Auftakt der Vierschanzen-Tournee

„Kein Bombensprung": Stefan Kraft bei Windlotterie in Oberstdorf Dritter

Stefan Kraft freute sich über sein 106. Weltcup-Podium: „Ich bin superglücklich."
© KERSTIN JOENSSON

25.500 Skisprung-Fans bekommen in Oberstdorf eine große Show geboten. Andreas Wellinger setzte sich vor dem zweitplatzierten Japaner Ryoyu Kobayashi und Stefan Kraft durch.

Oberstdorf – Topfavorit Stefan Kraft hat seine Anwartschaft auf den „Goldenen Adler" untermauert. Der Überflieger der Saison musste beim Auftaktspringen der 72. Vierschanzentournee in Oberstdorf aber dem Deutschen Andreas Wellinger und Ryoyu Kobayashi aus Japan den Vortritt lassen. Bei kniffligen Rückenwindverhältnissen landete der Salzburger mit Weiten von 132,5 und 125 Metern 10,4 Punkte hinter Wellinger (139,5/128), der vor 25.500 Fans einen viel umjubelten Heimsieg zelebrierte.

Mannschaftlich sahen sich die zunächst topplatzierten ÖSV-Springer in der Entscheidung nicht vom Wind begünstigt. Mit Jan Hörl (8.), Michael Hayböck (10.) und Manuel Fettner (13.) landeten drei Österreicher in den Top-15, nachdem zur Halbzeit vier unter den ersten acht gelegen waren. Clemens Aigner klassierte sich unmittelbar vor Daniel Tschofenig auf Platz 19. Im prognostizierten Ländermatch Österreich - Deutschland stellten die Gastgeber des ersten Schanzenspektakels auf 1:0.

Mit seinem 106. Weltcup-Podium konnte Kraft „auf alle Fälle" leben. „Ich bin superglücklich über den dritten Platz. Die beiden waren heute einfach sehr schwer zu schlagen", sagte Kraft, dem auf der Schattenbergschanze keine perfekten Sprünge gelangen. „Es war kein Bombensprung dabei, vom Niveau waren sie aber sehr gut", betonte der 30-Jährige. Im zweiten Durchgang sei er eine Nuance zu spät am Schanzentisch gewesen, im ersten eine Spur zu verkrampft. „Trotzdem bin ich sehr happy. Ich bin voll dabei und fahre megaglücklich von da weg."

Es war kein Bombensprung dabei, vom Niveau waren sie aber sehr gut.
Stefan Kraft, ÖSV-Springer

Der Triumphator von 2014/15 will dennoch mit viel Selbstvertrauen gegen seinen Neujahrs-Fluch in Garmisch-Partenkirchen anspringen. „Ich bin froh, dass ich am Stockerl stehe. Das ist unglaublich schön zum Auftakt", sagte Kraft, der auch 2018 als Dritter für das zuvor letzte österreichische Podium in Oberstdorf gesorgt hatte.

Wellinger, Sieger der Qualifikation, genoss indes seinen Triumph im schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer in vollen Zügen. „Es hat extrem viel Spaß gemacht. Die Emotionen sind wahnsinnig hoch und schön", sagte der 28-Jährige nach seinem sechsten Weltcupsieg und dem ersten bei der Tournee. Kraft freute sich für seinen Herausforderer. „Es war fast wie in einem Fußballstadion oder einer Disco mit 26.000 Leuten. Es hätte fast wehgetan, wenn ich die Party da gecrasht hätte. Ich bin da sehr empathisch", sagte Kraft und lachte.

ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl sprach von einer erfüllten Mission. „Die Sprünge waren okay, nicht sehr gut, es passt einmal", sagte der Tiroler und prognostizierte: „Es wird ein heißer Fight werden." Auch Mario Stecher konnte mit dem Ergebnis gut leben. „Wir haben natürlich gewusst, dass es vor diesen fantastischen Fans ein richtiger Hexenkessel wird. Vielleicht hat das Quäntchen Glück gefehlt, aber das kommt wieder zurück", sagte der Sportliche Leiter der Skispringer im ÖSV.

Titelverteidiger Granerud schon gescheitert

Das Anwärterfeld auf den Tourneesieg hat sich bereits nach einem Viertel deutlich reduziert. So konnte der norwegische Vorjahressieger Halvor Egner Granerud die erfolgreiche Titelverteidigung bereits nach einem Sprung auf 105,5 m abschreiben. Auch andere frühere Gewinner, etwa die Polen Kamil Stoch (17.) und Dawid Kubacki (27.), rissen erheblichen Rückstand auf.

Kraft war mit fünf Weltcupsiegen in acht Saisonbewerben nach Oberstdorf gereist. Zuletzt war wegen Rückenproblemen Schongang angesagt, beim Auftaktspringen wollte der Quali-Siebente wieder „die Handbremse lösen". Und hielt trotz tückischen Rückenwindes Wort. Zwar sprang Wellinger zunächst bei besserem Wind und Luken-Vorteil die Tageshöchstweite (139,5) und damit sieben Meter weiter als Kraft. Doch dieser war als Dritter hinter Kobayashi dank der Wind- und Gatepunkte in Schlagdistanz. Im Finale verteidigte Wellinger seine Führung erfolgreich. (APA)

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