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Zu Gast im Schloss

Jean Rondeau lädt zum Überraschungskonzert.
© Mathias Benguigui

Die Konzerte im Schloss Ambras laden auch dieses Jahr dazu ein, Musik und Räume zu genießen, die in vergangene Jahrhunderte entführen. In der besonderen Atmosphäre des Spanischen Saals und der Nikolauskapelle können sich Besuchende bei meisterhafter und teils wundersamer Musik wie Herzoginnen und Herzoge fühlen.

Der Reigen beginnt mit den vier Ambraser Schlosskonzerten, die als eigene Reihe schon viele Jahre in die Innsbrucker Festwochen eingegliedert sind. Dieses Jahr finden sie erstmalig an zwei Wochenenden im Juli und August statt.

Am 26. Juli eröffnen Stefan Temmingh an der Blockflöte und das Ensemble Nuovo Aspetto mit Playgrounds die Runde. Tags darauf lebt eine Geschichte des Schlosses in der Musik wieder auf, die ganz der Liebe gewidmet ist. Das Ensemble der Innsbrucker Hofmusik unter der Leitung von Marian Polin bringt Liebesgesänge zum Klingen, die der Komponist Andrea Gabrieli Erzherzog Ferdinand II. von Tirol und dessen Gattin Philippine Welser widmete.

Eine Woche später steht der Abend im Zeichen des einäugigen Riesen Polifemo. Von Georg Friedrich Händel bis Pietro Antonio Cesti spinnt Bass Luigi De Donato gemeinsam mit dem Collegium 1704 unter der Leitung von Vaclav Luks einen roten Faden rund um die Sagengestalt.

Abgerundet werden die Schlosskonzerte mit einem Dialog zwischen Violinistin Leila Schayegh und dem Cembalisten Jörg Halubek, der zeigt, wie Musik ein Miteinander auf Augenhöhe entstehen lässt.

Das Schloss Ambras.
© Bacher

Zeitlose Schönheit

Auch nach den Ambraser Schlosskonzerten heißen die Innsbrucker Festwochen Besuchende zu besonderen Abenden auf Schloss Ambras willkommen. Die folgenden Beispiele sind nur ein paar davon – es gibt noch viel mehr zu entdecken!

Am 8. August geht Cembalist Jean Rondeau mit einem Überraschungsprogramm in den Abend. Der vielseitige Musiker steht mit seinem Namen und dem Moment der Hingabe für einen Abend voll wunderbarer Musik ein. Etwas „Wundersames“ kann das Publikum wiederum bei Margret Koell und ihrem Ensemble Between the Strings erwarten, wenn ein einst verschollenes Instrument erklingt (siehe unten).

Was wäre ein Barockfest ohne den großen Meister Johann Sebastian Bach? Dass dessen Musik etwas zeitlos Schönes ist, zeigt Tobie Miller am 17. August an der Drehleier, wenn sie die Werke des Barockmeisters in die heutige Zeit transferiert.

Zu einem fulminanten Abend und dem Abschluss der Konzerte am Schloss empfangen der Musikalische Leiter der Festwochen, Ottavio Dantone, am Cembalo und der Konzertmeister der Accademia Bizantina, Alessandro Tampieri, an der Violine, Viola und Viola d’amore beim Konzert Ottavio plus.

Konzerttermine auf Schloss Ambras

26.7. Playgrounds

27.7. Der Liebe gewidmet

2.8. Polifemo

3.8. Im Dialog

8.8. Rondeau

10.8. Klangfarben

16.8. Wondrous Machine

17.8. Drehmomente

24.8. Carmina burana

26.8. Händel & Greber

29.8. Ottavio plus

48. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

21. Juli – 30. August 2024

Tickets: www.altemusik.at

Bei Wondrous Machine spielt Margret Koell die Tripelharfe.
© Armin Linke

Neue Klänge bei Alter Musik

Es war jahrhundertelang ein musikalischer Traum: ein Instrument zu schaffen, das einen kontinuierlichen Ton erzeugt, der nicht gezupft wird. Das Ensemble rund um die Harfenistin Margret Koell bringt die Verwirklichung dieser Idee und ein verschollenes Instrument zurück auf die Bühne: das Lyrichord.

Vor rund 500 Jahren zeichnete Leonardo da Vinci einen Plan dieser Maschine und nannte sie „Viola Organista“, in England wurde sie „Lyrichord“ genannt, in Deutschland „Geigenklavier“. Diese „Wondrous Machine“, wie Barockkomponist

Henry Purcell sie seinerzeit nannte, ist sowohl Tasten- als auch Streichinstrument. Die Saiten liegen dabei auf einem sich drehenden, per Fuß angetriebenen Rad: eine Idee, die der Drehleiher entnommen ist.

„Wenn man das Lyrichord zum ersten Mal hört, ist es ein Aha-Erlebnis, weil man den Klang nicht kennt. Er ist tatsächlich wundersam“, erzählt Koell. Schon während des Studiums fiel der Harfenistin eine Notiz zu einem Konzert in die Hände, das Händel mit „Konzert für Harfe, Laute, Lyrichord und andere Instrumente“ betitelt hatte. Über Jahre konnte niemand ihr sagen, was ein Lyrichord sei, bis sie, gemeinsam mit einem Freund, auf den Krakauer Instrumentenbauer und Pianisten Sławomir Zubrzycki stieß. Er hatte es nach da Vincis Plan gebaut.

Die Idee, das Harfenkonzert von Händel nach so vielen Jahrhunderten in der Originalbesetzung wieder auf die Bühne zu bringen, begeisterte ihn ebenso wie Koell. Auf dem 2023 erschienenen Album „Wondrous Machine“ war auch Michele Pasotti an der Laute an Bord – jener Freund, der ihr bei der Recherche half.

Am 16. August kann das Publikum das Lyrichord nun bestaunen, wenn es mit Margret Koell und dem Ensemble Between the Strings bei Händels Harfenkonzert und einem neuen Werk erklingt. Dieses wurde vom Innsbrucker Christof Dienz eigens für das Ensemble komponiert und von da Vincis Fluggerät – dem Ornithopter – inspiriert.

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