Niedersachsen besonders betroffen

Hochwasser halten Deutschland weiter in Atem

Ein Bild vom Freitag: Ein Stadtteil von Kleve in Nordrhein-Westfalen ist vom Rheinhochwasser umschlossen.
© Arnulf Stoffel

Auch am Samstag hält die Flut Teile Deutschlands in Atem. Niedersachsen ist besonders betroffen.

Hannover – Die Hochwasserlage hält Deutschland und vor allem Niedersachsen auch am Samstag weiter in Atem. Zahlreiche Pegel zeigten weiterhin die höchste Warnstufe an den Flüssen an. Zudem zogen in der Nacht erneut Regenschauer über den Norden.

In den Landkreisen Lüchow-Dannenberg und Verden erwarten die Verantwortlichen erst in der Neujahrswoche sinkende Pegelstände. An der Aller war die Situation weiter kritisch: In Verden/Aller stieg das Wasser weiter an, wie die Kreisfeuerwehr am Freitagabend mitteilte. Auch die Stadt Celle und die benachbarte Gemeinde Winsen/Aller warnten angesichts der Hochwasserlage vor Ausfällen der Energieversorgung und des Mobilfunk-Netzes, weil der Pegelstand der Aller weiter steigen soll. Feuerwehren, Verwaltung und Hilfsorganisationen beobachteten die Entwicklung der Lage ständig.

In Lilienthal (Landkreis Osterholz), unmittelbar an der Landesgrenze zu Bremen, sei die Lage unverändert angespannt, teilte die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle Stade am späten Freitagabend über eine amtliche Gefahreninformation mit. Bereits evakuierte Bereiche dürfen weiterhin nicht betreten werden. Mehrere Straßen in der Gemeinde sind ohne Strom. Weiter südlich in Hannover sanken die Pegelstände von Leine und Ihme - eine Entwarnung gaben die Einsatzkräfte aber noch nicht.

Der Rhein hat in Ruedesheim (Hessen) einen Spielplatz unter Wasser gesetzt.
© KIRILL KUDRYAVTSEV

Flussabwärts der Weser werden die Pegelstände nach Einschätzung des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz noch weiter ansteigen. Insbesondere im unteren Verlauf der Mittelweser könne daher noch nicht von einer Entspannung gesprochen werden. Angesichts erwarteten Regens rechnet Innenministerin Daniela Behrens mit einer verschärften Hochwasserlage in manchen Regionen in den kommenden Tagen, wie sie in einem Deutschlandfunk-Interview am Freitag sagte. Von Samstag- bis Sonntagmorgen soll der Regen laut dem Deutschen Wetterdienst zunächst etwas nachlassen.

„Ganz klar, dass das über den Jahreswechsel andauern wird“

Das Technische Hilfswerk (THW) stellte sich auf einen Einsatz in den Hochwasser-Gebieten bis in die erste Jänner-Woche hinein ein. "Es ist ganz klar, dass das über den Jahreswechsel andauern wird", sagte THW-Präsidentin Sabine Lackner der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in Berlin. "Was uns hoch besorgt, ist der Zustand der Deiche." Sie seien massiv aufgeweicht. Täglich seien etwa 1000 Einsatzkräfte in den betroffenen Gebieten unterwegs.

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Die Stadt Celle appellierte an Menschen, Sperrungen ernst zu nehmen und nur in die Stadt zu reisen, wenn es unbedingt notwendig sei. "Durch wachsenden "Hochwassertourismus" und Verkehr werden Rettungskräfte vielerorts am Durchkommen gehindert." Auch die Feuerwehr Verden berichtete von störenden Katastrophentouristen. Der Landkreis Osterholz befürchtet darüber hinaus, dass zu Silvester viele Schaulustige im Hochwassergebiet unterwegs sein werden.

Zahlreiche Landkreise appellierten erneut, Deiche nicht zu betreten, da diese aufgeweicht seien und beschädigt werden könnten. In der Stadt Oldenburg gilt ein Betretungsverbot für Deiche, das mit bis zu 5.000 Euro geahndet wird.

Verspätungen und Sperren im Bahnverkehr

Aufgrund der Witterung und des Hochwassers müssen sich Bahnreisende länger als geplant auf Verspätungen und Streckensperrungen einstellen. Die Verbindung zwischen Oldenburg und Osnabrück sei wegen des Hochwassers nach wie vor eingeschränkt, sagte eine Sprecherin der Nordwestbahn am Freitag.

An den Talsperren im Harz sinken indes die Füllstände weiter. Derzeit wird dort nicht mehr Wasser über den Notüberlauf abgegeben, wie ein Sprecher der Harzwasserwerke am Freitag sagte. Die Lage sei allerdings weiter angespannt, da noch immer zu viel Wasser in den Reservoirs sei. Die Harzwasserwerke hoffen auf trockenes Wetter, um die Talsperren weiter ablassen und dadurch den Hochwasserschutz gewährleisten zu können. (APA/dpa)

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