Drama im US-Wahlkampf

Biden soll immer öfter Aussetzer haben – Verzichtet er doch auf die Kandidatur?

US-Präsident Joe Biden bei der TV-Debatte gegen Donald Trump.
© AFP/Caballero-Reynolds

Der Druck auf den US-Präsidenten steigt, seine Bewerbung um die Wiederwahl abzublasen. Sein Zustand soll sich zuletzt verschlechtert haben, und er wird die öffentliche Debatte darüber nicht mehr los.

Washington – US-Präsident Joe Biden hat eine neue Erklärung dafür aufgetischt, warum sein Auftritt in der ersten TV-Debatte gegen Donald Trump derart desaströs war. Er sei nach den weiten Reisen in den Wochen zuvor – unter anderem zweimal nach Europa – müde gewesen, sagte er. „Ich habe nicht auf meine Mitarbeiter gehört und wäre auf der Bühne fast eingeschlafen."

Allerdings lag zwischen den Reisen und der TV-Debatte noch eine Woche, in der Biden sich erholen und vorbereiten konnte. Zuvor war aus seiner Umgebung bereits gestreut worden, der Präsident sei verkühlt gewesen und habe deshalb so leise und heiser gesprochen. Fest steht, dass die Nation Ende Juni beobachten konnte, wie der 81-Jährige auf der Bühne wiederholt den Faden verlor und desorientiert wirkte.

„Häufiger, ausgeprägter und besorgniserregender“

Biden war schon immer – auch als junger Senator – für Hoppalas berüchtigt, wenn er frei sprechen musste. Das wurde oft darauf zurückgeführt, dass er als Kind gestottert hat. Doch in letzter Zeit scheinen „die Entgleisungen immer häufiger, ausgeprägter und besorgniserregender zu werden“, berichtete die New York Times unter Berufung auf namentlich nicht genannte Personen, die häufig mit Biden zusammen sind.

Einige Parteispender wünschen angeblich einen neuen Kandidaten, andere sollen bereits Geld umgeleitet haben vom Präsidentschafts- in den Kongresswahlkampf. Noch traut sich kaum ein Mandatsträger, Funktionär, Spender oder Stratege der Demokraten in ein Mikrofon zu sagen, dass der Präsident seine Bewerbung zurückziehen soll. Aber es ist bezeichnend, dass die Parteioberen die Debatte darüber freigegeben haben.

Es sei eine „berechtigte Frage", ob es sich bei Bidens Patzer im TV-Duell „nur um eine Episode oder einen Zustand" gehandelt habe, sagte etwa Nancy Pelosi, bis zum vorigen Jahr Sprecherin des Repräsentantenhauses. Auch Ex-Präsident Barack Obama soll privat Bedenken geäußert haben, berichtete die Washington Post – ohne dass von Obama oder seiner Umgebung ein Dementi kam.

Das Weiße Haus macht indessen unbeirrt weiter. „Wir werden ein neues Kapitel aufschlagen“, kündigte Sprecherin Karine Jean-Pierre an. Der Präsident soll nun weniger Weltpolitik und mehr Wahlkampf machen, näher an die Menschen heran. Diese haben sich allerdings von ihm abgewendet. In einer Umfrage für CBS sagten 72 Prozent der registrierten Wähler, Biden verfüge nicht über die nötige geistige Gesundheit. Und in einer Umfrage für CNN sagten fast drei Viertel, die Demokraten hätten mit einem anderen Kandidaten eine bessere Chance, die Präsidentenwahl zu gewinnen.

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