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Iran nennt Attacken im Irak und Syrien Selbstverteidigung

Auch Kurdengebiet im Norden des Iraks attackiert
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Der Iran hat Ziele im Irak und in Syrien angegriffen und spricht dabei von Selbstverteidigung. Die Regierung respektiere die Souveränität und die territoriale Integrität anderer Länder, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Teheran, Nasser Kanaani, am Dienstag. Zugleich nutze der Iran sein legitimes Recht, Bedrohungen der nationalen Sicherheit abzuwehren. International gab es heftige Kritik wegen der Attacken, außerdem wächst die Angst vor einem Flächenbrand in Nahost.

Nach eigener Darstellung griffen die Revolutionsgarden eine israelische Spionagezentrale in der halb-autonomen Region Kurdistan im Irak sowie Stellungen der IS-Miliz in Syrien mit Raketen an. Das Vorgehen der seit langem nach größerem Einfluss strebenden Regionalmacht Iran fällt mitten in die durch den Krieg im Gazastreifen äußerst angespannte Lage. Es wird befürchtet, dass der Konflikt sich in der Region erheblich ausweiten könnte, zumal der Iran die gegen Israel und den Westen gerichtet "Achse des Widerstandes" anführt. Ihr gehören die Hamas im Gazastreifen, die Hisbollah-Miliz im Libanon, die Houthi-Rebellen im Jemen und Gruppen im Irak und in Syrien an.

Der Feind habe sich verrechnet, als er die Islamische Republik ins Visier genommen habe, führte Kanaani, der Sprecher des iranischen Außenministeriums, aus. Darauf habe der Iran "mit einer präzisen und gezielten Operation gegen das Hauptquartier der Täter" reagiert. Die Revolutionsgarden sprachen von Vergeltung: "Als Reaktion auf die jüngsten Gräueltaten des zionistischen Regimes, bei denen Kommandanten der Garde und der Achse des Widerstands getötet wurden, wurde eines der wichtigsten Spionagehauptquartiere des Mossads in der irakischen Region Kurdistan mit ballistischen Raketen zerstört."

Üblicherweise bezeichnet die iranische Führung Israel als zionistisches Regime. Der Mossad ist der Auslandsgeheimdienst Israels. "Wir versichern unserer Nation, dass die Offensiveinsätze der Garde so lange fortgesetzt werden, bis die letzten Tropfen Märtyrerblut gerächt sind", hieß es in der Erklärung der Revolutionsgarden. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben zum Geschehen nicht. Die israelische Regierung war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Irak protestierte unterdessen gegen den Angriff auf Erbil im Norden. Das Außenministerium rief seinen Botschafter aus dem Iran zurück. Der Ministerpräsident von Kurdistan, Massoud Barzani, sprach von einem "Verbrechen gegen das kurdische Volk". Nach kurdischen Angaben wurden mindestens vier Zivilisten getötet und sechs weitere verletzt.

Frankreich warf dem Iran vor, die Souveränität des Iraks verletzt zu haben. "Solche Taten stellen eklatante, inakzeptable und besorgniserregende Verletzungen der Souveränität des Iraks und einen Angriff auf seine Stabilität und Sicherheit sowie die Kurdistans dar", erklärte das Außenministerium. "Sie tragen zur Eskalation der regionalen Spannungen bei und müssen aufhören." Auch die USA kritisierten die Angriffe auf Erbil. Washington unterhält dort ein Konsulat, das aber nicht angegriffen worden sei.

Dass die Lage auch im Iran selbst angespannt ist, zeigt die morgendliche Detonation eines Sprengsatzes in der Stadt Iranshahr im Südosten des Landes. Die selbst gebaute Bombe sei neben einer Straße explodiert, meldete die halbstaatliche Nachrichtenagentur Tasnim. Opfer und Schäden gebe es keine.

Erst Anfang des Monats kamen bei zwei Selbstmordanschlägen in Kerman rund 100 Menschen ums Leben, als zahlreiche Menschen des vor vier Jahren bei einem US-Angriff im Irak getöteten Kommandanten der Revolutionsgarden, Kassem Suleimani, gedachten. Zu dem Attentat bekannte sich der Islamische Staat, und dafür übten die Revolutionsgarden nun Vergeltung in Syrien.

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