Mehr Spielraum zum Abschluss

Matura neu: Die VWA bleibt, wird aber anders und vielfältiger

Bildungsminister Martin Polaschenk (ÖVP) und die Grüne Klubchefin Sigrid Maurer präsentierten am Mittwoch die Zukunft der Matura bzw. der Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA)
© APA/Eva Manhart

Rechtzeitig vor Ferienbeginn hat sich die Regierung auf die Zukunft der Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) an den Gymnasien verständigt: Sie wird nicht abgeschafft, aber breiter angelegt. Wer gar keine VWA verfassen will, muss mündlich oder schriftlich ein Fach mehr wählen.

Wien – Für jene Schülerinnen und Schüler, die im kommenden Schuljahr maturieren, kommt diese Nachricht gerade rechtzeitig vor den Ferien: Sie wissen jetzt, woran sie sind und können vielleicht sogar schon an ihrem Konzept arbeiten. Denn statt der bisher an den AHS/Gymnasien verpflichtenden Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) gibt es bereits ab dem kommenden Schuljahr eine "Abschließende Arbeit". Wie Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) am Mittwoch ankündigte, kann dieser Teil der Matura auch kreativ ausfallen, etwa ein Multimediaprodukt, eine Videoreportage oder ein Podcast sein. Bis zum Schuljahr 2028/29 ist alternativ auch eine zusätzliche mündliche oder schriftliche Matura möglich. Damit wird die Matura neu aufgestellt.

KI als Herausforderung

Ursprünglich hatte Polaschek angedacht, die VWA komplett abzuschaffen. Am Mittwoch betonte er im Pressefoyer nach dem Ministerrat einmal mehr, die vor mehr als zehn Jahren an den AHS verpflichtend eingeführte VWA sei „nicht mehr zeitgemäß", Stichwort Künstliche Intelligenz (KI), Stichwort ChatGPT. Künftig soll nicht mehr nur die Textarbeit im Vordergrund stehen, sondern “die Abschließende Arbeit kann künftig auch Produkt eines forschenden, gestalterischen oder künstlerischen Prozesses sein". Seit Einführung der VWA habe sich „die Welt etwas weitergedreht", meinte auch die Grüne Klubobfrau Sigrid Maurer unter Verweis auf die Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz, daher werde sie nun “grundlegend modernisiert und weiterentwickelt".

Die jährlich rund 17.000 Maturantinnen und Maturanten sollen künftig selbst entscheiden können, ob sie wie bisher eine 40.000 bis 60.000 Zeichen lange schriftliche Arbeit zu einem bestimmten Thema auf vorwissenschaftlichem Niveau verfassen oder diese Teilleistung auf andere Art erbringen wollen. Zugelassen sind laut Polaschek künftig auch völlig neue Medienformate wie beispielsweise die Herstellung eines Multimediaprodukts, einer Videoreportage, eines Podcasts oder einer empirischen Erhebung und deren Interpretation. Auch eine Performance oder eine kleine historische Recherche in der Nachbarschaft sei möglich, so Maurer. Zentral für die Überprüfbarkeit und Beurteilung soll dabei die Dokumentation und Reflexion des Entstehungsprozesses und der verwendeten Quellen sein.

Vier Jahre Übergangsphase

Bis zum Schuljahr 2028/29 haben Schülerinnen und Schüler auch die Möglichkeit, statt der Abschließenden Arbeit eine zusätzliche mündliche oder schriftliche Prüfung im Rahmen der Matura abzulegen. Das sei als Ausnahme für die Übergangszeit gedacht, damit alle Beteiligten Zeit hätten, sich für die neue Regelung zu rüsten, betonte Maurer. Regulär gibt es drei oder vier schriftliche Klausuren bzw. je nach Anzahl der gewählten schriftlichen Fächer zwei oder drei mündliche Prüfungen.

Die Maturantinnen und Maturanten des kommenden Schuljahrs müssten sich für das zusätzliche Maturafach bis 30. September anmelden. Auch sie haben theoretisch die Möglichkeit, ihre Abschlussarbeit bereits in einer der neuen Formen zu erstellen, allerdings nur mit Einvernehmen ihres Betreuungslehrers bzw. ihrer Betreuungslehrerin.

An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS), auf die jährlich rund 23.000 und damit mehr als die Hälfte der Maturaabschlüsse entfallen, soll die dortige Diplomarbeit in der derzeitigen Form bestehen bleiben. Die Abschlussarbeiten an den berufsbildenden mittleren Schulen (BMS) werden dagegen zur Gänze abgeschafft und das bereits ab dem kommenden Schuljahr. Das betrifft jedes Jahr 10.000 bis 15.000 Jugendliche. (APA, TT)

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