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Nauru bricht diplomatische Beziehungen zu Taiwan ab

Taiwan verliert nach Präsidentschaftswahlen ersten Verbündeten
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Nauru wird die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abbrechen und China anerkennen. Dies teilte die Regierung des kleinen pazifischen Inselstaates am Montag mit und ist damit der erste diplomatische Verbündete Taipehs, der nach den Präsidentschaftswahlen zu Peking wechselt. Taiwan werde umgehend seine Zusammenarbeit stoppen, sagte der taiwanesische Vize-Außenminister Tien Chung-kwang. "Wir verlangen, dass Nauru sofort seine Botschaft in Taiwan schließt."

Nauru, das etwa 5.600 Kilometer südöstlich von Taiwan liegt, gehört zu den kleinsten Ländern der Welt. Die winzige Republik hat nur rund 12.000 Einwohner. Nauru galt in den 1970er-Jahren dank großer Vorkommen an Phosphat als extrem reich. Jedoch waren die Reserven in den 1990er-Jahren erschöpft - und das Land geriet in eine tiefe Krise. Heute gehört es zu den ärmsten Ländern der Welt.

Chinas Regierung begrüßte Naurus Umdenken. Die Entscheidung zeige, "dass das Ein-China-Prinzip dem Willen des Volkes und dem Trend der Zeit entspricht", hieß es aus dem Außenministerium in Peking. Demnach erachtet die Volksrepublik Taiwan als Teil ihres Territoriums und lehnt internationale Beziehungen anderer Staaten zu der Insel ab. China will Taiwan schon lange unter seine Kontrolle bringen - notfalls mit Gewalt.

Die USA blicken hingegen zuversichtlich auf die Kontinuität der bilateralen Beziehungen unter der neuen taiwanesischen Regierung, wie eine inoffizielle US-Delegation Taipeh versicherte. Die Delegation mit den beiden früheren US-Regierungsbeamten Stephen Hadley und James Steinberg war am Samstag in Taipeh eingetroffen. Sie besuchte die noch amtierende Präsidentin Tsai Ing-wen und ihr frisch gewählter Nachfolger Lai Ching-te (William Lai). Die Kommunistischen Partei in China hatte gegen den Besuch protestiert.

Das US-Engagement für die Insel sei "unerschütterlich, prinzipientreu und überparteilich", sagte der frühere US-Sicherheitsberater Hadley am Montag der taiwanesischen Präsidentin Tsai. Die Vereinigten Staaten stünden "an der Seite ihrer Freunde". Der Besuch kurz nach der Wahl vom Samstag sei von "großer Bedeutung", sagte Tsai am Montag in Taipeh. Dies hebe die felsenfeste Partnerschaft zwischen beiden Ländern hervor.

Taiwans Demokratie sei ein leuchtendes Beispiel für die Welt, so Hadley. "Wir freuen uns auf die Kontinuität der Beziehungen zwischen Taiwan und den Vereinigten Staaten unter der neuen Regierung und auf die gemeinsamen Bemühungen, den Frieden und die Stabilität zwischen den beiden Ländern zu erhalten." Lai bezeichnete den Besuch als Beweis für "die enge und stabile Partnerschaft zwischen Taiwan und den USA". "Ich bin dankbar für die starke Unterstützung der USA für Taiwans Demokratie", sagte Lai nach dem Treffen am Montag.

US-Präsident Joe Biden hatte als Zeichen der Unterstützung für die neue Regierung die inoffizielle Delegation auf die von China beanspruchte Insel entsandt. Lai von Taiwans regierender Demokratischer Fortschrittspartei (DPP) hatte die Präsidentschaftswahlen am Samstag erwartungsgemäß gewonnen und wird sein Amt am 20. Mai antreten. Im Wahlkampf hatte der 64-Jährige angekündigt, den Peking-kritischen Kurs von Tsai fortzusetzen.

China erklärte nach der Wahl, das Ergebnis werde eine "Wiedervereinigung" Chinas nicht verhindern. Peking betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz. Die taiwanesische Regierung weist den Souveränitätsanspruch der Regierung in Peking zurück. Westliche Staaten hatten zuvor mit Glückwünschen an den taiwanesischen Wahlsieger scharfe Kritik Chinas auf sich gezogen.

Die Regierung von Nauru erklärte unterdessen, dass sie "im besten Interesse" des Landes und seiner Bevölkerung die volle Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu China anstrebe. Dies bedeute, dass die Republik Nauru Taiwan nicht mehr als eigenständiges Land anerkenne und dass sie die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan mit dem heutigen Tag abbreche, hieß es in einer Erklärung vom Montag.

Zuletzt hatte im März 2023 Honduras seine Beziehungen zu Taiwan abgebrochen - vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Während Taiwan damit einen wichtigen Verbündeten verlor, erlaubte China eine engere Zusammenarbeit mit dem mittelamerikanischen Land. International als Staat anerkannt wird Taiwan jetzt nur noch von 12 Ländern: den lateinamerikanischen und karibischen Staaten Belize, Guatemala, Paraguay, Haiti, Sankt Kitts und Nevis, Sankt Lucia, Sankt Vincent und die Grenadinen, den Pazifikstaaten Marshallinseln, Palau und Tuvalu, von Eswatini im südlichen Afrika sowie vom Vatikan.

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