Nachwehen von Österreich-Spiel

Wegen Demirals „Wolfsgruß“: Türkischer Botschafter in Deutschland einbestellt

Merih Demiral zeigte beim Jubel nach seinem zweiten Tor gegen Österreich den Wolfsgruß.
© IMAGO/Matthias Koch

Der sogenannte „Wolfsgruß“ des türkischen Fußball-Nationalspielers Merih Demiral beim EM-Achtelfinale gegen Österrreich zieht weitere diplomatische Kreise. Am Donnerstagmorgen wurde der türkische Botschafter ins Außenministerium in Berlin einbestellt. Bereits am Mittwoch war der deutsche Botschafter in Ankara einbestellt worden.

Berlin – Nach der Einbestellung des deutschen Botschafters in der Türkei hat das deutsche Außenministerium nun mit der gleichen Maßnahme reagiert. „Wir haben den Vorfall heute mit dem türkischen Botschafter in Berlin thematisiert“, so eine Sprecherin am Donnerstagvormittag. Die Einbestellung eines Botschafters gilt als scharfes diplomatisches Mittel. Die türkische Regierung wirft Deutschland „Fremdenfeindlichkeit" vor.

Wolfsgruß beim Torjubel im Achtelfinale

Demiral hatte im Achtelfinalspiel der Türkei gegen Österreich in Leipzig nach seinem zweiten Tor den Wolfsgruß mit den Händen gezeigt. Der Gruß gilt als Zeichen der rechtsextremistischen türkischen Grauen Wölfe. In Deutschland werden 18.500 Mitglieder gezählt, womit die Gruppe die größte rechtsextreme Organisation hierzulande ist. Verboten sind die Grauen Wölfe nicht, sie werden aber vom Verfassungsschutz beobachtet.

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Kritik von deutscher Innenministerin

Auch der Wolfsgruß selbst ist in Deutschland nicht verboten. Von der deutschen Innenministerin Nancy Faeser kam scharfe Kritik. „Die Symbole türkischer Rechtsextremisten haben in unseren Stadien nichts zu suchen“, schrieb die SDP-Ministerin auf X. „Die Fußball-Europameisterschaft als Plattform für Rassismus zu nutzen, ist völlig inakzeptabel.“ Faeser forderte die Europäische Fußball-Union UEFA auf, den Fall zu untersuchen und Sanktionen zu prüfen. Die UEFA hat ein Untersuchungsverfahren gegen Demiral eingeleitet.

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Rückendeckung aus der Türkei

Das türkische Außenministerium hingegen bezeichnet die UEFA-Untersuchung als inakzeptabel. Nicht jede Person, die das Zeichen der Grauen Wölfe zeige, könne als rechtsextremistisch bezeichnet werden, heißt es. Die Reaktionen der deutschen Behörden seien „ausländerfeindlich“.

Die Türkei setzte sich am Dienstag gegen Österreich mit 2:1 durch und steht nun am Samstag im Viertelfinale gegen die Niederlande in Berlin. Demiral schoss im Spiel gegen Österreich beide Tore. Ihm könnte nun eine Sperre für das Viertelfinale drohen. (APA, dpa, TT.com)

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