Kultur Österreich

Rastlose Kings Of Leon beim Lido Sounds in Linz

Sänger Caleb Followill von den druckvollen Kings Of Leon
© APA

13.000 Besucher haben sich laut Veranstalter den Auftakt der zweiten Ausgabe des Lido Sounds in Linz nicht entgehen lassen. Heuer gab es erstmals einen "Infinity Opening"-Day, bei dem nur das Wetter anfangs nicht mitspielte: Nach dem Start mit Acoustic Element öffnete der Himmel seine Schleusen. Das Urfahraner Jahrmarktgelände wurde nicht geräumt, die Veranstaltung aber unterbrochen. Headliner Kings Of Leon erfreuten dafür in den Abendstunden mit einem druckvollen Set.

Die US-Band legte mit reichlich Verspätung auf der Lido Main Stage los, am Donnerstag die einzig bespielte Bühne. Am Wetter kann es wohl nicht mehr gelegen sein. Sänger und Gitarrist Caleb Followill entschuldigte sich während des Auftritts, dass man durch die Songs hetze: "Wir spielen so viele wie möglich." Den für zahlreiche Tracks der Kings Of Leon typischen wabernden Gitarrensound kündigte "Ballerina Radio" an, gesungen von Followill mit kräftiger Stimme. Bewegte man sich bei dem Stück vom aktuellen Album "Can We Please Have Fun" noch im Midtempo, ging es anschließend mit dem Oldie "On Call" ordentlich zur Sache. Die Gitarren flirrten, Bass und Drums drückten ordentlich an. Caleb Followill gab sich während der gesamten Darbietung keine Blöße - ob er nun hymnischere Songs wie "Use Somebody" (gegen Ende) interpretierte oder zwischendurch bei Ausflügen in heftigere Gefilde auch Schreien durfte ("My Party").

Was man den Kings Of Leon hoch anrechnen muss: Sie legen bei jeder Tour auch ein Vierteljahrhundert nach der Bandgründung den Schwerpunkt auf das jeweils neue Album. "Mustang" oder das sofort eingängige "Nowhere To Run" überzeugten dann auch in ihren Live-Versionen. Es ist ja kein übles Werk, das die Brüder Caleb, Jared und Nathan Followill sowie deren Cousin Matthew Followill zuletzt vorgelegt haben. Naturgemäß ging die sprichwörtliche Post aber beim Über-Hit "Sex On Fire" ab, dem "Smoke On The Water" der Kings Of Leon. Wie angekündigt, raste das Quartett durch sein Programm, was sich auf die Dynamik durchaus positiv auswirkte - man hat die Formation hierzulande schon mit weniger Energie erlebt. Nur so etwas wie eine Bühnenshow darf man sich bei der Familienbande nicht erwarten. Nach 75 Minuten musste Schluss sein, vier Minuten überzogen die Amerikaner die dem Stadtfestival geschuldete 23-Uhr-Vorgabe. Die Anrainer mögen es verzeihen, Linz darf stolz auf dieses Open-Air sein.

Wegen des Gewitters fiel die Darbietung von Coverrun aus. Das House- und Dance-Duo aus Linz hatte lange für das Heimspiel geprobt und extra das DJ Pult gegen eine Live-Band eingetauscht. Entsprechend groß war die Enttäuschung. Walter Scherb, CEO von Infinity Music, verriet gegenüber der APA, dass man die Möglichkeit für einen Ersatz-Slot prüfe. Nachdem sich die dunklen Wolken verzogen hatten, übernahmen Milky Chance die Aufgabe, die Besucherinnen und Besucher wieder in sonnige Laune zu bringen, was ihnen mit tanzbaren Feelgood-Hits wie "Living In A Haze" oder mit einer in wummernde Bässe getränkten Coverversion von "Tainted Love" gelang.

The Kooks erfreuten das Publikum mit dem, was sie seit 20 Jahren perfekt beherrschen: mit fröhlichem Gitarren-Indie-Rock, angereichert mit viel Pop-Appeal. Nicht umsonst heißt einer ihrer Songs "I Wanna Make You Happy", heute im hinteren Teil eines wunderbar entspannten Sets zu finden. "Good evening, Linz, wie geht es euch?", begrüßte Sänger Luke Pritchard die Menge vor der Bühne nach dem "Sofa Song". Seine Frage, ob man es "groovy" wünsche, war rhetorisch: "Ooh La" kam beschwingt, der sommerliche Happy-Song "She Moves In Her Own Way" passt zum ausgegebenen Motto Pritchards: "Lebt den Moment!"

The Kooks können auch ordentlich rocken: Bei "Bad Habit" bauten sich Gitarrenwände auf, die sich später bei einem überlangen "Do You Wanna" noch höher auftürmten. Apropos: Lead-Gitarrist Hugh Harris schloss "Closer" vom aktuellen Album "10 Tracks To Echo In The Dark" mit einem furiosen Solo ab. Pritchard unterstützte immer wieder seinen Lead-Gitarristen, wenn er nicht herumtänzelte, an der E- oder Akustikgitarre. Das ruhigere "Seaside", der Hit-Opener vom Debüt "Inside In/Inside Out", ist bei The Kooks wohl gesetzt und verfehlte nicht seine Wirkung. Unbekannte Songs in einem Festivalprogramm zu präsentieren, kann ins Auge gehen, aber selbst bei dem brandneuen Song "Sunny Baby" war der Zuspruch groß: Handelt es sich doch um einen typischen Kooks-Gitarren-Track mit einer feinen Melodie und mehrstimmigem Chorus.

"Mir hat der Auftritt sehr viel Spaß gemacht", bestätigte Pritchard im APA-Interview. "Eigentlich liebe ich mittlerweile alle Auftritte, auch die schwierigen. Aber heute Abend war alles cool. Es geht nicht nur um die Band, sondern auch darum, was ich beim Publikum fühle. Der Vibe war heute wirklich positiv. Die Band befindet sich derzeit aber auch an einem guten Punkt, wir kommen auf der persönlichen Ebene sehr gut miteinander aus. Diesbezüglich gibt es immer ein Auf und Ab." Im selben Atemzug lobte der Frontmann das Lido Sounds: "Ein großartiges Festival! Ihr habt fantastische Toiletten hier. Das macht schon viel aus. Das Essen ist auch wirklich gut."

Am Freitag nimmt auch die zweite Bühne, die Ahoi! Pop Summer Stage, ihren Betrieb auf. Dort fungieren Deichkind nach einem kunterbunten Nachmittagsprogramm als Headliner. Auf der Main Stage werden u.a. Gossip, Hozier und Lokalmatador Parov Stelar erwartet. Bis einschließlich Sonntag geht es dann munter weiter. Das Lido Sounds wird auch im nächsten Jahr fortgesetzt. Die dritte Ausgabe findet von 27. bis 29. Juni 2025 statt, wie am Donnerstag bekanntgegeben wurde. Der Veranstalter nannte bereits erste Namen im Line-Up. So sollen Beatsteaks, Betterov, Mira Lu Kovacs, der Schmusechor und Uche Yara auftreten. Angesagt sind auch Annenmaykantereit mit einem für 2025 exklusiven Österreich-Gastspiel.

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