Waffenruhe möglich

Insider berichten: Putin angeblich bereit, Ukraine-Frontverlauf einzufrieren

Russlands Staatschef Putin wäre mit Blick auf die derzeitigen Geländegewinne im Angriffskrieg auf die Ukraine wohl zu einem Einfrieren des Konfliktes bereits.
© MIKHAIL METZEL

Russlands Machthaber will den Krieg gegen das Nachbarland offenbar unter Umständen “einfrieren“.

Moskau, London – Der russische Präsident Wladimir Putin ist laut Insidern bereit zu einer Waffenruhe in der Ukraine, die den jetzigen Frontverlauf anerkennt. „Putin kann so lange kämpfen, wie es nötig ist“, sagte einer von vier mit den Diskussionen in Putins Umfeld vertrauten Personen der Nachrichtenagentur Reuters. „Aber Putin ist auch zu einem Waffenstillstand bereit - um den Krieg einzufrieren.“ Drei der Insider sprachen von Äußerungen des Machthabers gegenüber einer kleinen Beratergruppe.

Russland hat bisher etwa ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets erobert. Es hat fünf ukrainische Provinzen annektiert, also zum eigenen Staatsgebiet erklärt, die es aber nur zum Teil kontrolliert. Den aktuellen Frontverlauf einzufrieren, könnte für den Kreml dennoch günstig sein. Denn die russischen Truppen haben zuletzt Gebietsgewinne verzeichnet, während die Ukraine erst im Sommer dringend benötigte Waffen und Munition von westlichen Partnern erhalten soll.

Dem Putin-Umfeld zufolge soll der Kremlchef darüber klagen, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Verhandlungen mit ihm ausgeschlossen hat. Und er soll darüber frustriert sein, dass der Westen angeblich Versuche unterstützt, Verhandlungen zu verhindern.

Eine Vereinbarung ohne Einbehaltung der bisherigen Geländegewinne sei dagegen nicht verhandelbar, hieß es einstimmig. Sollte es kein Abkommen geben, werde Putin so viel von der Ukraine wie möglich einnehmen wollen, sagten drei der Insider. Damit solle der Druck auf die Regierung in Kiew erhöht werden. Die russische Armee werde weiter langsam vordringen, bis Selenskyj ein Angebot vorlege. Einer Person zufolge zeigte sich Putin gegenüber Beratern überzeugt, dass der Westen nicht genug Waffen liefern werde.

Die USA und EU-Staaten haben wiederholt ihre Bereitschaft erklärt, so lange wie notwendig an der Seite der Ukraine zu stehen. Die Regierung in Kiew bezeichnet Putin als nicht vertrauenswürdig genug für ein Abkommen. Russland hatte vor dem Beginn seines Angriffskriegs 2022 wiederholt die Absicht zu einer Invasion zurückgewiesen. Beide Kriegsparteien haben die Befürchtung geäußert, die jeweilige Gegenseite könne eine Feuerpause für eine Wiederbewaffnung nutzen. (TT, APA, Reuters)