmal um 58 Punkte weniger als ihre Altersgenossen mit Eltern, die in Österreich geboren wurden (505) –ähnlich groß ist der Unterschied nur in Belgien, Finnland, Deutschland, den Niederlanden, Slowenien und Schweden.
Demografische Daten abgefragt
Der Fragebogen wiederum umfasste demografische Daten wie den Migrationshintergrund, Beruf und Schulbildung der Eltern, Lernressourcen in Schule und Elternhaus, Fragen zum Unterricht oder die Einstellung der Schüler zur Mathematik. Ebenfalls gestellt wurden einige Fragen zum Lehren und Lernen während der Phasen des Online-Unterrichts in der Pandemie.
Vergleicht man nur Schüler mit demselben sozioökonomischen Hintergrund miteinander, bleibt immer noch ein signifikanter Unterschied von 25 Punkten. Beim Lesen beträgt die Differenz 65 bzw. 30 Punkte. In Österreich waren bei PISA 2022 laut OECD-Definition 27 Prozent der österreichischen Schüler Migranten, hatten also Eltern, die im Ausland geboren wurden.
Jungs gut in Mathe, Mädchen eher im Lesen
Vergleichsweise geringer, aber immer noch signifikant sind die Leistungsunterschiede nach Geschlecht: Während die Burschen in der Mathematik die Nase vorne haben (497 gegenüber 478 Punkte), schneiden die Mädchen beim Lesen besser ab (491 gegenüber 470).
In Mathematik gehört Österreich mit dem Abstand von 19 Punkten mit Costa Rica, Peru, Macao (China), Chile und Italien zu den Ländern mit der größten Geschlechterkluft, der Schnitt liegt bei neun Punkten. Beim Lesen liegen die Mädchen im OECD-Schnitt um 24 Punkte vorn. (APA)
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