Kultur Österreich

"Wiener Zeitung" zieht nach Print-Aus "klar positive Bilanz"

Die "WZ" erscheint seit einem Jahr nicht mehr als Tageszeitung
© APA

Am Sonntag ist es ein Jahr her, dass die "Wiener Zeitung" zum letzten Mal als Tageszeitung auf den Markt kam. Seitdem agiert das republikseigene Medienhaus auf Basis einer vielfach kritisierten Gesetzesnovelle primär als Onlinemedium abseits der Tagesaktualität. Mitte Juni wurde ein erstes Printmagazin veröffentlicht, weitere sollen folgen. Geschäftsführer Martin Fleischhacker zieht eine "klar positive Bilanz", wenngleich es "noch viel zu tun" gebe.

"Seit dem Herbst letzten Jahres erreichen wir mit unseren digitalen Angeboten mehr Menschen als zuvor mit der Printausgabe - ein echter Erfolg, der die Relevanz der Transformation unterstreicht", meinte Fleischhacker auf APA-Anfrage. Die Zielgruppe wurde neu definiert. Die "WZ" will verstärkt jüngeres Publikum ansprechen und startete dafür etwa einen TikTok-Auftritt. Dort hat die "WZ" mittlerweile 17.700 Follower, manche Videos wurden hunderttausendfach angeklickt, andere kommen nur auf wenige tausend Abrufe. Zu 33 Prozent erreiche man auf TikTok 18- bis 24-Jährige, zu 35 Prozent 25- bis 34-Jährige, so Fleischhacker. Ähnlich die Verteilung auf Instagram, wo die "WZ" auf 22.400 Follower kommt. Mit drei verschiedenen Newslettern hat die "WZ" zusammen 13.000 Abonnentinnen und Abonnenten. Die Webseite verzeichnete im Mai über 600.000 Seitenaufrufe bei einer durchschnittlichen Verweildauer von ca. dreieinhalb Minuten. Zum Vergleich: Laut Angaben des damaligen Redaktionsbeirats hatte die "Wiener Zeitung" vor ihrer Print-Einstellung eine gedruckte Auflage von ca. 20.000 Stück (werktags).

Nach Maßgabe der finanziellen Mittel - das Gesetz sieht 16,5 Millionen Euro aus dem Budget für die Wiener Zeitung GmbH vor, 7,5 Millionen Euro davon für die seit der Transformation auf ca. 20 Personen stark geschrumpfte Redaktion - darf die "WZ" auch ein Printprodukt veröffentlichen. Offenbar stehen die Mittel zur Verfügung, denn vor wenigen Wochen erschien erstmals ein kostenloses Printmagazin für junge Erwachsene, das sich dem Thema Wahlen widmete. 35.000 Exemplare wurde etwa an Unis und Fachhochschulen verbreitet. "Das eher ungewöhnliche Format und die visuell auffallende Gestaltung sorgt jedenfalls bei den Verteilaktionen für viel Neugier und Zuspruch", sagte Fleischhacker nach Feedback zu dem grellen, mit zahlreichen Bildern versehenen Magazin gefragt.

Das Magazin steht jedenfalls nicht in Konkurrenz zu einem anderen Printprodukt, das erst durch das Aus der "Wiener Zeitung" als Tageszeitung ins Leben gerufen wurde: "Das Feuilleton" wurde von mehreren Ex-"WZ"-Schreibern gegründet und erscheint monatlich. Verschrieben hat man sich dem "Kultur- und Feuilleton-Journalismus in modernem Gewand". Am Freitag, 5. Juli, erscheint die 7. Ausgabe. "Wir haben bewiesen, dass es sehr wohl möglich gewesen wäre, eine seriöse durch und durch öffentlich-rechtliche Monatszeitung selbst mit einem Bruchteil der finanziellen Mittel zu machen", sagte Herausgeber Bernhard Baumgartner der APA. Die Abozahlen würden von Monat zu Monat steigen. Derzeit schreiben rund zwei Dutzend Autorinnen und Autoren für "Das Feuilleton", manche davon ehemalige "WZ"-Journalisten. Nun müsse man aber um Förderung ansuchen. Denn einzig von Vertriebserlösen und Werbung zu leben, sei bei so einem Produkt schwierig, so Baumgartner.

Ein Problem, dass die "WZ" mit ihrer öffentlichen Finanzierung nicht hat. Dort will man nun "mehr für die österreichische Medienlandschaft leisten", wie Geschäftsführer Fleischhacker sagt. Für die nahe Zukunft liege der Fokus stark auf dem Thema Wahlbeteiligung. Zudem wolle man im Bereich der Investigativrecherche verstärkt mit anderen Medienhäusern zusammenarbeiten. Auf Basis von Feedback sollen auch die diversen Kanäle weiterentwickelt werden. "Wir sind überzeugt, dass diese Transformation erst der Anfang ist", sagte Fleischhacker. Eine Transformation zurück zur Tageszeitung schwebt wohl weiterhin so manchem Kritiker der türkis-grünen Gesetzesnovelle vor. So sprach sich etwa SPÖ-Chef Andreas Babler wiederholt dafür aus, Mittel und Wege zu suchen, um die "Wiener Zeitung" wieder zu einer Tageszeitung zu machen - so seine Partei in Regierungsverantwortung komme.

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