Seit dem Mittelalter

Tiroler Weinbau durch Klimawandel am Vormarsch: „Bedeutung in der Landwirtschaft wird größer“

Auch in Tarrenz wird seit Jahren Wein angebaut.
© Thomas Böhm

Vermehrte Hitzetage bei zugleich kühlen Nächten sei laut dem Verbandsobmann positiv für den Weinbau in Tirol. Er glaubt an ein weiteres Wachstum der derzeit 85 Mitglieder im Tiroler Weinbauverband.

Innsbruck – Der Obmann des Tiroler Weinbauverbands, Robert Zangerl, sieht durch den Klimawandel positive Auswirkungen auf den Weinbau im Bundesland. Die vermehrten Hitzetage bei zugleich immer noch "kühlen Nächten" würden dazu beitragen, dass vor allem der Weißwein in Tirol gut gedeihe. Bei den aktuell 85 Mitgliedern im Tiroler Weinbauverband sei folglich auch noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, sagte er am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Innsbruck.

Insbesondere Nordtirol habe nämlich im Gegensatz zu Südtirol noch nicht das Problem, dass es für Weißwein-Trauben tagsüber zu heiß sei. "In Südtirol ist es zum Teil zudem so, dass es in den Nächten nicht mehr richtig abkühlt", sagte er bei dem Pressetermin, bei dem die Tiroler Landschaftskammer national und international prämierte Weine auszeichnete. Die Richtung in Tirol sei damit klar definiert: "Die wirtschaftliche Bedeutung des Tiroler Weinbaus in der Landwirtschaft wird größer werden, zugleich bleiben die Betriebe aber jeweils kleinstrukturiert." Mit riesigen Weinbauflächen sei in Tirol jedenfalls nicht zu rechnen, so Zangerl.

Weinbau in Tirol bereits im Mittelalter

Dem pflichtete auch Helga Brunschmid, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Tirol, bei. Zugleich wies sie darauf hin, dass der Weinbau in Tirol definitiv kein Neuland sei. "Bereits im Mittelalter und unter Kaiser Maximilian gab es Tirol Weinbau". Dieser sei jedoch ab dem 16. Jahrhundert stark abgeflaut und erst in den vergangenen Jahrzehnten wieder aufgeflammt. "2011 haben dann neun Pioniere den Tiroler Weinbauverband gegründet", skizzierte sie die Entwicklung.

Christoph Morandell, Gremialobmann Agrarhandel in der Wirtschaftskammer Tirol und Weinhändler, stellte den Tiroler Weinprodukten ein sehr gutes Zeugnis aus. Neben der Steiermark - die er als "Toskana Österreichs" betitelte - sei auch Tirol immer mehr auf dem Wein-Vormarsch. Man habe zwar "andere Bedingungen als in Niederösterreich", die mit den kleinen Flächen verbundene "wirkliche Handarbeit" täte der Qualität aber keinen Abbruch: "Aus Tirol kommen mittlerweile zahlreiche Qualitätsweine."

Auch in der Gastronomie spiele der Tiroler Wein eine zunehmende Rolle, sagte Anna Kurz, Fachgruppenobfrau Gastronomie der Wirtschaftskammer Tirol und Hotelierin in Ischgl. "Die Tiroler Weine werden von den Gästen, sowohl von Einheimischen als auch von den Touristen, sehr gut angenommen", lobte sie die qualitätsvollen Weine der "kleinstrukturierten Tiroler Weinbetriebe".

Das Weinsortiment in Tirol ist dabei durchaus bunt, wie die Auszeichnungen der Tiroler Landwirtschaftskammer zeigten. Ausgezeichnet wurden beispielsweise Weißweine der Sorten Cuvée, Grüner Veltliner, Sauvignon blanc oder Chardonnay aber auch ein roter Pinot Noir. (APA)

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