Formel-1-Klassiker wackelt: Grand Prix von Monaco fährt in eine ungewisse Zukunft
Dass Monaco ab 2026 tatsächlich aus dem Rennkalender gestrichen wird, erscheint aufgrund der Tradition und des besonderen Flairs mit viel Glamour an der Côte d’Azur schwer vorstellbar, aber nicht mehr unmöglich.
Monte Carlo – In den engen Straßen von Monaco werden an diesem Wochenende wieder die Gesetzmäßigkeiten der Formel 1 außer Kraft gesetzt. Das Rennen im Fürstentum wird traditionell bereits am Samstag im Qualifying vorentschieden, Überholmanöver sind auf dem Stadt-Kurs kaum möglich. Nirgends wittert die Konkurrenz der dominierenden Platzhirsche so viel Morgenluft wie an der Cote d'Azur. Weltmeister Max Verstappen fährt als Vorjahressieger mit „Heimvorteil“ in Monte Carlo vor.
Dass neun der 20 Formel-1-Fahrer in Monaco wohnen, liegt nicht unbedingt an der besonderen Schönheit des dicht bebauten Stadtstaats oder der besonderen Motorsport-Tradition. Sicherheit, Diskretion und Steuervorteile sorgen dafür, dass sowohl Champion Verstappen als auch Rekordweltmeister Lewis Hamilton oder Jungstar Lando Norris hier an der Mittelmeerküste ihren Wohnsitz haben.
Für sie alle wird es ein Heimspiel, für Leclerc aber noch viel mehr. Die Geschichte, wie er als Kind im Schulbus durch Monaco fuhr, erzählt der Ferrari-Star immer noch gern. Der Kindheitstraum vom ersten Sieg in seiner Heimatstadt ist unerfüllt, bisher lief es für den 26-Jährigen nie wie gewünscht. "Aber ich bin zuversichtlich, dass wir dieses Jahr stark sind", sagte Leclerc.
Seit 1955 gehört der Klassiker jährlich zum Kalender, die Zukunft ist aber nur noch bis 2025 gesichert. Die Verhandlungen darüber hinaus werden als schwierig eingestuft. Für weitere Rennen spricht die Tradition, die Herausforderungen auf den engen Straßen verfolgen selbst Menschen, die sonst wenig mit der PS-Szene zu tun haben. Hinzu kommt der Glamour-Faktor. Kaum ein Sport-Event steht bei den Reichen und Schönen so im Fokus wie dieses Rennwochenende an der Cote d'Azur. Auch die Fans schätzen das zwar kostspielige, aber einmalige Erlebnis mit besonderer Nähe zur Strecke.
Ein großes Problem ist die am Renntag fehlende Spannung. Auf der mit 3.337 Metern kürzesten Strecke der Saison ist das Überholen auf dem höchstens zehn Meter breiten Asphaltband kaum möglich. Das liegt nicht nur an immer breiteren Boliden, sondern auch am Unwillen der Veranstalter, etwas zu ändern. Anpassungen am Kurs scheinen umsetzbar. So bestünde die Möglichkeit, im Bereich des berühmten Schwimmbads eine Zone zum leichteren Überholen zu konzipieren, doch das wurde bisher immer abgelehnt. Und so gewinnt oft der, der auf Startplatz eins steht. In den 23 Austragungen in diesem Jahrhundert trat dieses Szenario 13-mal ein.
Die Zeichen der Zeit stehen in der Königsklasse längst auf Expansion, neue Bewerbe mit viel Geld drängen in den Markt, alte müssen ihren Platz verteidigen. Monaco genoss in der Vergangenheit finanzielle Vorteile, zahlte deutlich weniger Antrittsgeld als andere Orte. „Monaco ist wegen seines Erbes und seiner Geschichte dabei. Das ist alles“, hatte Red-Bull-Teamchef Christian Horner gesagt: „Auch das Kronjuwel muss mit der Zeit gehen. Wenn man stehen bleibt, geht man rückwärts.“ Kritische Worte, die nicht von ungefähr kommen. Das mitunter hochnäsige Auftreten des Automobile Club de Monaco als Veranstalter wird innerhalb der Formel 1 kritisch gesehen. (APA/dpa)