Neujahrskonzert 2024

Mit Werken von Anton Bruckner: Wiener Philharmoniker begrüßten neues Jahr musikalisch

Dirigent Christian Thielemann am Montag, 1. Jänner 2024, mit den Wiener Philharmonikern im Großen Saal des Wiener Musikvereins in Wien.
© APA/DIETER NAGL

Star-Dirigent Christian Thielemann beging sein zweites Wiener Neujahr mit kapellmeisterlicher Zuspitzung und einem Gruß in „eine Welt zerrissen von Kriegen und Intoleranz“.

Wien – Traditionell philharmonisch hat das Jahr 2024 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins und für Fernsehzuschauer in 100 Ländern rund um den Globus begonnen: Das Neujahrskonzert unter der Leitung von Christian Thielemann richtete mit den „wunderbar variablen“ Melodien der Strauß-Brüder, aus der Wiener Ball- und Militärmusik sowie von Jahresregent Anton Bruckner einen Gruß an eine „Welt zerrissen von Kriegen und Intoleranz“, so der Dirigent.

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Der deutsche Thielemann, der in diesem Jahr seinen Wechsel von der Staatskapelle Dresden zur Berliner Staatsoper unter den Linden vollziehen wird, debütierte bereits 2019 am Neujahrspult. Auch fünf Jahre später greift der Spezialist für das große, ernste deutsche Repertoire die schmeichlerischen Wiener Melodien mit einer guten Portion kapellmeisterlicher Zuspitzung an. Galopp und Polka donnern da mit diamantscharf geschliffenen Hufen über das Kopfsteinpflaster, der Marsch und der Walzer als fast verwechselbare Zwillinge der Wiener Musik lässt Thielemann mit großem Volumen der Parade nähertreten als dem Tanzparkett.

Auftakt ins Bruckner-Jahr

Die enge Verbindung, die Thielemann und das Orchester seit Jahren pflegen, kulminiert heuer nicht nur am Neujahrstag, sondern vor allem in den musikalischen Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Anton Bruckner, der am 4. September ansteht. Gemeinsam hat man dafür sämtliche Symphonien des oberösterreichischen Komponisten eingespielt. Und man hat zum ersten Mal überhaupt auch ein Stück Bruckners aufs Neujahrs-Menü gesetzt. Keine leichte Übung, betätigte sich doch der große Symphoniker nicht gerade im kleinteiligen Nummernformat – und das Schreiben von Tanzmusik war für einen Kirchenmusiker und Organisten ohnehin verpönt.

📸 Bilder vom Konzert

Im Archiv fand sich allerdings eine Preziose des sehr jungen Bruckner – eine Quadrille für Klavier zu vier Händen, die er wohl für einen privaten Ball gezimmert hatte. Von Wolfgang Dörner ließen die Philharmoniker das Stück für großes Orchester im Stile der Wiener Musik instrumentieren. Eine Überraschung, eben weil sie nicht überraschend klingt: Am ersten Tag des Jubeljahres hätte man diesen Bruckner aus den Strauß-Brüdern, den Hellmesbergers und Ziehrers kaum herausgehört. Für die Fernsehzuschauer stand auch der traditionelle Pausenfilm im Zeichen Bruckners – unter Regie von Felix Breisach gehen zwei Sängerknaben aus dem Stift St. Florian auf Entdeckungstour zu den zentralen Lebensstationen des Oberösterreichers, darunter Ansfelden oder Bad Ischl.

Kulturhauptstadt Bad Ischl

Auch die heurigen Balletteinlagen wurden im oberösterreichischen Kurort Bad Ischl gedreht – im Hinblick auf das heurige Kulturhauptstadtjahr Salzkammergut 2024, bei dem Bad Ischl als Ankerstadt fungiert. Mit dem posthum fertiggestellten „Ischler Walzer“ widmete Johann Strauß der kaiserlichen Sommerfrische auch den passenden Klangteppich. Auf der niederösterreichischen Rosenburg hat Choreograf Davide Bombana die Tänzerinnen und Tänzer des Wiener Staatsballetts zu Carl Michael Ziehrers Walzer der selbstbewussten „Wiener Bürger“ in Kostümen von Susanne Bisovsky inszeniert.

Strategisch gut in der Ballsaison positioniert war der Wiener Gruß in die Welt auch heuer gern im Dreivierteltakt gehalten. Josef Strauß steuerte den doppelbödigen „Delirien“-Walzer bei, Josef Hellmesberger Junior nicht nur die „Estudiantina“-Polka mit hohem Pizzicato-Anteil, sondern auch den weit ausholenden, an diesem Tag durchaus programmatischen Walzer „Für die ganze Welt“, Johann Strauß kredenzte süße „Wiener Bonbons“ – sogar solche, die diesen Titel tragen – und selbstverständlich den ikonischsten aller Walzer, „An der schönen blauen Donau“.

Dem Wasser und seinem Schutz gewidmet wurde Eduard Strauß' Polka „Die Hochquelle“, die anlässlich der Eröffnung der Wiener Hochquellenleitung komponiert wurde. Mit dieser Widmung geht die heurige Neujahrskonzertspende in Höhe von 100.000 Euro an ein Umweltschutzprojekt des Dachverbands der Alpinen Vereine Österreichs einher.

Muti wird 2025 dirigieren

Das offizielle Österreich wurde vertreten unter anderem von Bundespräsident Alexander van der Bellen und Bundeskanzler Karl Nehammer. Dieser besuchte das Konzert gemeinsam mit Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher und dem Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle. Wie jedes Jahr wurde gegen Ende des Konzertereignisses das Geheimnis zum Dirigenten des Folgejahres gelüftet: Riccardo Muti wird am 1. Jänner 2025 – zum Auftakt des Jubiläumsjahres anlässlich des 200. Geburtstags von Johann Strauß - bereits zum siebenten Mal am Neujahrspult stehen. (APA)

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