IT-Ausfall sorgt für Chaos

Computerprobleme stören Systeme weltweit: Auch Flughäfen, Krankenhäuser und Banken betroffen

Der Flughafen Wien/Schwechat war ebenfalls von den Ausfällen betroffen. Es kam zu Wartezeiten.
© APA/TOBIAS STEINMAURER

Ein weltweiter IT-Ausfall sorgt für Chaos. Betroffen sind weltweit Fluggesellschaften, Medien- und Telekommunikationsunternehmen, Banken und Krankenhäuser.

New York – Ein fehlerhaftes Software-Update hat weltweit weitreichende Störungen ausgelöst. Flüge fallen aus, Krankenhäuser sagen Operationen ab, Fernsehsender haben Schwierigkeiten. Ursache sei offenbar ein fehlerhaftes Update eines IT-Sicherheitssystems mit dem Namen „Falcon Sensor“ des Herstellers Crowdstrike. Die IT-Sicherheitsfirma bestätigte den Fehler und erklärte ihn am Mittag für behoben. Kunden würden nun auf ein Download-Portal für ein neues Update verwiesen.

Auch in Spitälern in Österreich sind die Auswirkungen des IT-Ausfalles zu spüren. Bei der Leitstelle Tirol sind derzeit die digitalen Systeme nicht verfügbar. Betroffen war auch das Krankenhaus Kufstein.

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IT-Kollaps traf Tirol

Krankenhaus Kufstein nach IT-Ausfall wieder im Vollbetrieb, Entspannung bei Leitstelle Tirol

Aus Vorarlberg meldete das Krankenhaus der Stadt Dornbirn am Vormittag noch Ausfälle in der IT. Geplante Operationen des Stadtspitals wurden verschoben, Not-Operationen konnten weiter durchgeführt werden. Gegen 13.30 Uhr teilte die Stadt mit, die Probleme seien behoben. Am Nachmittag konnte man wieder zum Regelbetrieb zurückkehren.

Konkret waren 95 Prozent der rund 700 PC in dem Vorarlberger Krankenhaus betroffen gewesen, hieß es in einer Aussendung. Weil die digitale Anmeldung für die Ambulanz nicht funktionierte, wurde die Leitstelle informiert, dass die Dornbirner Ambulanz nicht angefahren werden kann. Notfälle wurden auf die Landeskrankenhäuser verteilt. Diese waren nicht betroffen, bestätigte eine Sprecherin. Ebenfalls nicht betroffen waren die medizintechnischen Geräte in Dornbirn, allerdings war die Übermittlung von Röntgenbildern und Laborergebnissen beeinträchtigt. Es gebe für solche Fälle ein Krisenmanagement, das „einmal mehr sehr gut funktioniert“ habe, zog die Stadt Bilanz. Auch im Dornbirner Rathaus waren rund hundert Rechner betroffen.

Im Burgenland gab es in der Landessicherheitszentrale „kleinere Probleme“, die inzwischen behoben sind. Nicht beeinträchtigt waren die Notrufe, es sei lediglich im Krankentransportsystem zu „minimalen Verzögerungen“ gekommen, hieß es vom Landesmedienservice. Inzwischen sei wieder alles in Ordnung. Keine Probleme wurden auf APA-Anfrage in den Krankenhäusern und bei der Polizei gemeldet.

Die Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes (WIGEV) waren von dieser IT-Störung nicht betroffen, hieß es etwa auf APA-Anfrage. Auch die Blaulichtorganisationen verzeichneten hingegen vorerst keinerlei technische Schwierigkeiten. Die Wiener Berufsrettung versicherte etwa, „dass sich niemand in Wien Sorgen darüber machen muss, dass die Rettung nicht mehr fährt“.

Beeinträchtigungen auch an Flughäfen in Österreich

Der Flughafen Wien- Schwechat ist ebenfalls von den Ausfällen betroffen.
© APA/TOBIAS STEINMAURER

Zu Beeinträchtigungen ist es auch auf den Flughäfen Wien/Schwechat, Salzburg und Klagenfurt gekommen. Auf dem Flughafen Wien in Schwechat haben Probleme bis zum Freitagnachmittag fünf Airlines betroffen. Zu Wizz Air, Ryanair, Eurowings und Turkish Airlines kam Vueling hinzu, sagte Vorstandsdirektor Julian Jäger im Terminal 1 zur APA. Der Betrieb laufe „den Umständen entsprechend gut". Die Passagiere müssten freilich Geduld aufbringen. Bordkarten bei den fünf Fluglinien wurden händisch ausgestellt, das Gepäck wurde ebenso händisch bearbeitet.

📽️ Video | IT-Probleme am Flughafen Wien-Schwechat

Der Flughafen Salzburg ist den dortigen Angaben zufolge indirekt, aber nicht gravierend betroffen, weil die Abfertigungssysteme einzelner Fluglinien stehen. Das sorge bei Einzelflügen für Verzögerungen. Behoben werde das Problem, indem einfach auf manuelle Abfertigung umgestellt werde.

Auch am Flughafen Klagenfurt hat es am Freitag IT-Probleme gegeben: „Es läuft unser Backup-plan, es wird manuell eingecheckt", erklärte eine Flughafen-Sprecherin auf APA-Anfrage. Der Flugbetrieb sei dadurch aber nicht gefährdet, die Freitagsflüge nach Wien und Palma de Mallorca sollen planmäßig stattfinden.

Heimischer Bahnverkehr und Banken nicht betroffen

Die weltweiten IT-Probleme haben aktuell keinen Einfluss auf den heimischen Bahnverkehr. Sowohl die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) als auch die Westbahn sagten gegenüber der APA, dass sie von den Störungen bei Microsoft nicht betroffen seien. Die Software Crowdstrike, von der die Probleme ausgehen, würde bei den ÖBB nicht verwendet, so der Sprecher. Die Lage werde aber beobachtet.

Entwarnung kommt auch von den Supermarktketten Spar und Rewe (Billa, Billa Plus, Penny, Adeg, Bipa). Die heimischen Großbanken meldete keine Probleme, wie ein Rundruf der APA bei den Geldhäusern ergab. Überweisungen seien wie üblich möglich gewesen.

Probleme an vielen deutschen Flughäfen

Eine Anzeigetafel am Flughafen Berlin funktioniert nicht ordnungsgemäß.
© APA/dpa/Christoph Soeder

Nach stundenlangen Störungen ist der Betrieb am deutschen Hauptstadtflughafen BER gegen Mittag langsam wieder angelaufen. „Die Systeme des Flughafens sind wieder hochgefahren und wir kehren sukzessive zum Normalbetrieb zurück", teilte eine Sprecherin mit.

Die Flughäfen in München, Hamburg, Köln, Stuttgart und Düsseldorf meldeten ebenfalls Probleme.

Eurowings streicht Flüge bis 15 Uhr

Die deutsche Fluggesellschaft Eurowings streicht aufgrund anhaltender technischer Störungen alle innerdeutschen Flüge sowie Flüge von und nach Großbritannien mit Abflugzeit bis 15 Uhr. Mit der Streichung Dutzender Flüge solle das betroffene IT-System entlastet werden, sagte eine Unternehmenssprecherin.

KLM stellte Betrieb ein

Über Probleme berichteten auch Ryanair, US-Fluggesellschaften wie American Airlines oder Delta Airlines, oder die Schweizer Flugsicherung Skyguide. Die niederländische Fluggesellschaft KLM stellt wegen der weltweit aufgetretenen Computerprobleme den Großteil des Betriebs ein.

Große Probleme in Großbritannien

Das System zu Buchung von Arztterminen war in Großbritannien lahmgelegt.
© APA/AFP/PAUL ELLIS

Flughäfen in Großbritannien haben angesichts der weltweiten Computerprobleme vor Verspätungen gewarnt. In Großbritannien war außerdem ein System zur Buchung von Arztterminen im Gesundheitsdienst NHS lahmgelegt. Aber auch der britische Fernsehsender Sky News und die Londoner Börse London Stock Exchange kämpften mit Problemen.

Auch in Frankreich gab es Ausfälle und Störungen bei mehreren Fernsehsendern.

Australien ist schwer von Computer-Problemen betroffen

In Australien hätten unter anderem Banken, Airlines und Medien mit Ausfällen zu kämpfen, berichteten Medien.

Am Flughafen Sydney wurde den Kunden mitgeteilt, dass sie ihr Gepäck nicht aufgeben können. Sowohl bei Inlandsflügen als auch bei internationalen Verbindungen komme es zu Verspätungen, schrieb die Zeitung Sydney Morning Herald unter Berufung auf einen Flughafensprecher.

Passagiere warten am Flughafen in Sydney.
© APA/AFP/SAEED KHAN

Die australische Regierung berief derweil eine Krisensitzung ein, wie Medien einen Regierungssprecher zitierten. „Meine Regierung arbeitet eng mit dem Nationalen Koordinator für Cybersicherheit zusammen“, sagte Premierminister Anthony Albanese. Derzeit gebe es aber noch keine Auswirkungen auf kritische Infrastrukturen, staatliche Dienste oder Notrufnummern.

Auch viele Geschäfte und Apotheken mussten schließen, berichtete die australische ABC. Ebenso waren Radiostationen und Fernsehsender betroffen. Einige australische Radiosender hätten Musik mit CD's und USB-Sticks gesendet, weil die Computer nicht mehr liefen, hieß es.

Auch Geschäfte mussten in Australien schließen.
© IMAGO/AAP/Coch

Störungen im Flugbetrieb in Asien

Auch in Asien sind wichtige Flughäfen betroffen. Unter anderem komme es am Changi Airport in Singapur wegen der Ausfälle zu Verspätungen, berichtete der Sender Channel News Asia. Vor den Abfertigungsschaltern mehrerer Airlines bildeten sich lange Schlangen, weil nur noch manuelle Check-In's möglich waren.

Fehlermeldungen am Screen am Flughafen in Neu Delhi.
© MONEY SHARMA

Mit dem Flughafen von Hongkong ist auch ein wichtiges Drehkreuz in Asien betroffen. In der Abfertigungshalle bildeten sich lange Schlangen, wie die Hongkonger Zeitung South China Morning Post berichtete. Mehrere Fluggesellschaften seien von dem Ausfall betroffen und hätten auf manuelle Abfertigung umgestellt, teilte die Hongkonger Flughafenbehörde mit.

Auch Passagiere in der thailändischen Hauptstadt Bangkok waren betroffen.

Auch am Flughafen der indischen Hauptstadt Neu Delhi gibt es Behinderungen. Einige Dienstleistungen seien vorübergehend beeinträchtigt, teilte der Flughafen auf X mit.

📽️ Video | Wie es zur IT-Panne kommen konnte

Crowdstrike-Chef: Problem erkannt und behoben

Die IT-Sicherheitsfirma Crowdstrike hat den Fehler behoben, der mutmaßlich zu weltweiten Computerstörungen geführt hat. Kunden würden nun auf ein Download-Portal für ein neues Update verwiesen, schrieb Firmenchef George Kurtz bei der Online-Plattform X.

Der Fehler habe in einer Aktualisierung der Crowdstrike-Software für Windows-Computer gesteckt, schrieb Kurtz. Das Problem sei erkannt und behoben worden. Es seien keine Cyberattacke und auch kein Sicherheitsvorfall gewesen.

Aktie von Crowdstrike sackt ab

Nach den weltweiten Computerproblemen ist die Aktie von Crowdstrike unter Druck geraten. Das Wertpapier gab am Freitagvormittag an der Börse Frankfurt um rund 15 Prozent im Vergleich zum Vortag nach.

Mit der Konzentration in der Software-Industrie passiert es immer wieder, dass zahlreiche Unternehmen von Problemen bei einzelnen Anbietern getroffen werden. So war zum Beispiel eine Cyberattacke auf den amerikanischen IT-Dienstleister Kaseya im Jahr 2021 bis nach Schweden zu spüren, wo die Supermarkt-Kette Coop fast alle Läden schließen musste.

Karner ruft Koordinationsausschuss ein

Aufgrund der Probleme berief Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) heute den Koordinationsausschuss ein, um einen einheitlichen Wissensstand für alle Betroffenen zu ermöglichen. Gleichzeitig wurde in einer Aussendung nochmals beruhigt. "In Österreich gibt es aktuell keine flächendeckenden, sondern punktuelle Ausfälle wie am Flughafen Wien oder in einzelnen Krankenhäusern. Polizei und Notrufnummern sind nicht betroffen," hieß es. Die Leitung des Ausschusses hat der stellvertretende Generaldirektors für die Öffentliche Sicherheit, Michael Takacs. (APA/dpa/TT.com)