Eskalation an der Nordfront

Israel droht mit einem „umfassenden Krieg“ auch gegen die Hisbollah

Ein Bild aus dem Gazastreifen? Nein, hier bombardiert das israelische Militär ein Ziel im Südlibanon.
© AFP/Daher

Überschattet vom Gaza-Krieg spitzt sich die Lage an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon weiter zu. Die USA versuchen zu vermitteln.

Tel Aviv, Beirut – Israels Außenminister Israel Katz hat der Hisbollah im Libanon mit einer Eskalation der Kämpfe gedroht. „In einem umfassenden Krieg wird die Hisbollah zerstört und der Libanon schwer getroffen", schrieb er auf X. Sein Land stehe „kurz vor dem Moment der Entscheidung, die Regeln gegen die Hisbollah und den Libanon zu ändern".

Der Minister reagierte mit der Drohung offenbar auf Drohnenaufnahmen, die die Hisbollah verbreitet hatte. Darauf waren strategisch wichtige Orte in Israel wie der Hafen von Haifa zu sehen. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah prahle mit den Aufnahmen und drohe, die Infrastruktur anzugreifen, so Katz.

Einsatzpläne fertig

Das israelische Militär untermauerte die Drohung des Außenministers durch eine Mitteilung, wonach die zuständigen Kommandeure „operative Pläne für eine Offensive im Libanon" genehmigt hätten.

Die schiitische Hisbollah wird vom Iran unterstützt und bildet im Libanon eine Art Staat im Staat. Ihre Miliz, die die Grenzregion zu Israel kontrolliert, gilt als wesentlich besser gerüstet als die Hamas im Gazastreifen. Seit Beginn des Gaza-Kriegs kommt es auch zwischen Israel und der Hisbollah täglich zu wechselseitigen Angriffen.

Die USA bremsen

Bisher gingen Experten davon aus, dass beide Seiten ein Interesse daran haben, einen großen Krieg zu vermeiden. Allerdings hatten sich die Angriffe zuletzt immer weiter hochgeschaukelt. US-Vermittler Amos Hochstein war erst zu Beginn dieser Woche wieder in Israel und dem Libanon, um eine Waffenruhe zu vermitteln. Hisbollah-Chef Nasrallah hat eine mögliche Vereinbarung jedoch an eine Waffenruhe im Gazastreifen geknüpft.

Angesichts der Drohungen aus Israel riefen die USA öffentlich zur Zurückhaltung auf. „Wir wollen keine Eskalation. Wir wollen keine zweite Front sehen“, sagte John Kirby vom Nationalen Sicherheitsrat. Das Pentagon mahnte offenbar mit Blick auf den Iran, niemand wolle „einen größeren regionalen Krieg“ . (floo, dpa)

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