Innenpolitik

Lehrer sehen Digitalisierung an Schulen durchwachsen

Licht und Schatten bei Schuldigitalisierung
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Im Juni 2020, nachdem sich die Schulen wegen der Coronapandemie plötzlich im Fernunterricht mit all seinen praktischen Problemen wiedergefunden hatten, hat die damalige schwarz-grüne Bundesregierung ihren Acht-Punkte-Plan für Digitalisierung ausgerufen. Dreieinhalb Jahre später gibt es aus Sicht der Lehrergewerkschaft bei der damals ausgerufenen "Digitalisierungsreform" in der Praxis weiterhin Luft nach oben.

Mittlerweile gut eingespielt hat sich nach anfänglichen Lieferproblemen in früheren Schuljahren die Verteilung der günstigen Laptops und Tablets für die Schülerinnen und Schüler der 1. Klasse Mittelschule und AHS. Im dritten Jahr der Geräteinitiative hätten nun auch die meisten Lehrer ein Gerät zur Verfügung - auch wenn dieses genau genommen der Klasse gehört und auch als Ersatzgerät herhalten muss, wenn Laptops oder Tablets von Schülern repariert oder ersetzt werden müssen, so David Hiegelsberger (FCG), Digitalisierungsexperte der Pflichtschullehrergewerkschaft, im Gespräch mit der APA.

Die digitalen Endgeräte würden auch durchaus im Unterricht verwendet, wenn auch seltener als in der Hochphase der Coronapandemie. Wenn der Einsatz "keinen zeitlichen oder pädagogischen Benefit bringt", werde eher darauf verzichtet, fasst Hiegelsberger Rückmeldungen zusammen. AHS-Lehrervertreter Herbert Weiß (FCG) sieht diese Entwicklung positiv. "Man muss bei der Digitalisierung ohnehin mit Maß und Ziel vorgehen, sonst gehen andere wichtige Dinge verloren."

Auch für Marcus Dekan vom Bundeselternverband hat sich die Qualität bei der Nutzung "deutlich gesteigert". Am Anfang habe es viele "Pseudo-Aktionen" gegeben, wo die Geräte einfach nur pro forma genutzt wurden. "Jetzt werden sie deutlich gezielter und passender eingesetzt."

Die Fortschritte der Schulen bei der Digitalisierung haben laut Hiegelsberger allerdings weniger mit dem Acht-Punkte-Plan als mit der Coronapandemie zu tun. Damals habe sich nämlich - ohne Vorgaben, Informationen oder Empfehlungen von oben - viel an den Standorten entwickelt, auf dem man dann aufbauen konnte. Die Erfolgsbilanz der weiteren im Acht-Punkte-Plan vorgesehenen Angebote fallen für Hiegelsberger durchwachsen aus. Die digitale Lehrerfortbildung über "Massive Open Online Courses" (MOOCs) etwa funktioniere zwar grundsätzlich, die Themen gingen aber seiner Wahrnehmung nach oft am Bedarf des Lehrpersonals vorbei. Die Eduthek, auf der Lehrer vertiefende Übungsmaterialien für alle Unterrichtsgegenstände finden sollen, sei wiederum de facto eine Sammlung von Links zu externen Seiten, die man als Fachlehrer ohnehin kenne.

Aufholbedarf gebe es auch immer noch bei der IT-Basisausstattung an den Schulen. Zwar gebe es kaum noch das Problem, dass Schulen kein Breitbandinternet haben - an den Bundesschulen (AHS, BMHS) sollten seit Ende 2023 sogar alle Standorte angeschlossen sein und laut Weiß wurde hier wirklich viel getan. Allerdings hapere es laut Rückmeldungen von Schulleitungen und Lehrern immer noch oft bei der Struktur innerhalb des Schulgebäudes, so Hiegelsberger - etwa an Hotspots in den Klassen, damit 25 Jugendliche gleichzeitig auch datenintensivere Anwendungen nutzen können. Folge davon sei, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Laptops und Tablets im Unterricht nicht immer entsprechend nutzen können. An Pflichtschulen sind für diese Infrastruktur die Gemeinden zuständig, an AHS und BMHS der Bund.

Im Pflichtschulbereich de facto ungenutzt ist laut Hiegelsberger das Portal Digitale Schule. Es bringe den Pflichtschulen einfach "keinen Nutzen". Auch an den Bundesschulen hielt sich der Ansturm in Grenzen. Insgesamt wurde die Plattform, die verschiedene Anwendungen für Schüler, Lehrer und Erziehungsberechtigte bündeln soll, innerhalb von drei Jahren von nur 380.000 der insgesamt 1,1 Mio. Schüler und 32.000 der 120.000 Lehrer genutzt, wurde der Sektionschef des Bildungsministeriums, Martin Netzer, zuletzt in der "Krone" zitiert.

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