Drege verunglückte bei Abfahrt

Tödliche Tragödie bei Tour of Austria: Das Finale wird wohl zur Gedenkfahrt nach Igls

André Drege verunglückte bei der Touf of Austria tödlich.
© GEPA pictures/ David Geieregger

Die Königsetappe der Tour of Austria am Samstag ist vom tödlichen Unfall des norwegischen Profis André Drege überschattet worden. Zu einem sportlichen Showdown im Kühtai wird es am Sonntag nicht kommen. Stattdessen wird es wohl eine neutralisierte Gedenkfahrt nach Igls geben.

Kals – Von einem Moment auf den anderen war nichts mehr, wie es gerade noch schien. Der gefeierte Glocknerkönig Jonas Rapp (GER), der umjubelte Tagessieger Filippo Ganna (ITA) oder der taktische Ausblick des oberösterreichischen Gesamt-Vierten Felix Großschartner – alles nur noch dumpfe Nebengeräusche.

Die Nachricht vom Todessturz des norwegischen Profis André Drege hatte die Tour of Austria und ihre Protagonisten mitten ins Mark getroffen – und die Radsportszene wieder einmal in Schockstarre versetzt. Der 25-jährige Norweger aus dem Team Coop Repsol kam in der Abfahrt vom Großglockner nach Heiligenblut zu Sturz und erlag seinen Verletzungen. Auch die Reanimiation von Verkehrsteilnehmern und in späterer Folge vom Team des Rettungshubschraubers C7 blieben erfolglos.

Die Polizei leitete Ermittlungen ein. Fahrer, die sich zum Zeitpunkt des Unfalls in einer Hochgeschwindigkeitspassage in der Nähe befunden haben, werden befragt. Auch das Rad des Verunglückten soll untersucht werden.

Der schwer getroffene Tour-Direktor Thomas Pupp hatte rasch eine Krisensitzung mit allen 20 Teamchefs und Vertretern des Radweltverbandes UCI einberufen. Dabei wurde einhellig beschlossen, dass die Familie des Sturzopfers und dessen Team gemeinsam mit den Organisatoren über den Abbruch bzw. die Fortsetzung der Tour entscheiden. Dazu wird sich der Tross am Sonntag um 9 Uhr in Kufstein zusammensetzen.

Fix scheint bereits, dass es heute zu keinem sportlichen Showdown im geplanten Etappenziel Kühtai kommen wird. Stattdessen gilt es als wahrscheinlich, dass es eine Art neutralisierte Gedenkfahrt des Pelotons von Kufstein nach Innsbruck-Igls geben wird. Damit würde auch der Italiener Diego Ulissi als Gesamtsieger feststehen.

Auch Tour-de-France-Leader und Superstar Tadej Pogacar äußerte sich nach der achten Etappe der Frankreich-Rundfahrt tief betroffen. „Ich stehe unter Schock. Es ist schwer zu verarbeiten, was passiert ist. Das ist sehr traurig zu hören.“ Die Nachricht verdeutliche einmal mehr, wie gefährlich der Sport sei. „In der Radsportwelt müssen wir wirklich aufeinander achten und aufpassen.“

Drege ist der nächste bei einem Radrennen zu Tode gekommene Profi nach Gino Mäder bei der Tour de Suisse im Juni 2023. Der Schweizer war in der Abfahrt vom Albulapass zu Sturz gekommen und am nächsten Tag verstorben. Fünf Wochen später kam bei der Oberösterreich-Juniorenrundfahrt ebenfalls in einer Abfahrt ein 17-jähriger Italiener ums Leben. (TT.com, APA)

Überblick über im Renngeschehen tödlich verunglückte Radsportler:

  • Tom Simpson (England, 1967): Beim Aufstieg auf den Mont Ventoux bricht der Brite bei der Tour de France bei glühender Hitze tot zusammen. Die Autopsie ergibt: Simpson hatte einen Cocktail aus Alkohol und Amphetaminen im Körper.
  • Fabio Casartelli (Italien, 1995): Der Olympiasieger stürzt bei der Tour de France auf der Abfahrt in den Pyrenäen und rast in die Straßenbegrenzung aus Beton. Er erliegt seinen Kopfverletzungen.
  • Andrej Kiwiljow (Kasachstan, 2003): Er stürzt auf der zweiten Etappe der Fernfahrt Paris-Nizza und zieht sich tödliche Kopfverletzungen zu. Danach wird die Helmpflicht für Profis eingeführt.
  • José Maria Jimenez (Spanien, 2003): Der starke Kletterer stirbt mit 32 Jahren überraschend an Herzversagen. Wegen Depressionen hat er sich kurz zuvor aus dem Profi-Radsport zurückgezogen.
  • Fabrice Salanson (Frankreich, 2003): Am Morgen vor dem Start der Deutschland-Tour in Dresden stirbt der 23-Jährige in seinem Hotel an Herzversagen.
  • Wouter Weylandt (Belgien, 2011): Nach einem Sturz beim Giro d'Italia erliegt der 26-jährige Profi seinen Kopfverletzungen.
  • Felix Baur (Schweiz, 2013): Die Schweizer Nachwuchshoffnung verunglückt in einem Trainingslager in Alicante in Spanien schwer und fällt ins Koma. Nach der Rückkehr erliegt er im Alter von nur 21 Jahren im Spital Winterthur seinen schweren Kopfverletzungen.
  • Kristof Goddaert (Belgien, 2014): Er verunglückt bei einem Trainingsunfall tödlich. Der 27-Jährige kommt auf Straßenbahnschienen zu Fall und wird von einem hinter ihm fahrenden Bus überfahren.
  • Antoine Demoitié und Daan Myngheer (Belgien, 2016): Innerhalb weniger Stunden sterben gleich zwei belgische Fahrer. Der 25-jährige Demoitié wird bei Gent - Wevelgem nach einem Sturz von einem Motorrad überrollt und stirbt in der Nacht darauf im Spital. Myngheer erleidet im Alter von 22 Jahren beim Critérium International auf Korsika einen Herzstillstand.
  • Gijs Verdick (Niederlande, 2016): Eine Woche, nachdem er bei einer Rundfahrt in Polen zwei Herzattacken erlitten hat, stirbt der 21-jährige Nachwuchsfahrer in seiner Heimat im Spital.
  • Michele Scarponi (Italien, 2017): Der Sieger des Giro d'Italia 2011 kollidiert im Training in seiner Geburtsstadt Filottrano frontal mit einem Kleintransporter. Der 37-Jährige ist auf der Stelle tot.
  • Michael Goolaerts (Belgien, 2018): Der 23-jährige Belgier erleidet beim Klassiker Paris-Roubaix 148 km vor dem Ziel einen Herzstillstand und verstirbt am Tag danach im Spital.
  • Bjorg Lambrecht (Belgien, 2019): Auf der 3. Etappe der Polen-Rundfahrt prallt der 22-jährige Belgier Bjorg Lambrecht gegen einen Betonpfeiler am Straßenrand. Kurz darauf verstirbt er im Spital an inneren Blutungen und durch einen Herzstillstand.
  • Davide Rebellin (Italien, 2022): Wenige Wochen nach seinem Rücktritt im Alter von 51 Jahren wird der Italiener bei einer Ausfahrt in seiner Heimat von einem LKW überfahren. Rebellin, der 61 Profisiege eingefahren hatte und 2008 des Blutdopings überführt worden war, stirbt noch am Unfallort.
  • Gino Mäder (Schweiz, Juni 2023): Der Schweizer stürzt in der 5. Etappe der Tour de Suisse in der Abfahrt vom Albulapass bei hohem Tempo schwer. Mäder muss vor Ort reanimiert werden. Einen Tag nach dem Unfall stirbt der 26-Jährige im Spital von Chur.
  • 17-jähriger Italiener (Juli 2023): Ein italienischer Teilnehmer der Junioren-Rundfahrt in Oberösterreich erliegt seinen schweren Verletzungen, die er sich am Tag zuvor bei einem Sturz in einer Abfahrt der ersten Etappe zugezogen hatte.
  • André Drege (Juli 2024): Der 25-jährige Profi aus Norwegen stürzt auf der Königsetappe der Österreich-Rundfahrt bei der Abfahrt vom Großglockner nach Heiligenblut schwer und erliegt seinen Verletzungen.

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