Zwischen Politik und Verwaltung

Christoph Platzgummer geht in den Ruhestand: „Mir ist es immer ums Gestalten gegangen, nicht bloß ums Verwalten“

Christoph Platzgummer blickt im „Tirol Live“-Interview mit TT-Redakteurin Jasmine Hrdina auf seine berufliche Laufbahn samt Höhen und Tiefen zurück.
© Liebl

Der 62-jährige Bezirkshauptmann von Kufstein blickt im „Tirol Live-Interview“ zurück: Mit Wehmut, Dankbarkeit und so mancher Lehre aus politischen Niederlagen und Herausforderungen wie Corona.

Kufstein, Innsbruck – Seine berufliche Karriere verlief zwischen Verwaltung und Politik, mit 1. Juli begibt sich Kufsteins Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer in den Ruhestand. „Ich habe gelernt, dass man Entscheidungen zu treffen hat und dann nach vorne schauen muss, nicht zurück“, sagt der 62-Jährige. Bei „Tirol Live“ wirft er dennoch einen Blick zurück.

Mit Wehmut. „Ja, ich wäre unglaublich gerne Bürgermeister der Stadt Innsbruck geworden und gewesen“, sagt er über die Wahl 2012. Damals musste der VP-Spitzenkandidat eine Niederlage gegen Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) einstecken. „Die Stadt Innsbruck liegt mir sehr am herzen. Ich hatte bestimmte Vorstellungen, in welche Richtung ich die Stadt entwickeln möchte.“ Dass die ÖVP als stimmenstärkste Fraktion (22%) damals nicht Teil der Regierungskoalition wurde, habe er immer als ungerecht empfunden.

📽️ Video | Christoph Platzgummer bei „Tirol Live“

Es sei Teil des politischen Spiels. „Mag sein, dass ich da nicht ganz geeignet war.“ Letztlich habe er in seinen Rollen im Verwaltungsbereich „als Bindeglied zur Politik“ seine Erfüllung gefunden. Er habe sich stets bemüht, Lösungswege zu finden um „das Richtige“ zu tun. „Mir ist es immer ums Gestalten gegangen, nicht bloß ums Verwalten.“

Pandemie als Höhepunkt neuer Herausforderungen

Als Bezirkshauptmann von Kufstein war Platzgummer mit vielen neuen Herausforderungen konfrontiert: 2015 erreichte die Flüchtlingsgwelle einen Höhepunkt, nach der Bundespräsidentenwahl 2016 mussten sich Wahlleiter mehrerer Bezirkshauptmannschaften, auch Platzgummer, wegen Ungereimtheiten vor Gericht verantworten. Es gab zahlreiche Hochwasser und zuletzt die Covid-19-Pandemie. „Ich danke allen MitarbeiterInnen und Einsatzorganisationen“, lobt Platzgummer die Zusammenarbeit.

Was sind die Lehren aus der Pandemie? „Einiges ist sicher falsch gelaufen. Und einiges musste auch einfach gemacht werden, obwohl wir es nicht für sinnvoll erachtet haben. Aber wir haben das Schiff insgesamt ganz gut durch die Pandemie gebracht.“ Besonders gut habe sich aber gezeigt, dass solche Ereignisse nicht nur in den jeweiligen Bezirkshauptmannschaften abgearbeitet werden können. „Die Pandemie hält sich nicht an Bezirksgrenzen:“

Verwaltung zwischen Bezirksgrenzen und Zusammenarbeit

Dass es in Tirol gleich neun eigenständigen Bezirkshauptmannschaften gibt, sei aber „durchaus vernünftig.“ Es sei deren Aufgabe, den Menschen verständlich zu machen, weshalb es Gesetze und politische Vorgaben gibt. „Das gelingt leichter, wenn man näher an der Bevölkerung ist und die Umstände, die in den jeweiligen Bezirken herrschen, kennt.“ So ließen sich vor Ort auch angepasste Entscheidungen „mit Hausverstand, auf Basis von geltendem Recht“ umsetzen.

Entwicklungspotential ortet der Verwaltungsbedienstete in der Zusammenarbeit bei Themen wie dem Glücksspielverbot oder eben der Pandemie. „Hier braucht es ein einheitliches Vorgehen.“ Eine Zusammenarbeit von Polizei, Verwaltung und Politik.

Letzterer will Platzgummer übrigens nicht den Rücken kehren, wenngleich er sich als Vater und Opa fortan „nur noch in der Familienpolitik“ einbringen will.

Platzgummers Laufbahn in Verwaltung und Politik

Ausbildung an der Verwaltungsakademie des Bundes Wien, Dienstprüfung an der Verwaltungsakademie des Landes Tirol, später Doktoratsstudium in Innsbruck

1987 tritt in den Dienst der Stadt Innsbruck ( Bezirksverwaltung,); Mai 2003: Magistratsdirektor der Landshauptstadt Insbruck.

2006: Platzgummer kandidiert für „Für Innsbruck“ und wird im Mai zum zweiten Bürgermeisterstellvertreter gewählt. 2009 tritt er zurück, nachdem es Ungereimtheiten bei den Finanzen rund um Veranstaltungen zur Fußball-Europameisterschaft 2008 gegeben hat; die befürchtete Kostenexplosion blieb aus.

2009: Wechsel ins Zukunftsbüro des Landes Tirol. Übernahme Abteilung Landesentwicklung und Zukunftsstrategie im Amt der Tiroler Landesregierung.

2012: Rückkehr in die Politik: Platzgummer zieht unter der Volkspartei gegen Christine Oppotz-Plörer (Für Innsbruck) in den Bürgermeisterwahlkampf, unterliegt dann in der Stichwahl. Obwohl stimmenstärkste Partei (22%) erhält die VP damals keine Regierungsbeteiligung.

2014 steigt Platzgummer aus der Politik aus, um seinen Beruf im öffentlichen Dienst „sauber zu trennen.“ Im Februar 2015 wird er zum Bezirkshauptmann von Kufstein ernannt. Am 1. Juli 2024 übergibt er an seinen Nachfolger Kurt Berek.

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