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Chilenischer Ex-Präsident starb bei Hubschrauberunfall

Pinera wurde 74 jahre alt
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Der frühere chilenische Präsident Sebastián Piñera ist bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Das teilte Chiles Innenministerin Carolina Tohá am Dienstag (Ortszeit) auf einer Pressekonferenz mit. Der aktuelle Präsident Gabriel Boric ordnete eine dreitägige Staatstrauer und ein Staatsbegräbnis an.

Der Absturz eignete sich in der Gemeinde Lago Ranco in der südchilenischen Región de Los Ríos, wo es laut der Zeitung "La Tercera" zum Zeitpunkt des Unglücks stark regnete. Der 74 Jahre alte ehemalige Staatschef habe den Hubschrauber selbst gesteuert. In der Nähe des Ufers des gleichnamigen Sees Lago Ranco habe er die Kontrolle über den Helikopter verloren, der daraufhin ins Wasser stürzte.

Neben Piñera befanden sich laut Innenministerium noch drei weitere Personen an Bord, die den Absturz überlebten und das Ufer aus eigener Kraft erreichen konnten. Einsatzkräfte bargen demnach die Leiche des Ex-Präsidenten aus dem Wasser. Der Ex-Präsident war häufig in seinem eigenen Hubschrauber unterwegs. Er war ehemaliger Anteilseigner von Chiles nationaler Fluggesellschaft und zudem an einem Fernsehsender und anderen Unternehmen beteiligt. Er hatte laut der Zeitschrift "Forbes" ein Nettovermögen von etwa 2,7 Milliarden Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro),

Zahlreiche frühere und jetzige Präsidenten aus Lateinamerika bekundeten ihr Beileid. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zeigte sich auf X (ehemals Twitter) "überrascht und traurig". "Wir haben uns gut verstanden, wir haben daran gearbeitet, die Beziehungen zwischen unseren Ländern zu stärken, und wir hatten immer einen guten Dialog, als wir beide Präsidenten waren - und auch als wir es nicht waren", erklärte der Linkspolitiker.

Argentiniens Präsident Javier Milei sprach der Familie, den Freunden und dem chilenischen Volk im Namen des argentinischen Staates sein Beileid aus. Auch Uruguays Präsident Luis Lacalle Pou oder Kolumbiens Ex-Präsident Juan Manuel Santos trauerten. "Sebastián Piñera war ein guter persönlicher Freund und ein großer Verbündeter Kolumbiens", schrieb Santos auf der Plattform X, ehemals Twitter. Der ehemalige mexikanische Präsident Felipe Calderón meinte: "Chile hat einen seiner besten Präsidenten verloren."

"Obwohl wir ideologisch nicht übereinstimmten, haben wir in vielen Fragen Seite an Seite gearbeitet", teilte der ehemalige bolivianische Präsident Evo Morales mit. Auch Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und die peruanische Präsidentin Dina Boluarte schlossen sich den Beileidsbekundungen an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb, sein Land behalte Piñeras "entschiedene Haltung bei der Verurteilung der groß angelegten russischen Invasion der Ukraine und seine Unterstützung" in Erinnerung.

Der Konservative Piñera war von 2010 bis 2014 und von 2018 bis 2022 Präsident des südamerikanischen Landes. Auf ihn folgte im März 2022 der Linkspolitiker und derzeitige Präsident Gabriel Boric. Piñera sei ein Demokrat der ersten Stunde gewesen, sagte Boric in einer am Dienstag veröffentlichten Videobotschaft. "Er versuchte aufrichtig, das seiner Meinung nach Beste für das Land zu tun".

In die Amtszeit des ehemaligen Staatschefs fielen dramatische Ereignisse wie das Erdbeben der Stärke 8,8 im Jahr 2010, bei dem mehr als 520 Menschen ihr Leben verloren. Im selben Jahr ereignete sich ein Grubenunglück, bei dem 33 Bergleute im Bergwerk San José in der Atacama-Wüste verschütten wurden. 69 Tage lang mussten die Kumpel in 700 Metern Tiefe ausharren, bis sie mithilfe einer Kapsel aus der Grube befreit werden konnten - die Szenen der Rettung gingen um die Welt.

"Er hat uns ins Leben zurückgeholt und uns wieder mit unseren Familien zusammengebracht", sagte einer der Bergleute am Dienstagabend der Zeitung "La Tercera". Nach der Nachricht über den Tod des Ex-Präsidenten habe er eine chilenische Flagge mit der Silhouette eines Bergarbeiters darauf in der Nähe von Piñeras Haus angebracht, hieß es. "Danke für alles, die 33" sei darauf zu lesen gewesen.

Piñera führte das Land auch durch die Corona-Pandemie, in der er internationale Anerkennung für seine ehrgeizige Impfstrategie bekam. In seine Amtszeit fielen aber auch die wochenlangen Proteste und gewalttätigen Ausschreitungen im Oktober und November 2019, bei denen täglich Tausende auf die Straße gegangen waren. Sie forderten einen besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung sowie eine Abkehr vom neoliberalen Wirtschaftssystem. Mehr als 30 Menschen kamen bei Auseinandersetzungen mit Einsatzkräften ums Leben. Wegen ihres oft brutalen Vorgehens stand die Polizei im Fokus der Kritik. Die Demonstranten forderten auch eine grundlegende Reform der Verfassung von 1980, die noch aus der Zeit der Militärdiktatur von Augusto Pinochet stammt. Ende vergangenen Jahres scheiterte der bereits zweite Versuch, die Verfassung zu ersetzen.

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