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Frankreich: Zusammenstöße mit Polizei bei Demo gegen Rechts

Demonstranten flüchten vor der Polizei in Rennes
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Bei einer Kundgebung gegen die rechtsextreme Partei Rassemblement National (RN) in Rennes haben sich Demonstranten gewaltsame Auseinandersetzungen mit der französischen Polizei geliefert. Rund 1.500 Menschen beteiligten sich nach Behördenangaben am Donnerstagabend an dem von Gewerkschaften organisierten Protest. In der Nähe von Lyon wurde indes ein Kandidat der RN während einer Wahlkampfveranstaltung angegriffen.

Herve Breuil von Marine Le Pens RN sei in der Industriestadt Saint Etienne nahe Lyon zusammengeschlagen worden, teilte die Polizei am Freitag mit. Breuil sei zur Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert worden, könne aber bald schon wieder entlassen werden. Die Angreifer seien vermummt gewesen. Die Polizei leitete Ermittlungen ein. Le Pen machte "Linksextremisten" für den Angriff auf Breuil verantwortlich.

Angriffe auf Politiker haben jüngst zugenommen. In Frankreich gab es in den ersten neun Monaten des Jahres 2023 2.387 körperliche und verbale Angriffe, verglichen mit 2.265 im gesamten Jahr 2022, wie aus den jüngsten Daten des Innenministeriums hervorgeht.

Bei der Demonstration gegen Rechts seien sieben Protestierende festgenommen worden, teile die Präfektur mit. Sie wurde vorzeitig abgebrochen, als junge Protestierende die Einsatzkräfte mit Flaschen und anderen Gegenstände angriffen. Die Polizisten setzten Tränengas ein. Die Zusammenstöße hätten zu "kleineren Beschädigungen" geführt, hieß es seitens der Exekutive.

Mit der Demonstration sollte ein Zeichen gesetzt werden "gegen reaktionäre, rassistische und antisemitische Ideen und gegen diejenigen, die sie vertreten", wie der Generalsekretär der Gewerkschaft FO im Département de l'Ille-et-Vilaine, Fabrice Le Restif, sagte.

Der RN hatte bei der Europawahl am 9. Juni mit rund 31,5 Prozent der Stimmen deutlich gewonnen. Als Reaktion darauf hatte Präsident Emmanuel Macron überraschend die Nationalversammlung aufgelöst und Neuwahlen ausgerufen.

Umfragen zufolge könnte der RN auch bei der Parlamentswahl auf ein ähnlich hohes Ergebnis wie bei der Europawahl kommen. Damit wäre die Partei stärkste Kraft im Parlament und könnte unter Umständen sogar den Premierminister stellen. An zweiter Stelle liegt laut Umfragen derzeit das links-grüne Bündnis Neue Volksfront. Das von Macron angeführte zentristische Bündnis rangiert an dritter Stelle. Die Wahl findet in zwei Runden am 30. Juni und am 7. Juli statt.

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