Jury-Prozess frühestens in einem Jahr

Wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs: Frank Stronach erstmals in Kanada vor Gericht

Frank Stronach muss heute vor Gericht noch nicht auf die Missbrauchsvorwürfe gegen ihn reagieren.
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Frank Stronach steht heute erstmals in Kanada vor Gericht. Er muss sich wegen Missbrauchsvorwürfen von zehn Frauen verantworten. Ein Prozess vor einem Jury-Gericht wird frühestens in einem Jahr stattfinden.

Wien/Aurora – Der austrokanadische Milliardär und Ex-Politiker Frank Stronach muss sich am heutigen Montag erstmals vor einem kanadischen Gericht verantworten. Dem 91-Jährigen werden laut Gerichtsdokumenten mehrere Straftaten an insgesamt zehn Frauen vorgeworfen, darunter versuchte Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und Freiheitsberaubung. Die Vorfälle reichen teilweise bis in die späten 70er-Jahre zurück, einige sollen sich erst vor wenigen Monaten ereignet haben. Stronach streitet alle Vorwürfe ab.

Beweisvorlage unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Beim heutigen Gerichtstermin muss Stronach noch nicht auf die Vorwürfe reagieren, zitiert das „Ö1-Morgenjournal" Thomas Daigle, Reporter beim staatlich kanadischen TV-Sender CBC. Die Staatsanwaltschaft lege der Verteidigung lediglich erstmalig unter Ausschluss der Öffentlichkeit Beweise vor. Zu einem Prozess vor einer Jury dürfte es dann frühestens in einem Jahr kommen.

Anschuldigungen über mehrere Jahrzehnte

Den Gerichtsdokumenten zufolge reichen die Anschuldigungen der versuchten Vergewaltigung bis ins Jahr 1977 zurück. Weitere Frauen werfen dem Milliardär Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe in den 80er, 90er- und frühen 2000er-Jahren vor.

Einige Vorfälle ereigneten sich demnach in Toronto, weitere auch in der kanadischen Stadt Aurora, wo Stronachs ehemalige Firma Magna International ihren Hauptsitz hat. Auch im Frühjahr 2023 soll der 91-jährige Milliardär sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen verübt haben. Erst kürzlich sind Vorwürfe in acht weiteren Fällen aufgetaucht.

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„Es war Machtmissbrauch“

Die New Yorker Autorin Jane Boon berichtete im ORF-Radio von einem "bizarren Erlebnis" mit Stronach. Als damals 19-jährige Studentin hatte sie den Milliardär in den 80er-Jahren durch eine Kooperation ihrer Universität mit seinem Unternehmen Magna kennengelernt. Der damals 54-Jährige habe sie mehrmals eingeladen. Bei einem Managertreffen sei ihr Weinglas immer voll gewesen und Stronach habe darauf beharrt, dass sie in seinem Gästehaus übernachte.

Es war keine Vergewaltigung, aber es war Machtmissbrauch, es war ausbeuterisch und es war falsch.
Jane Boon, Autorin, über ihr Erlebnis mit Frank Stronach

"Es gab eine Art Flüsternetzwerk", berichtete Boon weiter. Erfahrene Sekretärinnen hätten neue Mitarbeiterinnen zur Seite genommen und ihnen nahe gelegt, „nicht in die Nähe dieses Gästehauses“ zu gehen. Boon bezeichnet die Zeit als beunruhigende und unangenehme Erfahrung. Auch deshalb habe die Autorin damals die Autoindustrie verlassen.

Investor und Ex-Politiker

Stronach wurde in der Steiermark geboren und ist mit Anfang 20 nach Kanada ausgewandert. In Nordamerika hat er den Magna-Konzern aufgebaut, der vor allem in der Auto-Industrie erfolgreich war. In Österreich wurde der umstrittene Milliardär durch sein Sport-Investment in Fußball und Pferdesport sowie als Gründer der kurzzeitig auch im Nationalrat vertretenen Partei „Team Stronach“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt. (APA, TT.com)

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