Wie die Eltern, so die Kinder: Bildung wird in Österreich weiter vererbt
Die Chance auf einen Hochschulabschluss bei Akademikerkindern siebenmal so hoch wie bei Kindern von Eltern mit Pflichtschulabschluss.
Wien – Der Bildungsstand der Eltern wird nach wie vor auf den Nachwuchs „vererbt“. „Die Bildungsmobilität zwischen den Generationen ist in Österreich nur schwach ausgeprägt und die Weichen für die Bildungslaufbahn werden früh gestellt“, resümierte Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.
Belegt wird die Vererbung der Bildung mit den aktuellen Zahlen der Statistik Austria. So schafften etwa nur rund neun Prozent aller 25- bis 44-Jährigen, deren Eltern maximal eine Pflichtschule abgeschlossen haben, einen Hochschulabschluss. Bei Kindern von Akademikern liegt diese Rate dagegen bei rund 61 Prozent und damit fast siebenmal so hoch.
Für die Darstellung wurden die Bildungsabschlüsse in vier Kategorien (maximal Pflichtschule, Lehre/berufsbildende mittlere Schule (BMS), AHS/berufsbildende höhere Schule (BHS) und Hochschule/Akademie) eingeteilt. Anschließend wurde verglichen, welche Abschlüsse die jeweiligen Eltern und deren 25- bis 44-jährige Kinder erreicht haben. Ergebnis: Weitgehend verblieben die jeweiligen Sprösslinge in ihren „Kasterln“ bzw. rutschten eine Stufe hinauf. Kinder von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss erreichten zu 36 Prozent erneut nur höchstens einen Pflichtschulabschluss, immerhin 42 Prozent schafften eine Lehre oder BMS). In die beiden höchsten Bildungsstufen stieg dagegen jeweils nur rund jeder Zehnte auf.
Dagegen schlossen sechs von zehn Akademikerkindern ebenfalls ein Hochschulstudium ab – rund 20 Prozent verzeichneten eine AHS-bzw. BHS-Matura als höchsten Abschluss, ca. jeder Zehnte eine Lehre/BMS.
Lehre weiter häufigste Ausbildung
Der starke Einfluss der Eltern zeigt sich auch in einer Analyse der Erfolgsaussichten für den Abschluss einer AHS-Oberstufe bzw. einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule oder einer Lehre. Dafür wurden 120.000 Bildungskarrieren jener Schülerinnen und Schüler analysiert, die 2012/13 oder 2013/14 erstmals die neunte Schulstufe besucht haben.
Beim Bildungsniveau insgesamt verändern sich die Zahlen nur langsam, dafür aber stetig: Die am häufigsten abgeschlossene Ausbildung ist nach wie die Lehre: 32,6 Prozent der 25- bis 64-Jährigen haben eine solche absolviert. „Die Lehre liegt nach wie vor auf dem Meisterrang“, so Thomas. Ihr Anteil war allerdings zuletzt rückläufig. Auf Platz zwei rangieren die Personen mit Abschluss einer mittleren und höheren Schule (30,4 Prozent) mit stagnierenden Werten. Rang drei belegen mit steigendem Anteil Hochschulabsolventen mit 19,7 Prozent und am Ende liegen mittlerweile die Personen mit maximal Pflichtschulabschluss (17,3 Prozent) mit sinkenden Werten. (APA)