Per Telefon, Mail oder Brief anmelden

Staatsanleihen „Bundesschatz“ nun auch analog für Privatanleger verfügbar

Der Zugang zum „Bundesschatz“ war bisher nur via ID Austria möglich. Seit April wurde eine Milliarde Euro veranlagt. Die Pensionistenvertreter sind erfreut.

Wien - Privatanleger können ab sofort Staatsanleihen auch analog - über den Postweg - kaufen. Damit soll der im April wiederbelebte „Bundesschatz" auch jenen Menschen zugänglich gemacht werden, die das Geldanlageprodukt des Bundes nicht online erwerben können oder wollen. Die Konditionen sind bei beiden Varianten dieselben. In den vergangenen zwei Monaten sind laut Finanzministerium mehr als 43.000 Konten auf digitalem Weg über die ID Austria eröffnet worden.

„Sehr erfolgreicher Start"

Das Finanzministerium spricht von einem „sehr erfolgreichen Start". Seit der Neuauflage des Bundesschatzes am 22. April seien bereits eine Milliarde Euro eingezahlt worden. Die Kunden waren dabei zwischen 18 und 91 Jahre alt - der Altersschnitt lag bei 49 Jahren. Jedoch habe sich in den letzten Wochen gezeigt, dass sich für Teile der Gesellschaft und dabei vor allem für ältere Menschen durch die rein digitale Form Hürden in der Kontoeröffnung ergeben hätten, heißt es aus dem Finanzministerium.

Deshalb ist der Bundesschatz ab dem heutigen Mittwoch auch analog zugänglich. Konkret können Kunden ihr Interesse an den Staatsanleihen per Telefon, E-Mail oder Brief anmelden. Daraufhin bekommen sie vom Service-Center das Kontoeröffnungsformular sowie Informationsmaterial zugeschickt. Nach Übermittlung des ausgefüllten und unterschriebenen Antrags samt Ausweis ebenfalls auf dem Postweg kann die Einzahlung per Zahlschein erfolgen. Dispositionen über das Bundesschatzkonto können mittels Telefon oder per Brief erfolgen. Ein persönlicher Kundenservice in der Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) wird unter Verweis auf räumliche Beschränkungen nicht angeboten.

OeBFA macht komplette Abwicklung selbst

Nach Anfragen von potenziellen Kunden im dreistelligen Bereich habe man sich entschieden, den Bundesschatz auch auf analogem Wege zugänglich zu machen, sagte OeBFA-Geschäftsführer Markus Stix am Mittwoch im Gespräch mit der APA. Um die Kosten möglichst gering zu halten, habe sich die OeBFA entschieden, die komplette Abwicklung selbst zu machen und nicht noch eine Bank oder die Post als Partner ins Boot zu holen, wie es in anderen Ländern üblich sei. „Es ist sinnvoll, dass wir das direkt machen im Postweg", so Stix.

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) sprach in einer Stellungnahme von einem „wichtigen Schritt, um die finanzielle Beteiligung aller Bevölkerungsgruppen auch weiterhin zu gewährleisten und zu stärken". Begrüßt wurde der Schritt vom ÖVP-Seniorenbund, dessen Präsidentin Ingrid Korosec dafür eintritt, dass es stets auch analoge Möglichkeiten gibt, “damit bei der Digitalisierung niemand zurückgelassen wird". Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) freute sich indes über die bisherige „ausgezeichnete Aufnahme" des sicheren Anlageprodukts durch die Privatanlegerinnen und Privatanleger.

Auch der Präsident des Pensionistenverbands, Peter Kostelka, freute sich über die Neuerung und fordert nun ein, dass es auch für den Handwerkerbonus, Reparaturbonus und Förderungen für den Heizungstausch Lösungen ohne Internet gibt. Gleiches will auch die stellvertretende SPÖ-Klubvorsitzende Eva-Maria Holzleitner. OeBFA-Chef Stix sieht hier einen hinkenden Vergleich und betonte, dass das „Staatsschuldenmanagement außerhalb der hoheitlichen Verwaltung" liege und die OeBFA daher auch nicht gesetzlich zu einer Gleichbehandlung aller Bürger verpflichtet sei. Nach vielen Anfragen dazu habe man sich aber entschieden, eine analoge Lösung anzubieten. Wie das Angebot letztlich angenommen werde, könne man erst in ein paar Wochen sagen.

Spesen oder Kontoführungsgebühren werden keine verrechnet

Der sogenannte Bundesschatz ist als Sparprodukt gedacht, mit dem man beim Bund - also ohne ein Wertpapierdepot bei einer Bank - österreichische Staatsanleihen erwerben kann. Bereits ab 100 Euro ist man dabei, Spesen oder Kontoführungsgebühren werden keine verrechnet. Die Zinsen rangieren derzeit - je nach Laufzeit - zwischen 2,50 und 3,50 Prozent. Ein solches Produkt gab es bereits in der Vergangenheit, es wurde jedoch 2020 angesichts des damaligen Niedrigzinsumfeldes eingestellt. (APA)

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