Terrorwarnstufe erhöht

Die Krisenherde der Welt färben auf die EURO ab

Nur eine Übung im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft: Die deutschen Behörden bereiten sich im Vorfeld des Großereignisses auf den Ernstfall vor.
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Jeder zweite Deutsche fürchtet sich vor EM-Terroranschlägen, aus Österreich reisen 25 Polizisten zum Groß-Event ins Nachbarland.

Innsbruck – Ein „Heimspiel für Europa“ soll sie sein, die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland. So wie die Weltmeisterschaft 2006, damals hieß es „Zu Gast bei Freunden“. Doch an den Krisenherden dieser Welt kommt das Großereignis auch diesmal nicht vorbei, wenn der Gastgeber am Freitag mit dem Eröffnungsspiel gegen Schottland loslegt: Ukraine-Krieg, Gaza-Konflikt – das färbt ab:

Die deutschen Sicherheitskräfte sind sensibilisiert, wie die jüngste Festnahme eines mutmaßlichen Terrorunterstützers am Flughafen Köln/Bonn belegt. Die Ermittler werfen dem Mann mit deutsch-marokkanisch-polnischer Staatsangehörigkeit vor, im September 2023 über eine Kryptowährungsbörse insgesamt fast 1700 US-Dollar auf ein Konto der Terrorgruppe Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) übermittelt zu haben. „Die Weltlage ist nicht ideal“, sagte auch UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Es gebe derzeit zwar keine konkreten Hinweise auf geplante Anschläge während der EM, aber fast die Hälfte der Deutschen fürchtet sich einer Umfrage zufolge dennoch davor. Die rund 2,7 Millionen Fans in den Stadien und bis zu 12 Millionen Besucher auf den Fanmeilen sollen ungestört feiern, aber selbst Turnierleiter Philipp Lahm weiß: „100 Prozent Sicherheit, das wird es in der heutigen Zeit nicht geben.“

25 österreichische Beamte in Deutschland im Einsatz

Auch in Österreich wurde auf die zweithöchste Terrorwarnstufe vier erhöht – und im Hinblick auf die prestigeträchtige Europameisterschaft wurde bereits vorgebaut. „Die EM ist eine ganz besondere Herausforderung, die auf uns zukommt“, sagte zuletzt Innenminister Gerhard Karner. Für die Sicherheit am Ort des Geschehens selbst sorgt die deutsche Polizei, unterstützt von privaten Diensten. Zusätzlich werden 25 österreichische Beamte im Einsatz sein: szenekundige Organe, die heimische Fans betreuen; und daneben solche, die Sicherheitsfragen rund um die Mannschaft koordinieren. Weitere Einheiten, etwa Sprengstoffspürhunde und ihre Hundeführer, sind in Bereitschaft.

Auf allen Fahrten des ÖFB-Teams, das exklusiv im Berliner Schlosshotel untergebracht ist, wird zudem ein Beamter im Bus sitzen. ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel, selbst Teilnehmer an zwei Weltmeisterschaften, hält fest: Es sei wichtig, dass „du möglichst nichts mitbekommst von den Sicherheitsmaßnahmen und dich auf den Fußball konzentrieren kannst“.

Fans sollen sich vor der Reise registrieren

ÖFB-Präsident Klaus Mitterdorfer appellierte an die heimischen Fans, sich vor einer Reise nach Deutschland beim Außenministerium registrieren zu lassen: „Damit wir wissen, wo wer ist.“ Pro Österreich-Spiel werden rund 20.000 rot-weiß-rote Fans in Deutschland erwartet, insgesamt also 60.000.

Die Herausforderung im Sportjahr 2024 wird auch im Juli nicht geringer: Frankreich setzt während der Olympischen Spiele in Paris 35.000 Polizisten und 18.000 Soldaten für die Sicherheit der Sportler und Fans ein, es gilt die höchste Terrorwarnstufe.

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