Kulturhauptstadt Bad Ischl wird eröffnet: Ein Weckruf mit Kultur
Am Samstag startet der Veranstaltungsreigen zur europäischen Kulturhauptstadt. Gefeiert wird in Bad Ischl, das Programm verteilt sich auf das ganze Jahr.
Bad Ischl, Gmunden – Noch hält das Salzkammergut Winterschlaf. An der Gmundner Esplanade sind die Cafés geschlossen. In Bad Ischl leuchtet im Dunkeln noch der Weihnachtsbehang der Fußgängerzone, während der Schnee leise aufs Biergarten-Mobiliar der k.u.k. Hofbeisls rieselt. Es ist ruhig, der Silvestertourismus abgereist und die Sommerfrischler noch daheim. Auf dem Wochenmarkt dennoch alles beim Alten – nur dass zuletzt ein riesiges, zusammengerolltes Baustellennetz mit pinker Bestickung an den Ständen vorbeigetragen wurde. Es tut sich was, davon spricht man auch im Kaffeehaus. Nur man sieht es noch nicht. Oder nur dann und wann. Das grelle Orange der Plakate für das anstehende Kultur-Großprojekt blitzt im Grau in Grau der Landschaft bloß vereinzelt durch.
Geduld haben ist angesagt – und das gilt für das Kulturhauptstadt-Jahr im Salzkammergut besonders. Seit 1. Jänner sind Bad Ischl und das Salzkammergut europäische Kulturhauptstadt – oder besser „Kulturregion“, wie es Intendantin Elisabeth Schweeger zu sagen pflegt. Heute erwacht Bad Ischl. Der Veranstaltungsreigen wird endlich eingeläutet. 300 Events gehen in den nächsten elf Monaten in 23 Gemeinden über die Bühne.
Ein großes Geläut
Eingeläutet – das darf wörtlich genommen werden. Künstlerkomponist Georg Nussbaumer tuckerte schon am Freitag mit seinem Glögglwaggon vom oberösterreichischen Attnang-Puchheim über Gmunden und Bad Ischl ins steirische Stainach-Irdning – in vier Stunden quer durchs Salzkammergut. Nicht auf der Straße, sondern auf Schienen fährt seine mit Glocken behangene Klangmaschine, begleitet von den Kirchenglocken der Gemeinden. Ein großes Geläut, ein paar Minuten lang.
Ansonsten lässt es diese Kulturhauptstadt bisher eher leise angehen. Understatement ist in, große Infrastrukturprojekte, wie Graz (2003) und Linz (2009), out. Das mag auch am vergleichsweise knappen Budget von 30 Mio. Euro liegen. Was bleibt, muss das Publikum mitentscheiden.
Die Kulturhauptstadt übt sich derweil in künstlerischer Wiederbelebung – und ist damit ja wirklich zeitgenössisch. Beispiel Sudhaus: Seit 1965 schon wird dort, mitten in Bad Ischl, nicht mehr Salz aufbereitet. Es gab Partys – und ein Tischlerlager. Jetzt ist die Kunst eingezogen für ein ganzes Jahr. „Kunst mit Salz und Wasser“ ist einer der zentralen Anlaufpunkte der Kulturhauptstadt. Und das Salz ist auch hier Hauptdarsteller. Thematisch ist das Programm so ganz selbstverständlich regional.
Zusammenkommen forciert
Auch weil das Gros der Projekte – auch das wird Schweeger nicht müde zu betonen – aus der Region kommt. Beispiel Wirtshauslabor: Unter Anleitung von Profikoch Christoph „Krauli“ Held schmeißen SchülerInnen der Tourismusschule derzeit im Bad Ischler Bahnhofsgebäude ein Wirtshaus. In Gmunden hingegen haben Studierende der Kunstuni Linz das „Plateau Blo“ installiert – eine schwimmende Sauna. Da wie dort soll das Zusammenkommen gefördert werden. Beim Schwitzen. Oder Essen. Hauptsache warm.
Ob in der warmen Stube der forcierte internationale Austausch zustande kommt, wird sich zeigen. Die großen Leuchtturmprojekte aber werden fehlen. Und kleinere muss man sich in der Region mühsam zusammenklauben.
Was man dieser jetzt schon einzigartigen Zusammenarbeit wünscht: Dass sie es schafft, mit Klischees aufzuräumen – Operette gibt es in Bad Ischl ja trotzdem, nur halt vom Theatermacher Barrie Kosky. Und man wünscht ihr, dass sie so jung und feministisch wahrgenommen wird, wie sie es verspricht zu sein. Immerhin werden Anreisende seit gestern in Bad Ischl von Katharina Cibulkas 29. „Solange“-Netz (ein Projekt, das in Tirol seinen Anfang nahm) empfangen. Ihr Wunsch, siehe Foto, ist klar formuliert.
Fix ist: Es bleibt nichts, wie es ist – zumindest heuer. Und ganz so leise wie bisher wird es am Eröffnungswochenende nicht. Die Kulturhauptstadt will sich zeigen, selbst wenn es noch nicht so viel zu sehen gibt. Die Stadt wird Bühne und Club: das heißt eine Feier mit 1000 JodlerInnen.
Bad Ischl 24: Was ist schon zu sehen?
- Eröffnungszeremonie: Am 20. und 21. Jänner steigt das große Opening. Bei der Zeremonie im Kurpark stehen u. a. Hubert von Goisern (mit dem Chor von 1000), Tom Neuwirth aka Conchita und Doris Uhlich (mit der Performance „Pudertanz“) auf der Bühne. Die Operette „Eine Frau, die weiß, was sie will“ (Oscar Straus) läuft im Kongress- und Theaterhaus.
- Sudhaus: Die internationale Ausstellung „sudhaus – Kunst mit Wasser & Salz“ (u. a. mit Arbeiten von Motoi Yamamoto, Sigalit Landau oder Eva Schlegel) ist bis Oktober 2024 offen.
- Installationen: „Solange“-Netz von Katharina Cibulka am Postgebäude (bis April); die Lichtinstallation „Flood“ von Ruth Schnell und Martin Kusch am Bertha-von-Suttner-Platz (bis Februar); die Klanginstallation „Ballet Mécanique“ im Lehártheater (bis April); Skulpturen von Maruša Sagadin im Foyer der Alten Post (bis November).
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