Eine Stadt steht Kopf

Spektakel am Zuckerhut: Rio eröffnete Karneval mit Umzügen im Sambodrom

„König Momo“ hat den Schlüssel zur Stadt erhalten. Damit ist der Karneval offiziell in Rio eröffnet.
© MAURO PIMENTEL

Samba-Rhythmen und farbenfrohe Kostüme erobern das Sambodrom von Rio de Janeiro: Der Karneval am Zuckerhut ist eröffnet. Bereits im Vorfeld hat das Spektakel schon einen Rekord aufgestellt.

Rio de Janeiro – Heiße Rhythmen, Tausende Kostümierte und lautstarke Samba-Klänge: In Rio de Janeiro haben mit den Sambaschulen der Aufstiegsklasse die weltberühmten Umzüge im Sambodrom begonnen. Den Anfang machte dabei am Freitagabend (Ortszeit) die Schule „União do Parque Acari“. Sie erzählte bei ihrem Umzug die Geschichte von „Ilê Aiyê – 50 Jahre Kampf und Widerstand“. Brasiliens erster Afro-Block ist ein Symbol der schwarzen Kultur und des Widerstands gegen die Diskriminierung.

Sieben weitere Sambaschulen, die sich für die Aufstiegsklasse des Umzugs qualifiziert hatten, traten bis in die frühen Morgenstunden am Samstag auf und nahmen die Zuschauer mit ihren prächtigen Wagen mit in eine andere Welt. Auch in anderen brasilianischen Metropolen wie Recife, Salvador und São Paulo begeisterte der Karneval die Massen.

Rio de Janeiros Bürgermeister Eduardo Paes (r) unterhält sich mit der Sängerin Tia Surica (m) während der offiziellen Eröffnungsfeier.
© MAURO PIMENTEL

„König Momo“ besitzt den Stadtschlüssel

Rios Bürgermeister Eduardo Paes hatte zuvor tagsüber mit der Übergabe der Stadtschlüssel an „König Momo“, die Symbolfigur des Karnevals, das bunte Treiben am Zuckerhut offiziell eingeläutet. Dieser Prozess wurde sogar in einem Dekret, das in einer Sonderausgabe des Amtsblattes veröffentlicht wurde, festgehalten.

Die zwölf Top-Schulen treten am Sonntag und Montag auf. Zehntausende auf der Tribüne sowie Millionen vor dem Fernseher in Brasilien und auf der ganzen Welt verfolgen für gewöhnlich die Umzüge auf dem überdimensionalen Laufsteg, den der berühmte brasilianische Architekt Oscar Niemeyer 1984 entworfen hatte. Dieses Jahr feiert die Tribünenstraße 40-jähriges Jubiläum.

TänzerInnen bei der Eröffnung des Karnevals.
© MAURO PIMENTEL

Sieben Millionen Besucher erwartet

Der Karneval von Rio ist die größte Party der Welt, die Stadtverwaltung erwartet insgesamt sieben Millionen Menschen in der Stadt. Es wird geschätzt, dass der Karneval einen wirtschaftlichen Umsatz von fünf Milliarden Reais (etwa 934 Millionen Euro) generieren wird - mit Dienstleistungen, die direkt oder indirekt mit den Feierlichkeiten verbunden sind. Hotels würden während der Festtage zu 85 Prozent ausgelastet sein, hieß es. Bereits seit dem vergangenen Wochenende stimmten sich die „Cariocas“, wie die Einwohner Rios heißen, und Touristen mit Musikern und Tänzern in den Straßen verschiedener Stadtteile auf den Karneval ein. Auf der Südhalbkugel ist derzeit Hochsommer – über 30 Grad zeigte das Thermometer am Freitag am Zuckerhut an.

Beim Straßenkarneval werden in den kommenden Tagen Dutzende Karnevalsgruppen - die sogenannten Blocos – durch die Straßen der Stadtteile ziehen, um für Stimmung zu sorgen. Die „Blocos“ bilden seit jeher so etwas wie einen parallelen Karneval zu den streng reglementierten Umzügen im Sambodrom, bei denen eine Jury wie beim Eiskunstlauf Noten vergibt. 453 Umzüge genehmigte die Stadtverwaltung in dieser Saison. „Rio de Janeiro nutzt den Karneval, um der Welt das Beste zu zeigen, was die Stadt zu bieten hat“, sagte Ronnie Costa, Präsident der Tourismus-Agentur Riotur, die für die Organisation des Karnevals zuständig ist.

Der diesjährige Karneval ist deswegen auch nach Angaben der Stadtverwaltung mit 62,5 Millionen Reais (rund 11,6 Millionen Euro) die größte Karnevals-Investition in der Geschichte des Bundesstaates. Die Karnevalskünstler hätten sich im Laufe des Jahres insgesamt 960 Stunden vorbereitet. Die Planung beginne mehr als vier Monate im Voraus, „um sicherzustellen, dass das Fest brillant wird“, sagte Costa. (APA, dpa)

Verwandte Themen