170 Jobs betroffen

Modekette Esprit insolvent: Alle Filialen sollen geschlossen werden

Die Esprit-Filialen in Österreich sollen nicht weitergeführt werden. Sie sollen ihre Ware abverkaufen und schließen.
© IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

Es sei keine Fortführung der Geschäfte in Österreich geplant. Die Filialen sollen ihre Waren abverkaufen und dann schließen. In Tirol betreibt Esprit insgesamt fünf Filialen, entweder direkt oder über Franchisenehmer.

Innsbruck, Wien, Salzburg – Nach der Insolvenz der Europaniederlassung der Modekette Esprit in Deutschland im Mai ist nun auch die Österreich-Tochter zahlungsunfähig. Sie hat am Donnerstag beim Landesgericht Salzburg Konkurs angemeldet. Betroffen sind laut Stapf Neuhauser Rechtsanwälte 173 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zu Spitzenzeiten waren es mehr als 600 gewesen. Pleitegrund seien neben einem Umsatzeinbruch gravierende Fehlplanungen der Firmenzentrale. Eine Fortführung ist nicht geplant.

Das Unternehmen verfügt in Österreich noch über zwölf eigene Filialen. 13 Franchisenehmer nutzen die Marke und betreiben 23 weitere Filialen, sind aber gesellschaftsrechtlich nicht mit der nun pleitegegangenen Esprit Handelsgesellschaft m.b.H. verbunden.

In Innsbruck betreibt Esprit zwei Stores, einen im Kaufhaus Tyrol und einen im DEZ. Dort sind 28 MitarbeiterInnen beschäftigt. Diese beiden Filialen sind von der Insolvenz direkt betroffen und sollen demnach geschlossen werden. In Zams, Brixlegg und Wörgl gibt es jeweils eine Franchise-Filiale bzw. Abnehmer von Esprit. Diese sind nicht direkt von der Insolvenz betroffen, werden aber wohl auch teilweise zusperren müssen bzw. wird das Esprit-Sortiment wegfallen, wie es beim Einkaufszentrum Grissemann in Zams der Fall sein wird.

Feucht macht Job-Angebot für Betroffene

Ein Franchisenehmer von Esprit ist in Tirol das Modehandelsunternehmen Feucht Mode. Für Geschäftsführer Leopold Feucht kam die Pleite von Esprit Österreich nicht überraschend. „Wir waren darauf vorbereitet“, sagt er. Aktuell betreibt das heimische Unternehmen noch einen Esprit-Store in Brixlegg. Dieser soll ab August mit einem neuen Konzept und mehreren Marken fortgesetzt werden. Zuvor werde die Esprit-Ware dort ab sofort abverkauft.

Einen weiteren Esprit-Standort in Schwaz hat Feucht vor Kurzem geschlossen. Für alle Feucht-Mitarbeiter gebe man eine Jobgarantie, betont Leopold Feucht. Die von der Schließung betroffenen Beschäftigten der beiden Standorte in Innsbruck „sind bei uns herzlich willkommen“, so Feucht. Man sei aktuell auf der Suche nach rund 20 Modeberaterinnen und -beratern.

Gravierende Fehlplanungen

Das aktuelle Aktivvermögen der Esprit Handelsgesellschaft m.b.H. beträgt zu Liquidationswerten rund 4,9 Mio. Euro, die Passiva belaufen sich nach derzeitigem Stand - ohne etwaige Schadenersatzforderungen aus Bestandsverträgen - auf insgesamt rund 8,4 Mio. Euro, so die Kanzlei Stapf Neuhauser, die die Geschäftsführung vertritt, wie es in einer Aussendung hieß.

Die österreichische Esprit-Tochter hat im Zeitraum von Jahresbeginn bis zum 20. Juni bei einem Umsatz von 8,9 Mio. Euro einen operativen Verlust in Höhe von 4,9 Mio. Euro erlitten. Im Gesamtjahr 2023 hatte das Unternehmen noch einen Umsatz von 29,56 Mio. Euro erwirtschaftet, im Jahr zuvor waren es noch 37,4 Mio. Euro.

Ursache für den starken Umsatzrückgang waren gravierende Fehlplanungen im Konzern. Kollektion, Distribution und Vertrieb wie auch die Verwaltung der Österreich-Tochter seien mehr oder minder zur Gänze zentral gesteuert worden, so die Vertretung der heimischen Geschäftsführung.

Filialen sollen geschlossen werden

"Eine Wiederaufnahme der Unterstützung durch die Esprit-Gruppe ist nicht zu erwarten", hieß es am Donnerstag weiter. Die österreichische Esprit-Tochter sehe daher nach derzeitigem Informationsstand keine Fortführungsmöglichkeit. Folgt der zu bestellende Insolvenzverwalter dem Antrag der Geschäftsführung, sollen die verbliebenen Lagerbestände rasch abverkauft, die Filialen geschlossen, die Mietverträge gekündigt und das Unternehmen liquidiert werden.

Esprit war seit 1995 in Österreich tätig. Auf seinem wirtschaftlichen Höhepunkt im Jahr 2010 beschäftigte das Unternehmen in Österreich 610 Mitarbeiter und betrieb 26 eigene Filialen und 60 Partner-Stores.

Mit der Insolvenz von sieben deutschen Esprit-Gesellschaften am im Mai seien nahezu alle Unterstützungsleistungen und alle Warenlieferungen an die österreichische Tochter per sofort europaweit eingestellt worden. "Von den Managementfehlern in der Gruppe sind sämtliche europäischen Ländergesellschaften betroffen", so die Rechtsanwaltskanzlei. Die Ländergesellschaften für Dänemark und Finnland sowie die Retail-Gesellschaften für Benelux und in der Schweiz haben bereits Insolvenz angemeldet. Weitere Insolvenzanmeldungen in anderen Ländern seien in Vorbereitung. (TT.com, APA)

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