Krippele schaug'n

Von der Lawine zerstört, als Krippe wiederbelebt

Norbert Haider aus Oberperfuss schuf diese Krippenfiguren aus Schadholz nach einem Lawinenabgang.
© Rita Falk / Tiroler Tageszeitung

Die Tiroler Krippengeschichte aus mehr als 200 Jahren wird im Volkskunstmuseum nacherzählt, neu in der Sammlung sind einige Krippen mit besonderen Geschichten. Am 24. Dezember lädt das Museum bei freiem Eintritt zum „Krippele schaug'n".

Innsbruck - Bei ihrem Opa daheim in Südtirol durfte das Christkind erst am 24. Dezember in die Krippe, die fast die halbe Stube einnahm, gelegt werden. „Er hat das zelebriert", erzählt Jutta Profanter vom Tiroler Volkskunstmuseum, die selbst nicht so „streng" ist, aber die Krippen-Leidenschaft hat sie sogar zum Beruf gemacht.

In den vergangenen Wochen hat sie sich im Volkskunstmuseum, das eine Dauerstellung zu Krippen zeigt, mit den Neuzugängen intensiver beschäftigt. „Das Besondere an der Haider-Krippe ist, dass sie aus Lawinenholz geschnitzt wurde", sagt Profanter. Die Nachfahren von Norbert Haider (1930–2021) aus Oberperfuss haben dessen Wunsch entsprochen und die Krippe dem Museum überlassen. „Er hat eineinhalb Jahre selber daran geschnitzt und das sicher mit viel Herzblut."

Wenn man sich die Figuren ansieht, ist es kaum zu glauben, dass sie aus einem Holz gemacht wurden, das einmal einer Naturgewalt zum Opfer gefallen ist.

Viele Figuren, viele Szenen, minutenlang kann man die Details bestaunen. So wird eine Krippe fast zum Bibelfilm.
© Rita Falk / Tiroler Tageszeitung

Jede Weihnachtskrippe erzählt die Geschichte von der Geburt Jesu, manche erzählen noch ein bisschen mehr - sind fast wie ein Bibelfilm. „Man steht 20 Minuten davor, ist fasziniert, entdeckt immer neue Details. Dabei geht es uns vom Museum beim ersten Mal gleich wie den Besuchern", ist sich Profanter sicher. Sie denkt zum Beispiel an die neu aufgenommene Kastenkrippe. Diese entstand vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Kastelruth in Südtirol. Man sehe in solchen Krippen die klassische Geschichte, die Herbergssuche, die Flucht aus Ägypten, den Kindermord oder viele andere Szenen.

„Mit Krippen kann man auch Kindern die Geschichten von damals näherbringen. Man tauscht die Figuren und beschäftigt sich so den ganzen Advent mit der Krippe." Wie der Opa von Jutta Profanter. Bei einem Detail ist sie genauso „streng" wie er. Die Heiligen Drei Könige kommen bei ihr erst am 6. Jänner in die Krippe.

Krippen im Volkskunstmuseum in Innsbruck

Eine Krippe aus Thaur/Hall aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Krippenberg und Hintergrundmalerei von Franz Pernlochner, vulgo Schandl aus Thaur
Tiroler Krippe von Anfand ds 20. Jahrhunderts, Figuren von Stefan Plankensteiner aus Bruneck.
Krippe aus Innsbruck, 1963 von Franz Baumann.
Krippe aus Thaur/Rum, um 1880 von Johann Plank.
Kastenkrippe aus Kastelruth aus Holz, Naturmaterialien und Glas aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Krippe des zwölfjährigen Jesus im Tempel aus Thaur, um 1800, Figuren und Tempel von Johann Giner aus Thaur.
Geburtsgruppe aus Innsbruck, 1969 von Franz Bacher aus Gais bei Bruneck.
In der Dauerstellung wird in einem Raum eine Krippe auf die Wände projeziert, man wird so als Besucher quasi selbst zur Krippenfigur.

Am 24. Dezember hat das Volkskunstmuseum von 9 bis 16 Uhr geöffnet, Eintritt frei. (TT)

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