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Reuters News Report: Nachrichtenvertrauen auf Tiefststand

Nur 11,5 Prozent nutzen gedruckte Zeitungen als Hauptnachrichtenquelle
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Das allgemeine Vertrauen in Nachrichten ist in Österreich erneut gesunken. Laut dem am Montag veröffentlichten "Reuters Institute Digital News Report" 2024 trauen 34,9 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ihnen und damit so wenige wie noch nie seit Erhebung der Daten. Die "eigene Nachrichtenquelle" bezeichnet jede zweite befragte Person als verlässlich. Als Hauptinfoquelle liegt weiter das Fernsehen (26,9 Prozent) voran. Die Onlinezahlungsbereitschaft für News stagnierte.

2021 waren es noch 46,3 Prozent, die allgemein Vertrauen in Nachrichten hatten. Der Wert sank in den Folgejahren kontinuierlich ab, um bei etwas mehr als einem Drittel zu landen. Damit liegt Österreich unter dem globalem Schnitt (40,2 Prozent). Besonders hoch ist das Vertrauen mit 69 Prozent in Finnland. Hierzulande ist der Wert bei Personen, die sich politisch als "Mitte-links" deklarieren am höchsten (41,6 Prozent), während es am politisch rechten Rand (24 Prozent) niedrig ist.

Nach einzelnen Medienhäusern gefragt, kann der ORF auf rund 60 Prozent der Befragten verweisen, die seinen Nachrichten vertrauen. Der "Standard" kommt auf ca. 58 Prozent, die "Presse" auf rund 56 Prozent, regionale Zeitungen auf ca. 54 Prozent und ServusTV auf rund 52 Prozent. Weiter unten angesiedelt sind etwa "Heute" (29 Prozent), "oe24" (35 Prozent) und ATV (37 Prozent). Ob einem Medienhaus vertraut wird, hängt stark damit zusammen, ob dieses transparent kommuniziert, wie Nachrichten entstehen. Fast drei Viertel der Umfrageteilnehmer erachten das als sehr oder eher wichtig.

Das Nachrichteninteresse liegt mit 16,1 Prozent äußerst Interessierten und 31,5 Prozent sehr Interessierten im globalen Schnitt. Beide Werte sanken aber gegenüber dem Vorjahr. Zur Performance von Nachrichtenmedien lässt sich festhalten, dass fast 60 Prozent meinen, Nachrichten halten sehr oder eher gut über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden. Dass mit verschiedenen Perspektiven aufgewartet wird, attestieren den Medienhäusern noch ca. 43 Prozent. Lediglich ein Viertel gibt an, dass Nachrichten ein besseres Gefühl von der Welt vermitteln.

TV-Nachrichten wurden in der Vorwoche der Befragung von jeder zweiten Person konsumiert (2023: 54 Prozent). Radionachrichten bringen es auf 43,5 Prozent, womit sie wie gedruckte Zeitungen (33,7 Prozent) trotz Rückgängen klar über dem globalen Schnitt liegen. Nachrichten in Social Media liegen mit 38,6 Prozent deutlich unter dem globalen Schnitt.

Nach der Hauptnachrichtenquelle gefragt, führen 26,9 Prozent Fernsehen an, womit ein Rückgang in Höhe von zwei Prozentpunkten gegenüber 2023 vorliegt. Social Media (15 Prozent) und Radio (14,8 Prozent) legen dagegen etwas zu. Websites/Apps von Zeitungen bringen es auf 13,7 Prozent und gedruckte Zeitungen auf 11,5 Prozent. Letztere waren vor mehreren Jahren noch für über 20 Prozent der Befragten die Hauptnachrichtenquelle. Bei den 18- bis 24-Jährigen rangiert Social Media mit fast 39 Prozent klar an der Spitze. Auch bei den 25- bis 34-Jährigen bedeuten 23,6 Prozent Platz 1. Vier von zehn über 55-Jährige setzen dagegen auf TV.

In puncto Zahlungsbereitschaft für Online-Nachrichten hat der kontinuierliche Anstieg auf niedrigem Niveau aus den Vorjahren zu einem Ende gefunden. 13,7 Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr für Onlinenachrichten bezahlt. Im Vorjahresreport waren es noch 14,3 Prozent. Überdurchschnittlich zahlungsbereit sind 25- bis 34-Jährige (20,4 Prozent) und 18- bis 24-Jährige (16,7 Prozent) sowie Personen mit hohem Bildungsgrad (16,6 Prozent). Das Onlineangebot der "Kronen Zeitung" ("Krone pur") liegt mit 22,2 Prozent jener Personen, die online Geld für Nachrichten ausgegeben haben, an der Spitze. Dahinter folgt die "Kleine Zeitung" (20 Prozent). Wesentlich häufiger als hierzulande zahlen Befragte aus Norwegen (40 Prozent) und Schweden (31 Prozent) für Onlinenews.

Erstmals wurde im "Digital News Report" abgefragt, wie wohl oder unwohl man sich bei der Nutzung von Nachrichten fühlt, die zwar unter menschlicher Aufsicht, aber hauptsächlich durch Künstliche Intelligenz (KI) erstellt wurden. Nur 12,7 Prozent gaben an, sich sehr oder eher wohl dabei zu fühlen. Wenn nur etwas Hilfe von KI im Spiel ist, steigt der Wert auf 34,4 Prozent an.

Der "Digital News Report" des Reuters Institute for the Study of Journalism sammelt seit 2012 Daten zum Wandel der Nutzung von analogen hin zu digitalen Nachrichten. Für den Österreichteil der Studie zeichnet der Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg verantwortlich. Die Erhebung der Daten nahm YouGov Plc. als Partner des Reuters Institute vor. Die von Mitte bis Ende Jänner durchgeführte Befragung von ca. 2.000 Personen alleine in Österreich, ist repräsentativ für die online aktive Bevölkerung ab 18 Jahren.

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