Kultur Österreich

Rolling-Loud-Festival setzt auf trendige Hip-Hop-Sounds

Superstar Nicki Minaj, hier bei einem Gig in Miami, hat sich angesagt
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Wer wissen möchte, was auf den Smartphones der Jugend heutzutage so läuft, sollte Ende der Woche nach Ebreichsdorf pilgern. Im dortigen Racino geht von Freitag bis Sonntag das Rolling Loud Europe über die Bühne. Die internationale Festivalreihe, die 2015 in den USA gegründet wurde, bringt etliche der angesagtesten Rapstars nach Niederösterreich. Zu den Headlinern Nicki Minaj, Playboi Carti und Travis Scott werden wohl Tausende vorwiegend junger Fans abfeiern.

Dass es sich bei den US-amerikanischen Acts um einige der größten Namen ihrer Zunft handelt, zeigt schon ein Blick auf die diversen Onlineplattformen: Stücke von Scott und Minaj durchbrechen sowohl auf Spotify als auch YouTube regelmäßig die Milliardengrenze, Abrufzahlen im dreistelligen Millionenbereich sind auch für Playboi Carti keine Schwierigkeit. Musikalisch setzt das Toptrio auf leicht verwaschen aus den Boxen dröhnende Beats, die sich gerne atmosphärisch dicht präsentieren und zu denen sich vielfach mit Autotune verfremdete Stimmen gesellen. Melancholie in Straßenjargon gegossen.

In eine ähnliche Richtung schlagen auch die weiteren Programmpunkte des Festivals aus, zu denen etwa Gunna oder Offset gehören. Die inhaltliche Auseinandersetzung dreht sich genretypisch wiederum oft um den eigenen Status und allerlei mit der Karriere einhergehenden Vorteilen oder Problemchen - je nach Perspektive. So hat sich Chief Keef etwa schon vor über zehn Jahren mit einem Album als "Finally Rich" beschrieben und lässt seine Fans wissen: "I hate bein' sober." Aus heimischer Sicht sticht besonders der Auftritt von Money Boy hervor, der schon früh den "Swag" des US-Raps in hiesige Gefilde übersetzt hat. Mittlerweile hat sich der Rapper längst seine eigene Marke aufgebaut und ist aus der Szene nicht mehr wegzudenken. Auf viel Publikumszuspruch dürfen sich zudem die deutschen Stars Shirin David oder Ufo361 einstellen.

Letztlich weist das Rolling Loud als dezidiertes Hip-Hop-Event nicht nur damit ein Alleinstellungsmerkmal in der heimischen Festivallandschaft auf, sondern auch hinsichtlich seiner Logistik. Nicht vorgesehen ist nämlich ein sonst üblicher Campingbereich, was zur Folge hat, dass die Besucherinnen und Besucher entweder mittels Privat-Pkw oder öffentlicher Verkehrsmittel die tägliche An- und Abreise bestreiten müssen. Den Veranstaltern zufolge sei das aber kein Hindernis. "Wir stellen die Metropole Wien mit ihrer Strahlkraft in den Mittelpunkt", hatte Marek Lieberberg bei einer Pressekonferenz vor wenigen Wochen festgehalten. "Die Besucher kommen aus Wien, werden dorthin wieder zurückfahren und dort übernachten."

Davon unabhängig schreibt man aber Nachhaltigkeit groß. So sollen im Foodcourt biologisch abbaubare Materialien zum Einsatz und lokale Lieferanten zum Zug kommen. Auch wettertechnisch sei man gerüstet, stünden doch im Falle einer Regenfront umfassende Bodenabdeckungen parat. "Wir sind auf alles vorbereitet", ließ Veranstalter Klaus Leutgeb wissen. Nach derzeitigem Stand scheint aber ohnehin alles angerichtet für eine gelungene Open-Air-Sause, dürfte sich zum Wochenende hin doch einigermaßen stabiles Sommerwetter, aber keine extreme Hitze einstellen.

Ein gelungenes Festival hängt aber natürlich auch von anderen Faktoren ab. So blieb die letztjährige Rolling-Loud-Ausgabe in München nicht nur positiv in Erinnerung, da es zu Ausschreitungen kam und von "gewalttätigen jugendlichen Besuchern" die Rede war. Die Polizei musste letztlich mit 400 Beamten deeskalierend eingreifen. Man habe daraus Lehren gezogen, hieß es beim Pressetermin. "Man sollte es schon auch einordnen", sagte Lieberberg, der die Berichte als überzogen bewertete. "Es sind keine Menschen zu Schaden gekommen, es brannten keine Container." Probleme habe es gegeben, die Jugendlichen davon zu überzeugen, dass Absperrungen sinnvolle Sicherheitsmaßnahmen seien. Im Racino sei man "entsprechend aufgestellt", so Matthias Rotermund von Live Nation Österreich.

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