Katastrophen im Mittelmeer

Zehn Leichen auf Boot vor Lampedusa entdeckt, mehr als 60 Vermisste nach Bootsunglück

Ein Holzboot mit Geflüchteten an Bord, aufgenommen während einer Beobachtungsmission vom Schiff der NGO Resqship.
© IMAGO/Daniel Kubirski

Im überfluteten Unterdeck eines Holzbootes entdeckte die Hilfsorganisation „Resqship“ zehn Leichen. Nach einem Bootsunglück im Ionischen Meer sucht die italienische Küstenwache nach Dutzenden Vermissten.

Lampedusa – Das Segelschiff "Nadir" der deutschen NGO "Resqship" hat in der Nacht auf Montag ein Holzboot mit 61 Geflüchteten vor der Küste von Lampedusa gerettet. Zehn Menschen wurden tot im überfluteten Unterdeck des Bootes gefunden, erklärte "Resqship" auf X. Die NGO-Besatzung evakuierte die anderen 51 Personen, von denen zwei bewusstlos waren und mit einer Axt befreit werden mussten.

"Die bewusstlosen Personen wurden medizinisch behandelt und warten auf die Notevakuierung. Unsere Gedanken sind bei ihren Familien. Wir sind wütend und traurig", teilte die Hilfsorganisation mit. Das gerettete Schiff war voll Wasser und hatte einen kaputten Motor. In Absprache mit den Behörden wurde es nach Lampedusa überführt.

Dutzende Vermisste nach Bootsunglück

Indes sucht die italienische Küstenwache nach einem Bootsunglück im Mittelmeer nach Dutzenden Vermissten. Das Segelboot mit Migranten an Bord habe im Ionischen Meer Schiffbruch erlitten, wie die Behörde am Montag mitteilte. Zwölf Menschen konnten vorerst gerettet werden, einer davon verstarb später. Das Boot soll von der Türkei abgefahren sein.

Die Suchaktion wurde laut Küstenwache nach dem Hilferuf eines französischen Ausflugsbootes eingeleitet, das etwa 120 Seemeilen von der italienischen Küste in griechischen Gewässern unterwegs war. Die Crew konnte aus dem halb gesunkenen Boot zwölf Menschen bergen und an Bord nehmen. Bei den Überlebenden handelt es sich um Menschen aus Afghanistan und Iran. Berichten zufolge werden 64 Personen noch vermisst. Die Suche in dem Gebiet des Unglücks wird derzeit fortgesetzt.

Nach Eingang des Notrufs leitete die italienische Seenotrettungsleitstelle (IMRCC) der Küstenwache in Rom zwei in der Nähe fahrende Handelsschiffe um. Auch Frontex-Einheiten griffen vor Ort ein. Die Schiffbrüchigen wurden an Bord eines Bootes der Küstenwache genommen, die sie nach Roccella Jonica im süditalienischen Kalabrien fuhr. Hier wurden sie Rettungsdiensten anvertraut.

Weniger Ankünfte als im Vorjahr

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Migranten, die meist aus Tunesien und Libyen über das zentrale Mittelmeer nach Italien gelangen, zurückgegangen. Das Innenministerium in Rom zählte in diesem Jahr knapp 23.235 Menschen, die auf dem Seeweg Italien erreichten. Im Vorjahreszeitraum waren es 55.662. (APA, TT.com)

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