Kultur Österreich

Theater am Werk Petersplatz widmet sich dem "Kitzelmonster"

Erzählung aus Barbi Markovićs preisgekröntem Band für die Bühne adaptiert
© APA

Barbi Marković hat einen Lauf. Bereits vor dem offiziellen Erscheinen ihres Erzählbandes "Minihorror" war dessen Dramatisierung im vergangenen Herbst im Wiener Theater am Werk auf der Bühne zu erleben, im Frühjahr wurde die Wahlwienerin mit serbischen Wurzeln dafür mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnet. Nun hat das Kollektiv Peira mit "Das Kitzelmonster" im Theater am Werk Petersplatz eine einzelne Erzählung aus dem Band auf die Bühne gebracht. Ein verrätselter Abend.

Wer oder was ist dieses "Kitzelmonster"? Um das mögliche Unbehagen vorab aufzulösen, hat es Regisseurin Alexander Bauer gleich mitten im Publikum platziert: Ein gesichtsloses Wesen mit weißen Handschuhen, das der 110-minütigen Aufführung reglos beiwohnt und ab und zu in gleißendes Licht getaucht wird, während Zeynep Alan, Yuria Knoll und Johnny Mhanna auf der Bühne jene Rahmenhandlung aufbauen, in der das imaginäre Wesen immer genau dann auftaucht, wenn alltägliche Ängste Überhand nehmen.

Und es beginnt tatsächlich mit einem Alptraum jedes Theaterschaffenden: Die Intendanten stürmen während der Uraufführung die Bühne und brechen das Vorhaben ab. In blonden Perücken berichten die drei Spieler:innen von jenem Moment, als die ursprünglich geplante - freilich fiktive - Premiere einst eingestampft wurde und die Autorin im Zweikampf mit den Theaterleitern auf der Bühne rangelte. Nun, mit der neuen Leitung, wird ein neuer Versuch gestartet. Viel Partizipation ist geplant, das Publikum werde nach Strich und Faden bloßgestellt - eine Freude.

So weit kommt es dann doch nicht, schließlich sei der Wille zur Teilhabe enden wollend. Stattdessen widmet man sich in einem halben Dutzend Episoden jenen Angstmomenten, die das "Kitzelmonster" der Erzählerin im Laufe ihres Lebens auf den Plan gerufen haben. Eigenartige Vorgänge im "jugoslawischen Kinderzimmer", dem die Erwachsenen nicht so recht glauben wollen, Teenager-Schwüre, sich im Fall des Falles gegenseitig das Leben zu nehmen und schließlich reale Notfälle im Wiener Krankenhaus, bei denen die Angst vor dem Eingreifen der früheren Freundin mehr Angst auslöst als die Behandlung durch die Nachtschwestern.

Während Zeynep Alan mit großer Spielfreude und noch größerer Mimik zwischen der Ich-Erzählerin und dem Krankenhauspersonal changiert, setzt Johnny Mhanna in hochkomischen Szenen auf Markovićs Sprachwitz, den er im Wechsel mit der im Rollstuhl sitzenden Yuria Knoll auf die Spitze treibt. Im Laufe des Abends nützen sich die Motive jedoch ab, ob das "Kitzelmonster" Dämon oder Lebensretter ist, bleibt ebenso offen wie die Frage, ob das Stück nun eigentlich erfolgreich zu Ende gespielt werden kann. Lang anhaltender Applaus für Darsteller, Team und die Autorin.

(Von Sonja Harter/APA)

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