Blog-Beitrag vor Gericht

Plagiatsjäger Stefan Weber wegen übler Nachrede verurteilt

Der Medienwissenschaftler Stefan Weber hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Plagiate aufzuspüren. Er hat im deutschsprachigen Raum bereits viele akademische Arbeiten u.a. von Politikern überprüft.
© Joachim Bergauer

Der Medienwissenschaftler muss dem Rektor der Universität Klagenfurt 4000 Euro Entschädigung zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Medienwissenschaftler und selbsternannte Plagiatsjäger Stefan Weber ist am Mittwoch am Landesgericht Salzburg wegen übler Nachrede zu einer Entschädigung in der Höhe von 4000 Euro verurteilt worden. Er soll im Jänner 2024 in seinem Blog den Rektor der Universität Klagenfurt, Oliver Vitouch, diffamiert haben. Dieser klagte den Salzburger darauf nach dem Mediengesetz und meinte zum Prozessauftakt am 23. Mai: „Es war und ist das Interesse von Weber, mir Reputationsschäden zuzufügen.“

Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig, teilte die Gerichtssprecherin der APA am Abend mit. Inhaltlich ging es in dem Verfahren um Aussagen, die Weber im Zusammenhang mit der Entlassung zweier deutscher Universitätsprofessorinnen in Klagenfurt in den Jahren 2015 und 2017 tätigte. Er fragte in einem auf seiner Webseite nach wie vor abrufbaren Blog-Beitrag, ob die Entlassungen aus einer „Machtdemonstration“ des Rektors heraus erfolgt seien.

Die beiden sind finanziell, reputatorisch, geistig und körperlich von Vitouch ein Leben lang ruiniert worden.
Stefan Weber (Plagiatsjäger)

Zudem schrieb er, dass die zwei Kolleginnen bis heute mit den Folgen der Entlassung zu kämpfen hätten, in der Wissenschaft nie wieder einen Fuß fassen können und eine der beiden Frauen gesundheitlich beeinträchtigt sei. „Die beiden sind finanziell, reputatorisch, geistig und körperlich von Vitouch ein Leben lang ruiniert worden“, so Weber. Beide Wissenschafterinnen hätten zudem angegeben, vom Rektor über Jahre beharrlich verfolgt worden zu sein, selbst kleinste Abweichungen bei Angaben seien moniert worden.

Vitouch weist Vorwürfe zurück

„Diese Behauptungen sind falsch“, hieß es dazu von Vitouchs Anwältin Maria Windhager. Zugleich habe Weber in dem Blog die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt, weil er dem Rektor keine Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt habe. Vitouch selbst sprach zum Verfahrensauftakt von einer „unzumutbaren Salve von Unwahrheiten und Anschuldigungen“. Zu den Entlassungen der beiden Professorinnen hätten Beschwerden von Mitarbeitern geführt, es sei um Mobbing und Bossing gegangen. Er sei eine humanistisch geprägte, integre Person und neige auch nicht zu Machtdemonstrationen.

Für ihn impliziere schon die Wortwahl „ein Leben lang in den Ruin getrieben“ eine Schädigungsabsicht. Für Vitouch erfolgte der Blogbeitrag nicht zufällig im Jänner, als das Hearing um den Rektorsposten an der Universität Klagenfurt stattfand. Er stand damals am Dreiervorschlag, das Rennen machte aber schließlich Ada Pellert, die Rektorin der deutschen Fern-Universität Hagen. Sie tritt ihr Amt am 1. Dezember 2024 an. Vitouch spekulierte am Mittwoch erneut darüber, ob Weber nicht auf einen Bezahlauftrag hin gehandelt haben könnte. Dieser stellte das in Abrede und bot dem Richter an, als Beweis Einblick in seine Einkommensaufzeichnungen rund um den Vorfall zu nehmen.

Außerdem erklärte Weber, er verstehe seinen Blog als eine Art „Whistleblower-Plattform“. Die Kritik, er habe die journalistische Sorgfaltspflicht nicht eingehalten, nehme er auf seine Kappe. „In meinem Blog gelten andere Spielregeln“. Seine Angaben, die beiden Frauen seien von Vitouch „ein Leben lang ruiniert worden“, seien ein boulevardesk zugespitzter Satz gewesen. (APA)

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