1938-2024

Nachruf auf Walter Kappacher: Stille und Stil

Der Schriftsteller Walter Kappacher starb am Freitag in Salzburg.
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Der Salzburger Autor wurde 2009 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Nun ist er 85-jährig gestorben.

Der Schriftsteller Walter Kappacher ist tot. Er starb am Freitag in seiner Heimatstadt Salzburg. Kappacher wurde 85 Jahre alt.

Er galt als stiller Vertreter seiner Zunft. Die Betriebsamkeit des Literaturgeschäfts betrachtete er zumeist aus sicherer Distanz. Er fühle sich nicht als literarischer Sonderling, sagte er einmal, aber er habe erkannt, „dass es in Gesprächen mit den Dichtern immer nur um Vermarktung und Erfolg gegangen ist und kaum um das Schreiben selbst.“ Einem breiten Publikum wurde er im Grunde erst bekannt, als ihm 2009 der Georg-Büchner-Preis, die wichtigste literarische Auszeichnung des deutschen Sprachraums, zuerkannt wurde. Im selben Jahr veröffentlichte er auch seinen von der Kritik hoch gelobten Roman „Der Fliegenpalast“, der von Hugo von Hofmannsthal handelt.

Auch Kappachers Texte sind still und – auf den ersten Blick jedenfalls – schmucklos. Er versuche einfach, gute Sätze zu schreiben. So umschrieb es Kappacher selbst. Die Schönheit seiner Sätze, der Stil seiner Texte, der sich alles Vordergründige verbat, wurde von zahlreichen anderen Schreibenden geschätzt. Martin Walser etwa lobte seine „brutale Zurückhaltung“ – und förderte ihn früh. Auf seine Vermittlung veröffentlichte Kappacher 1967 erste Kurzgeschichten in der Stuttgarter Zeitung. Später machte sich Peter Handke für Kappacher stark.

Walter Kappacher wurde 1938 in Salzburg geboren. Er lernte Mechaniker, liebäugelte mit der Schauspielerei und arbeitete bis zu seinem 40. Lebensjahr in einem Reisebüro. Er schrieb Romane und Erzählungen, Filmdrehbücher – für Xaver Schwarzenbergers „Der Stille Ozean“ zum Beispiel und, gemeinsam mit Peter Keglevic, „Die Jahre vergehen“ –, Hörspiele und Theatertexte. Kappacher zeichnete und fotografierte. Sein Bühnenmonolog „Abschied“ über das Leben und Sterben des Dichters Georg Trakl wurde 2014 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt.

2018 veröffentlichte Walter Kappacher mit dem Memoir „Ich erinnere mich“ sein letztes Buch.