Kultur Österreich

Madrid feiert Wiener Künstlerin Eva Lootz

Eva Lootz lässt es fließen im Madrider Reina-Sofia-Museum
© APA

In Österreich ist sie kaum bekannt. In ihrer Wahlheimat Spanien gilt die Wienerin Eva Lootz jedoch als einer der großen Kunststars. Ab Mittwoch widmet das weltberühmte Madrider Reina-Sofia-Museum der 84-Jährigen nun eine große Werkschau. Die bis zum 2. September laufende Ausstellung gibt mit 100 Werken einen interessanten Überblick über ihr künstlerisches Schaffen von den 1970er Jahren bis heute.

Damit werden kurioser Weise in zwei der wichtigsten Museen Spaniens derzeit gleichzeitig zwei große österreichische Künstlerinnen gefeiert, die beide 1940 in Wien geboren wurden. Im Guggenheim Museum in Bilbao lief vergangene Woche eine große Retrospektive über Martha Jungwirth an.

Für Eva Lootz ist die Ausstellung im Reina Sofia Museum eine sehr persönliche "Zeitreise" durch ihr eigenes Werk, auf der sie sich selber noch einmal bewusst wurde, dass vor allem das "Konzept der Materie" der eigentlich rote Faden in ihrem Gesamtwerk ist, erklärte die Wiener Experimentalkünstlerin in Madrid auf der Präsentation ihrer Ausstellung.

Das wird auch gleich im ersten Raum klar. Ihre großformatigen Exponate bestehen aus Materialien wie Marmor, Seide, Blattgold und Glas. Sie arbeitet mit Sand, Kohle, Paraffin, Holz und sogar mit Quecksilber. Skulpturen und Installationen aus Schuhen, Stoffen, Stein und Plastik sind umrahmt von Drucken und Grafiken.

Eva Lootz studierte unter anderem an der Wiener Filmakademie, drehte erste Kurzfilme und konzentrierte sich als Künstlerin anfangs eher auf Fotografie und Videoarbeiten. Doch als sie 1967 nach Madrid zog, öffnete sie ihren Blick, fing an, als plastische Künstlerin zu arbeiten, wobei sie schnell über die herkömmlichen Konzepte hinauswuchs. Sie begann mit verschiedenen Materialien zu experimentieren. "Ihre unerschöpfliche Neugier und Experimentierfreude geben ihrem Werk eine besondere Lebendigkeit und machten sie zu einer der wichtigsten Künstlerinnen der spanischen Kunstszene", erklärte Kurator Fernando López am Rande der Ausstellungspräsentation im Gespräch mit der APA.

Der zweite Raum wird komplett von Lootz' Installation "A Farewell to Isaac Newton (1994/2016) bespielt. Sie besteht aus einem weißen Raum, dessen Boden mit Marmorsand bedeckt ist und von einem Holzsteg durchquert wird. Im Sand und an der Decke sind Objekte installiert. Das Weiß blendet. Eine Metapher für die Bilderflut, die uns nahezu erblinden lässt. Vom blendenden Weiß dieses Raumes bewegen wir uns in einen dunklen Raum, wo das Phänomen des Sehens auch durch das Video "It is not more than a small hole in my chest" (2004) thematisiert wird, das in einer Schleife projiziert werden und in welchem sich fallender Sand in einem schwarzen Loch verliert.

In Eva Lootz Werken geht es häufig um Verlust, das Sehen der Dinge und von der Präsenz dessen, was verleugnet wird. So ist der Ausstellungstitel bezeichnender Weise auch "Eva Lootz. Sich einfach fragen: Was ist das eigentlich?" Ihre Werke erforschen kontinuierlich den Raum zwischen Sichtbarem und Nennbarem. Die Ausstellung umfasst auch eine Serie großformatiger Schwarz-Weiß-Drucke, die sich mit polarisierenden Gesellschaftsthemen wie Zensur, Gewalt, Intoleranz, Ausgrenzung, Ungleichheiten, Kontrollmechanismen und Machtstrukturen auseinandersetzen.

In einem folgenden Raum werden 50 bisher nicht ausgestellte Zeichnungen aus der Serie "Ríos 2" (2006/07) zum Thema Wassermanagement oder die Beziehung der Bürger zu Flüssen und Wasserressourcen ausgestellt. Fotoarbeiten und digitale 3D-Skulpturen thematisieren die Verteidigung des öffentlichen Zugangs zu Wasserressourcen und den Kampf gegen die Privatisierung der Wasserversorgung in Spanien.

In ihren Arbeiten tauchen immer wieder Fragmente des Körpers oder Objekte auf, die als Prothesen einer mehrdeutigen Interpretation fungieren. Zungen, Schuhe, Hände, Füße, Hemden, Sohlen oder Griffe. Häufig beschäftig sich Lootz, die 1994 mit dem spanischen Nationalpreis für plastische Kunst ausgezeichnet wurde, aber auch mit dem Thema Sprache wie in ihrem Klangstück "Ornithophonías in Valsaín" (2001) oder der raumeinnehmenden Installation "Die Qual der Sprachen" (2020).

Es geht um das Aussterben vieler indigener Sprachen vor allem in Lateinamerika. Auf dem Boden macht sich eine pechschwarze, verschlingende Zunge aus zähflüssigen Bitumen breit, in welche die an der Wand hängenden Zungen als Symbol der Sprache hineinzufallen drohen. Sie sind aus Kupfer, Bronze, Blei, Zinn, Filz, Siegellack, Paraffin oder Wolle und anderen Materialien.

Ausgestellt werden die Werke der Wiener Künstlerin in insgesamt 13 Räumen im Sabatini-Gebäude, in dem die Monumentalität und geometrische Schlichtheit ihrer Arbeiten besonders gut zur Geltung kommen. Dabei können Besucher das kreative Universum von Eva Lootz durchwandern und ihre konzeptionelle Herangehensweise sowie ihre Fähigkeit erkunden, Dialoge zwischen verschiedenen Ausdrucksformen der Kunst zu schaffen.

(Von Manuel Meyer/APA)

Verwandte Themen