Kultur Österreich

Die Zeitung am Morgen bereitet den Verlegern Sorgen

Zeitungszustellung soll trotz Schwierigkeiten weiter bestehen
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Trotz Printabo am Morgen keine Zeitung vor der Haustür: Ein Ärgernis, das auch in dicht besiedelten Gebieten wie Wien vermehrt auftritt. Schuld ist u.a. die Personalsituation bei Zustellunternehmen und eine Ausdünnung der Zustelladressen. Teilweise muss auf die Post, die keine Frühzustellung gewährleistet, umgesattelt werden. Auch steigende Kosten bereiten Sorge. Wie eine APA-Rundschau zeigt, bekennen sich Medienhäuser aber weiterhin klar zur flächendeckenden Frühzustellung.

Martin Kneschaurek, Verlagsleiter Print beim "Standard", erklärt die gegenwärtige Lage mit allgemein sinkenden Printauflagen, die zu einer Ausdünnung der Zustelladressen und damit zu längeren Wegen pro Zeitung führen. "Dadurch, aber auch durch steigende Spritpreise sinken die Margen für Zustellunternehmen und Zusteller, womit die Kosten für Verlage steigen", so Kneschaurek. Maximilian Dasch, Geschäftsführer der "Salzburger Nachrichten" spricht mit Blick auf die tägliche Hauszustellung von "umfassenden Herausforderungen", die exemplarisch auf den Wettbewerb um gute Kräfte, hohe Energiepreise und sich verändernde Anforderungen an Beruf und Freizeit zurückzuführen seien. "Diese bedingen flexiblere Einsatzmodelle, Anpassungsfähigkeiten im Zuschnitt von Zustellgebieten und einen großen Aufwand im Bereich der Gewinnung und Bindung von Zustellpartnern", hält er fest.

Auch Markus Mair, CEO der Styria Media Group, unter deren Dach die "Kleine Zeitung" und "Die Presse" agieren, sieht seit längerem ein "sehr herausforderndes Marktumfeld". Um die Zuverlässigkeit und Qualität der Hauszustellung nachhaltig sicherzustellen, arbeite man mit mehreren Zustellorganisationen zusammen und setze auch auf Kooperationen mit Partnern aus der Branche. Von einer "fortgesetzten Herausforderung" bei der Besetzung von allen Zustellgebieten spricht Gerhard Fröhlich, Vertriebsleiter der "Tiroler Tageszeitung". Derzeit fehlen der "TT" zehn Prozent an Zustellpartnern auf eine 100-prozentige Abdeckung der Zustellgebiete. Ersatzzustellungen werden intern organisiert, auf die Post verzichtet man. Denn: "Wir sehen die Zeitungszustellung bis 6 Uhr morgens als wichtigen USP", so Fröhlich, der auch anmerkt, dass "weit über 99 Prozent" aller Zeitungen im Dezember ohne Reklamation zugestellt worden seien.

An ein Aus der Frühzustellung in manchen Gebieten denken die Medienhäuser nicht. "Über 50 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher lesen laut Mediaanalyse Tageszeitungen - den breiten Bedarf nach Print wollen wir auch weiterhin in bestmöglicher Form logistisch bedienen", sagt Dasch. Die tägliche Frühzustellung sei hochrelevant für die Informationsvermittlung und daher aus gesellschaftspolitischen Aspekten langfristig abzusichern, so der "SN"-Geschäftsführer. Auch beim "Standard" will man die Zustellqualität absichern. "Wir gehen den Weg der letzten Jahre weiter und versuchen, Synergien durch Kooperation mit anderen Marktteilnehmern zu erzielen", so Kneschaurek.

Mair sieht eine "gesellschafts- und medienpolitische Verantwortung" gegeben. "Bestimmte Zielgruppen sind nur durch die gedruckte Zeitung zu erreichen. Durch die breite Verfügbarkeit physischer Medien wird sichergestellt, dass auch diese informiert bleiben und am öffentlichen Diskurs teilnehmen", so der Styria-CEO. Mair spricht sich für ein Bekenntnis der öffentlichen Hand zu einer flächendeckenden Verfügbarkeit physischer Tageszeitungen aus - "und damit einhergehend einer finanziellen Förderung des Vertriebs von Zeitungen". Auch Kneschaurek sieht die Politik gefordert, über Lösungen nachzudenken, da die "Profitabilität der Printtageszeitung durch unterschiedliche Kostenentwicklungen enorm unter Druck steht".

Printmedien werden derzeit etwa im Rahmen der Presseförderung gefördert. Diese sieht auch Vertriebsförderung vor, die sicherstellen soll, dass die Zeitung auch vor der Wohnungstür landet. Im Jahr 2023 standen rund 2,1 Mio. Euro für Tageszeitungen bereit, diese wurden auf elf Titel aufgeteilt, womit pro Medium zwischen 160.000 Euro und 200.000 Euro ausgeschüttet wurden. "Sinnvoll wäre, in einem kleinen Land wie Österreich mit wenigen Zeitungen die Zustellung zu zentralisieren und dieses Netz anschließend ausreichend zu fördern", regt Josef Trappel, Leiter des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg, auf APA-Anfrage an.

Prinzipiell erachtet der Medienexperte die gedruckte Kauftageszeitung nach wie vor als "hoch relevant". "Sie stellt das Rückgrat der Wirtschaftlichkeit der Zeitungen dar. Ohne Druckexemplare würde das Geschäftsmodell der Tageszeitungen zerfallen", so Trappel. Die Beibehaltung der Frühzustellung auch zu teurem Preis sei besonders dort wichtig, wo die Abonnementzahlen gegenüber dem Kioskverkauf besonders hoch seien.

Keine Sorgen um die Hauszustellung müssen sich Abonnentinnen und Abonnenten eines E-Papers machen - und diese Gruppe wächst. Während die Verkaufsauflagen bei Österreichs Tageszeitungen seit längerer Zeit sinken, stiegen laut jüngster Österreichischer Auflagenkontrolle (ÖAK) bei fast allen Medienhäusern die E-Paper-Absatzzahlen. Sie machen aber weiterhin nur einen Bruchteil der Printversion aus. "Nur jüngere Altersgruppen steigen auf Online um, ältere eher nicht", weiß Trappel. Ältere Personen seien aber die wichtigsten Tageszeitungskunden.

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