Kampfeslustige Klimapartei

Gestärkt und selbstbewusst: Grüne gehen mit Kogler und Gewessler in die Nationalratswahl

Vizekanzler Werner Kogler, Klimaschutzministerin Leonore Gewessler und Stefan Kaineder (v.li.).
© TOBIAS STEINMAURER

Der grüne Bundeskongress geriet zu einem Triumph für Leonore Gewessler. Parteichef Werner Kogler beschwor die interne Einigkeit.

Wien – Durchaus kampfeslustig haben sich die Grünen am Samstag bei ihrem Bundeskongress in Wien präsentiert. Parteichef Werner Kogler wurde zum Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl gewählt. Platz zwei und viel Jubel erhielt Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, wenige Tage nachdem sie den Konflikt mit der ÖVP um das EU-Renaturierungsgesetz eskalieren hatte lassen. Justizministerin Alma Zadić und Klubchefin Sigrid Maurer erhielten die Listenplätze drei und vier.

„Du hast diese Woche grüne Geschichte geschrieben“, bekam Gewessler gleich zu Beginn von der Wiener Co-Parteichefin Judith Pühringer zu hören, als sie unter Standing Ovations für ihre Zustimmung zu dem Gesetz begrüßt wurde. Kogler bekräftigte das in seiner Rede: „Der Naturschutz hat gewonnen, in ganz Europa. Danke, Leonore!“

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Höchste Zustimmung

Gewessler wurde dafür auch mit Delegiertenstimmen belohnt. 98,1 Prozent Zustimmung waren mehr als die 94,5 Prozent, die Kogler als Spitzenkandidat erhielt. Die Ergebnisse beider fielen nicht so gut aus wie bei der Kandidatenkür 2019, als die Grünen zur Rückkehr in den Nationalrat angesetzt hatten. Kogler zeigte sich davon vor Journalisten aber unbeeindruckt: Alles über 70 Prozent sei bei den Grünen gut, meinte er ­trocken.

Tief bewegt war jedenfalls Gewessler, die nicht nur den Delegierten dankte, sondern auch ihrem Mann für die Unterstützung beim „wilden Ritt“ der letzten Jahre. „Ich fürchte, es werden noch einmal fünf“, versprühte sie Zuversicht und den Willen, noch eine Legislaturperiode lang weiterzumachen. Denn: „Ich brenne noch genauso wie am ersten Tag.“

Wir haben uns nicht umblasen lassen, und wir haben mehr zusammengehalten als zuvor.
Werner Kogler, Spitzenkandidat der Grünen

Kogler sprach in seiner 40-minütigen Rede vom „Startschuss für die Aufholjagd, die wir beginnen“. Die Grünen seien der Reformmotor der Republik, und auch bei Gegenwind stehe man für die richtigen Dinge ein. „Es ist eben so, wir sind die Natur- und Klimaschutzpartei, und wohl die einzige“, meinte er, zudem die „Brandmauer gegen rechtsextrem“.

Einmal mehr beschwor er die Einigkeit der Grünen in schwierigen Zeiten, ohne explizit die EU-Wahl und die Causa Lena Schilling zu erwähnen: „Wir haben uns nicht umblasen lassen, und wir haben mehr zusammengehalten als zuvor.“

„Ich sage euch, Wahlkampf, ich kann's und ich will's."
Werner Kogler (Grüne)

Hinter Kogler und Gewessler bekam Zadić mit 98,5 Prozent der rund 260 Delegiertenstimmen Listenplatz drei. Weniger einhellig fielen die Wahlergebnisse für Maurer und Voglauer für die Plätze vier und fünf aus, sie bekamen 81,9 bzw. 73,5 Prozent Ja-Stimmen.

Bei der Nationalratswahl 2019 hatten die Grünen 13,9 Prozent der Wählerstimmen erreicht, damit schafften sie damals klar das Comeback in den Nationalrat. Aktuell liegt die nunmehrige Regierungspartei in Umfragen weit darunter. Ziel ist für Kogler dennoch eine weitere Regierungsbeteiligung, wie er zuletzt betont hat. (TT, APA)

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