Kultur Österreich

"Unfertigkeit als ästhetischer Ansatz" für Endless Wellness

Dreiviertel von Endless Wellness: Klien, Auer und Hjörleifsson
© APA

Manchmal müssen gute Freunde einfach hartnäckig sein, um einander zum Glück zu verhelfen. So war es jedenfalls bei Endless Wellness, dieser feinen neuen Indie-Band aus Österreich, die am Freitag ihr Debütalbum veröffentlicht. Als Hjörtur Hjörleifsson die wunderschönen Demos seines Kumpels Philipp Auer hörte, "war ich sofort berührt. Also habe ich ihn gefragt: Wieso sitzt du drauf?" Etwas Überzeugungsarbeit später lässt sich mit dem Albumtitel sagen: "Was für ein Glück".

Denn gemeinsam mit Adele Ischia und Milena Klien hat sich nicht nur eine Salzburger Jugendclique in Wien wieder reformiert, sondern ein kleines Klanguniversum aufgemacht, das zwischen Folk, Indie, Alternative und unwiderstehlichem Pop oszilliert. Endless Wellness können den waschechten Ohrwurm, wie das augenzwinkernde "Hand im Gesicht" beweist, sind aber auch im melancholischen Mäandern versiert ("Landwehrkanal"). Dabei ist eigentlich gar nicht so viel Zeit vergangen seit der allerersten Bandprobe 2021. "Als ich das letztens wieder im Kalender entdeckt habe, war ich ganz freudig-emotional", erinnerte sich Klien. "Es ist so schön, was seitdem passiert ist und wie tiefgreifend sich unsere Leben verändert haben."

Immerhin waren Endless Wellness alles andere als untätig in den vergangenen Monaten, wurde doch seit Etablierung der Band nicht nur eifrig am eigenen Sound gearbeitet, sondern bereits intensiv getourt und das Publikum erobert. Dass es den Musikerinnen und Musikern wirklich ernst ist, zeigte sich im APA-Gespräch ebenso wie die tiefe Vertrautheit und Freundschaft. Für Songwriter Auer waren es "viele Emotionen gleichzeitig", die seit Bandgründung auf ihn eingeprasselt sind. "Aber es hat jedenfalls nur gewonnen, dass da plötzlich andere Menschen mit rein gegriffen haben. Im Proberaum diese Songs zu spielen, war eine Erleichterung - weil es nicht mehr nur meine Songs waren, sondern unsere."

Mit der Zeit habe sich auch der Songwritingzugang innerhalb der Band verändert. "Ich habe das Gefühl, dass Philipp mittlerweile die unterschiedlichen Qualitäten der Bandmitglieder mitdenkt - unbewusst", warf Klien ein. "Es ist wie eine Bandsymbiose, in die man sich begibt. In den Writingsessions wissen wir oft, bei welchen Haken unterschiedliche Menschen einfädeln werden und ihre Sachen weiterspinnen." Für sie sei dies "die Idealvorstellung und der Glücksfall, wie ich es mir ausgemalt habe, in einer Band zu arbeiten". Dabei sei sie nach einigen Gehversuchen in ihrer Jugend erst jetzt zur professionellen Musikerin geworden.

In den Songs drückt sich jedenfalls eine Direktheit und Leidenschaft aus, die ungemein ansteckend wirkt. Hjörleifsson fühlte sich von Anfang an angesprochen von "dieser Kante", die er in den Stücken Auers erkannt hat. "Es war schön, diese Findung und Unfertigkeit als ästhetischen Ansatz anzunehmen. Es ist nicht perfekt und glatt, sondern kantig und ungeschliffen, wodurch es eine rohe Kraft hat." Auer selbst verweist auf ein gewisses "Chaoselement", das sich auch mal in Vogelgezwitscher ausdrücken kann, das zufällig mitaufgenommen wurde und dann zum integralen Bestandteil eines Songs wird. Geholfen hat dabei auch Produzent Jakob Herber, der viel aus ihnen herausgeholt habe.

Endless Wellness scheinen jedenfalls ein Gespür für richtige Entscheidungen zu haben und vertrauen auf ihren Instinkt. Das müsse man sich aber auch erarbeiten, gab Klien zu bedenken. "Es ist nicht selbstverständlich, sich den unbewussten Abläufen hinzugeben. Das erfordert schon Mut, sich diesem Prozess auszusetzen." Auer warf ein Karl-Valentin-Zitat ein: "Es ist schon alles gesagt worden, nur nicht von allen. Das ist einfach urgescheit. Der Anspruch von Originalität kann ja nicht das Ziel sein. Die Einzigartigkeit ergibt sich viel mehr darüber, dass wir das sind, die das machen."

Zu sagen hat das Quartett ohnehin einiges: Von schönen Sprachbildern für Generationenkonflikte ("Danke für Alles") über Nachdenkliches im Angesicht multipler Krisen ("Kinder") bis zum schlussendlich doch hoffnungsvollen Blick in die Ungewissheit des Morgens ("Schöne Dinge") reicht die Bandbreite, die mit jedem Hördurchgang neue Facetten entfaltet. Trost, nicht aufgeben und die Hoffnungslosigkeit bekämpfen seien durchaus Hintergedanken gewesen, wie Auer und Klien bejahen. Und doch will man den Hörerinnen und Hörern nicht zu viel vorgeben. "Vielleicht einen Impuls zum Nachdenken über sich und die Welt", hielt sich Klien mit einem Schmunzeln bewusst vage. Schön so. Bleibt mehr Entdeckungsfreude für uns. Live sind Endless Wellness am Samstag (27. Jänner) beim FM4-Geburtstagsfest in Wien zu erleben, bevor im Februar und März weitere Auftritte in Linz, Salzburg und Graz folgen. Da lässt sich nur sagen: "Was für ein Glück."

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

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