Alfa-Museum nahe Mailand

Produzent von Autolegenden und Beinahe-Sargnägeln: Alfa Romeo fertigte Hits und Flops

Schwer zu fahren und innen laut - dennoch ein Blickfang: der 40/60 HP Aerodinamica aus dem Jahr 1913 (Nachbau)
© Markus Höscheler

Die italienische Automarke zeigt Mut: Sie stellt in ihrem besuchenswerten Museum in Arese nicht nur Kult-Bestseller aus, sondern auch Rostlauben.

Der Anlass ist ein ganz aktueller: Alfa Romeo, Teil des Stellantis-Konzerns, bat zu einer ersten Fahrprobe mit dem vollelektrischen, subkompakten Sport Utility Vehicle Junior auf Teststrecken in Balocco, gelegen zwischen Mailand und Turin. Da die zugehörigen Fahreindrücke noch unter Embargo-Vorbehalt (bis 9. Juli 2024) stehen, bot sich ein Blick in die Vergangenheit des Labels an. Eigens dafür hat Alfa Romeo in Arese, nördlich von Mailand angesiedelt, ein großzügig gestaltetes Museum kreiert, das grundsätzlich seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts existiert und vor einigen Jahren umgebaut wurde.

Der Eintritt in die Geschichte von Alfa Romeo ist eine lohnenswerte. Zahlreiche Klassiker haben Platz auf mehreren Etagen gefunden, zeigen auf, dass Alfa Romeo zuerst mit Rechtslenkern angefangen hat und später, nach dem Zweiten Weltkrieg zu Linkslenkern gewechselt ist. Natürlich feiert Alfa Romeo bei dem Rundgang kultige Modelle wie etwa die Giulietta, die vor knapp 70 Jahren ihren Siegeszug begonnen hat.

Vor sieben Jahrzehnten begann der Siegeszug der Giulietta.
© Markus Höscheler

Eine eigene Sektion ist Umbauten für Polizeiautos gewidmet, eine andere widmet sich den Anfängen des Rennsports, wo Alfa Romeo großartige Erfolge erzielen konnte. Doch mit Alfa Romeo sind nicht nur Höhenflüge (apropos Höhenflüge: Alfa Romeo baute beispielsweise Flugzeugmotoren) verbunden, sondern auch regelrechte Tiefschläge. Genau das spart Alfa Romeo nicht aus, denn sogar der Alfasud hat es in die edlen Schauräume geschafft – jenes Modell, das wegen seiner Rostanfälligkeit das Markenimage nachhaltig beschädigt hat. Die Rostlaube ist allerdings gut getarnt bzw. lackiert, von Korrosion ist nichts zu sehen im Alfa-Romeo-Musuem.

Zu sehen sind stattdessen Unikate, die wie aus einer anderen Welt anmuten. Eine zigarrenförimige Limousine namens Aerodinamica aus dem Jahre 1913 zieht die Aufmerksamkeit ebenso auf sich wie manche Supersportwagenentwürfe. Manche habe es sogar in die (Klein-) Serie geschafft, etwa der streng limitierte 8C.

Zunächst recht erfolgreich, aber mit großem Imageschaden verbunden: der Alfasud war außergewöhnlich rostanfällig.
© Markus Höscheler

Noch keinen Einzug ins „museo storico Alfa Romeo“ geschafft hat der vollelektrische Junior. Der muss erst seine nächste Hürde bewältigen: die Bewegung Richtung Schauräume beteiligter Alfa-Romeo-Händler.

Immerhin: Bestellbar ist er schon, die Basis-Elektroversion mit 156 PS Leistung kostet ab 39.900 Euro, die Variante mit Mildhybridtechnik wird ab 29.000 Euro angeboten. Kurios: Noch immer offeriert Alfa Romeo die Elektro-Top-Ausführung Veloce mit 240 PS – dabei haben die Italiener vor Kurzem angekündigt, den Veloce mit 280 PS auf den Markt bringen zu wollen: Anfang nächsten Jahres. Ebenfalls geplant: eine Allradversion, deren Technik wir aus dem Jeep Avenger 4xe kennen.

Kein Klassiker, sondern die Zukunft: der vollelektrische Junior Veloce mit 280 PS Leistung. Dessen Bestellung wird Ende des Jahres möglich sein.
© Markus Höscheler

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