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Hamas will auch ohne "dauerhafte Waffenruhe" verhandeln

Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas ist laut einem ranghohen Vertreter dazu bereit, ohne eine "vollständige und dauerhafte Waffenruhe" über die Freilassung von Geiseln und ein Ende des Krieges im Gazastreifen zu verhandeln. Der ranghohe Vertreter sagte am Sonntag, die Forderung der Hamas, dass Israel "einer vollständigen und dauerhaften Waffenruhe" zustimmen müsse, um Gespräche über einen Austausch von Geiseln gegen Häftlinge zu beginnen, sei "überholt".

Weiter erklärte er, die Vermittler aus dem Golfemirat Katar hätten zugesagt, "dass die Waffenruhe für die Dauer der Verhandlungen in Kraft bleibt". Dem Hamas-Vertreter zufolge hat die Organisation die Vermittler über drei "Etappen" informiert, die aus ihrer Sicht erreicht werden müssen: Erstens die tägliche Ankunft von 400 Lastwagen mit Hilfslieferungen im Gazasteifen, zweitens der Rückzug der israelischen Armee aus dem sogenannten Philadelphia-Korridor und vom Übergang Rafah an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten - und schließlich der vollständige Rückzug der Armee aus dem Gazastreifen.

Dem Hamas-Vertreter zufolge könnten die Verhandlungen in "zwei bis drei Wochen" abgeschlossen werden. Zuvor hatte ein anderer Hamas-Funktionär, Osama Hamdan, jedoch auch erklärt, dass der militärische Flügel der Hamas weiterhin "in einer guten Verfassung" sei, um den Krieg fortzusetzen.

Die Verhandlungen im Ringen um eine Waffenruhe sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Die israelische Regierung hatte ihrerseits erklärt, sie werde erneut eine Delegation zu den Gesprächen nach Katar schicken. Auch der Chef des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, William Burns, soll nach Angaben aus Verhandlungskreisen daran teilnehmen. Nach Hamas-Angaben planen zudem Ägypten und die Türkei, als Vermittler tätig zu werden. Ein hochrangiger US-Beamter betonte, dass noch "erhebliche Arbeit" für ein Abkommen zu leisten sei. Ein Sprecher von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte, es gebe noch "Gräben" zwischen den Parteien.

Netanyahu erklärte am Sonntag, ein Waffenstillstandsabkommen für den Gazastreifen müsse es seinem Land ermöglichen, so lange zu kämpfen, bis es seine Kriegsziele erreicht habe. Zudem müsse ein Abkommen den Waffenschmuggel an die Hamas über die Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten verbieten. Darüber hinaus dürfe die Rückkehr Tausender bewaffneter Kämpfer in den nördlichen Gazastreifen nicht zugelassen werden.

Der Krieg zwischen Israel und der Hamas dauert inzwischen seit zehn Monaten an. Am 7. Oktober hatten Kämpfer der Hamas und weiterer militanter Palästinensergruppen einen beispiellosen Angriff auf Israel verübt, der den Krieg im Gazastreifen auslöste. Bei dem Überfall waren nach israelischen Angaben 1.195 Menschen brutal getötet und 251 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden. Als Reaktion auf den Überfall geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums vom Sonntag, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden dabei bisher 38.150 Menschen getötet.

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