Talentierte Generation

Auf den Spuren von Graf und Unterwurzacher: Tiroler Judoka-Trio jagt EM-Medaille

Mavie Rabl, Lorenz Horngacher (oben) und Felix Einfinger hoffen bei der U18-EM in Sofia auf eine Tiroler Judoka-Sternstunde.
© Thomas Böhm

Nach dem Karriereende der Aushängeschilder Bernadette Grad und Kathrin Unterwurzacher kämpft die Tiroler Judo-Szene um die Rückkehr an die Weltspitze. Dafür sollen auch Mavie Rabl, Lorenz Horngacher und Felix Einfinger sorgen.

Innsbruck - Ein Radfahrer fuhr zur Morgenstunde die Franz-Fischer-Straße entlang, gähnte und sorgte damit für einen Kontrast. Ein Stockwerk tiefer waren die Protagonisten nämlich längst auf Betriebstemperatur. Im Judozentrum Innsbruck steppte vor wenigen Tagen auch bereits um 8 Uhr der Bär. Die grenzenlose Motivation hatte bei den Judokas Mavie Rabl (15 Jahre/JZ Innsbruck), Lorenz Horngacher (15/WSG Wattens) und Felix Einfinger (17/JZ Innsbruck) einen ganz speziellen Grund: Der frühe Vogel fängt nicht nur den Wurm, sondern fährt auch zur Europameisterschaft - womit das Trio ab Donnerstag in Sofia im U18-Jahrgang eine Premiere erlebt.

Mavie aus Ranggen blickte auf ihren einbandagierten Knöchel und atmete tief durch: „Ich war lange verletzt und hätte nicht gedacht, dass ich nach Bulgarien fahren darf. Das Lampenfieber ist groß, aber es wird schon gehen.“ Wer in der Gewichtsklasse bis zu 63 kg in der jeweiligen Altersklasse seit Jahren die Österreichischen Meisterschaften dominiert, darf sich auch bei der EM Chancen auf eine Medaille ausrechnen.

Der Respekt macht diese Sportart sehr besonders - in anderen Sportarten wird das ja oft nicht so großgeschrieben.
Lorenz Horngacher (Tiroler Judoka-Talent)

Rabl - Papa Thomas erledigt für den Judolandesverband die Pressearbeit - gilt neben den bereits älteren Kraft-Schwestern Pia-Jaqueline und Leonie als große Hoffnungsträgerin. Das große Ziel: irgendwann in die Fußspuren der langjährigen Tiroler Aushängeschilder Bernadette Grad und Kathrin Unterwurzacher treten. Mit ihrer angetretenen Sportler-Pension hatte das im vergangenen Jahrzehnt höchst erfolgreiche Duo in der Tiroler Judo-Szene eine große Lücke hinterlassen.

Corona-Zeit warf Tiroler Judoka-Szene zurück

Hinsichtlich dem nicht nahtlosen Generationenwandel zuckte Told mit den Schultern: „Es ist eigentlich immer so, dass man alle zehn Jahre ein Loch hat. Vor Berni (Graf, Anm.) und Kathi (Unterwurzacher, Anm.) hatten wir den Franz Birkfellner und die Mallaun-Brüder. Man ist immer nur dann gut aufgestellt, wenn man von unten einen gewissen Druck hat. Und wir haben auch nach der U18 noch ein starkes U16-Team. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass uns als Kontaktsportart auch Corona zurückgeworfen hat.“

Dass demnächst gleich drei Tiroler bei der Kadetten-EM auf die Matte steigen, hätte in jedem Fall eine historische Dimension. „Eine ähnliche Tiroler Besetzung ist lange her. Das waren sicher Kathi-Berni-Zeiten. Ich glaube, da hatten wir einmal vier Athleten gleichzeitig bei einer EM“, strahlte Told mit ihren Schützlingen um die Wette. Von insgesamt elf österreichischen EM-Teilnehmern kommen drei aus Tirol.

Felix Einfinger, Mavie Rabl und Lorenz Horngacher (von links) wird großes Potenzial bescheinigt.
© Thomas Böhm

Sport-HAS-Schüler Lorenz Horngacher (bis 90 kg) erinnert sich besonders gerne an seinen siebten Platz beim Europacup in Teplice. Der Wattener probierte sich einst im Fußball, Skifahren und Taekwondo aus, aber nur beim Judo war er in seinem Element: „Der Respekt macht diese Sportart sehr besonders - in anderen Sportarten wird das ja oft nicht so großgeschrieben.“ Sofort erhält er Zustimmung von Sport-BORG-Schüler Felix Einfinger (bis 73 kg), der einwarf: „Man gibt sich nach dem Kampf immer die Hand. Wir gewinnen und verlieren gleichermaßen.“

Die großen Idole stehen mit Rat und Tat zur Seite

Dass Unterwurzacher und Graf gelegentlich Told beim Training vertreten und Zweitere zuletzt mit Ernährungstipps vorstellig wurde, sei für das Trio extrem wertvoll. „Es ist extrem cool, wenn man so coole Vorbilder hat“, betonte Felix, der bei der EM im Teambewerb an den Start geht. „Es ist immer wirksamer, wenn sie es von der Sportlerin hören, als wenn es ihnen die Trainerin sagt“, lächelte Told mit einem Augenzwinkern.

Es ist wichtig, dass man sich selber quälen kann. Man muss das Ziel verfolgen, nach oben zu kommen. Und es geht nur, wenn man Abstriche macht und nicht bei jeder Party dabei ist.
Kathrin Told (Trainerin Judolandesverband Tirol)

Der Weg in die Weltspitze stellt sich für Rabl, Horngacher und Einfinger noch als ein langer und steiniger dar. Talent sei nicht alles, sondern nur ein Teil des Erfolgskonzepts, weiß Told: „Es ist wichtig, dass man sich selber quälen kann. Man muss das Ziel verfolgen, nach oben zu kommen. Und es geht nur, wenn man Abstriche macht und nicht bei jeder Party dabei ist.“ Sieben wöchentliche Trainingseinheiten, Extraschichten, Trainingslager und Wettkämpfe sorgen ohnehin für einen vollen Terminkalender.

„Es ist viel, aber es macht mir auch viel Spaß“, entschädigt für Rabl der Ertrag den Aufwand. Und in Sofia soll das mehr denn je der Fall sein. Baumelt bei einem aus dem Trio eine Medaille um den Hals, darf der Trainingsplan wohl auch von einer Party unterbrochen werden. Die nächste Tiroler Judoka-Generation steht in den Startlöchern und scharrt mit den Hufen.

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