Behörden gehen von Suizid aus

Verdächtiger mit Anschlagsplan auf Stephansdom vor Anhörung tot in Zelle gefunden

Nach Hinweisen auf einen möglichen Anschlagsplan einer islamistischen Gruppe in Wien wurden im Dezember 2023 die Sicherheitsmaßnahmen rund um den Stephansdom verstärkt.
© APA/Slovencik

Der 40-jährige Verdächtige rund um ein geplantes Attentat auf den Stephansdom dürfte sich nur wenige Stunden vor seiner Anhörung in seiner Zelle das Leben genommen haben.

Wien, Köln – Ein im Zusammenhang mit angeblichen Anschlagsplänen gegen den Stephansdom ins Visier der Wiener Strafverfolgungsbehörden geratener Mann ist wenige Stunden vor seiner geplanten Abschiebung nach Dagestan tot in seiner Zelle in einem Polizeianhaltezentrum (PAZ) aufgefunden worden. Die Wiener Landespolizeidirektion bestätigte am Donnerstagnachmittag der APA einen Bericht der Kronen Zeitung. Die Behörden gehen demnach von einem Suizid aus.

Der 40-Jährige war gemeinsam mit drei weiteren zu Weihnachten festgenommenen Terror-Verdächtigen Ende Mai nach mehrmonatiger U-Haft mangels dringendes Tatverdachts aus der Justizanstalt (JA) Josefstadt entlassen worden.

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In Verwahrungshaft überstellt

Anschlagspläne gegen Stephansdom: Terror-Verdächtige nicht mehr in U-Haft

Das Quartett - neben dem 40-Jährigen zwei Tadschiken im Alter von 30 und 28 und eine mit dem Jüngeren verheiratete Türkin – wurde allerdings in Absprache mit dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) direkt ins PAZ überstellt und dort in Schubhaft genommen.

In weiterer Folge wurde ihnen jeweils per Bescheid die Aufenthaltsberechtigung entzogen und die Abschiebung für zulässig erklärt. Begründet wurde das mit „erheblichem Gefährdungspotenzial“.

Grabungen nach Waffenlager

Gegen die vier Verdächtigen und drei weitere Beschuldigte wurde bzw. wird von der Staatsanwaltschaft wegen terroristischer Vereinigung (§278b StGB) in Verbindung mit terroristischen Straftaten (§278c StGB) ermittelt. Es besteht der – wenn auch nicht mehr dringende – Verdacht, diese könnten eine Terror-Zelle der radikalislamistischen Gruppierung „Islamischer Staat Provinz Khorasan“ (ISPK) gebildet haben.

Allerdings waren zuletzt Grabungsarbeiten nach einem möglichen ISPK-Waffenlager in einem Waldstück bei Sieghartskirchen (Bezirk Tulln) und in einer Schlucht in Hinterbrühl (Bezirk Mödling) erfolglos verlaufen. Es konnten nur Blechteile und Draht, aber kein die Verdachtslage stützendes Beweismaterial gefunden werden.

Der 30-jährige Tadschike galt von Anfang an als Hauptverdächtiger. Wie seine Rechtsvertretung (Kanzlei Gregor Klammer) am Donnerstagnachmittag auf APA-Anfrage bestätigte, befindet er sich nach erfolgter Abschiebung mittlerweile in Tadschikistan. Die 27-jährige Türkin dürfte noch in dieser Woche in ihre ursprüngliche Heimat rückgeführt werden. (APA)

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