Enorme Schäden in NÖ

Aufräumen in Katastrophengebiet läuft auf Hochtouren, Gefahr von Muren steigt „massiv“

Aufräumen nach der großen Flut, wie hier im niederösterreichischen Haunoldstein. An Tausenden Gebäuden entstanden enorme Schäden.
© HELMUT FOHRINGER

Die Pegelstände gehen weiter zurück, immer deutlicher wird sichtbar was das Hochwasser speziell in Niederösterreich angerichtet hat. Im Bezirk Tulln wurde eine Frau tot in ihrem gefluteten Haus gefunden, damit stieg die Opferzahl im Bundesland auf fünf. Mittlerweile beruhigt sich die Wetterlage aber glücklicherweise wieder.

Wien – Die Wetterlage hat sich am Dienstag laut Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) „Gott sei Dank beruhigt“. Nieder- und Oberösterreich stünden „aufgrund der Wassermassen“ allerdings weiter „unter Druck“, sagte er nach einem Treffen des Staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagements (SKKM) im Innenministerium. In der Nacht habe es in Niederösterreich 2.000 Evakuierungen gegeben, so Nehammer. Man habe deshalb ein „Sofortpaket“ von 75 Millionen Euro beschlossen.

45 Millionen kämen dabei vom Bund, sagte der Kanzler. Es sei wichtig, „rasch erste Maßnahmen“ zu treffen. An einem weiteren Unterstützungspaket würde gearbeitet. In Niederösterreich seien nach wie vor große Regionen betroffen. Das Gute sei, „dass das Wasser jetzt langsam zurückgeht“.

Die weitere Entwicklung ist für Nehammer „schwierig einzuschätzen“. Erst müsste der Hochwasserschutz abgebaut, die Schäden erfasst und dann mit dem Wiederaufbau begonnen werden. „Wann tatsächlich die Normalsituation wiederhergestellt werden kann, lässt sich derzeit noch nicht sagen.“ Dankbar zeigte sich der Bundeskanzler für die Unterstützungsleistungen aus weniger betroffenen Bundesländern.

Aufräumarbeiten laufen

Die Aufräumarbeiten in den von dem katastrophalen Hochwasser betroffenen Gebieten im Nordosten Österreichs sind am Dienstag auf Hochtouren angelaufen. In der Nacht gingen die Pegelstände der großen Flüsse, also auch jener der Donau, zurück – dies führte zu einer leichten Entspannung der Lage. Das Ausmaß der Schäden ist enorm, aber die genaue Dimension laut LH Johanna Mikl-Leitner „noch nicht abschätzbar“. Fünf Menschen kamen ums Leben, im Bezirk Tulln wurde am Dienstag eine 81-jährige Frau tot in ihrem gefluteten Wohnhaus aufgefunden.

Aktuelle Updates

undefined

🔴 Liveblog zum Hochwasser

Fünf Todesopfer in Niederösterreich, Pegelstände gehen weiter zurück

Allein am Montag hat es 21 kleinere oder größere Dammbrüche gegeben. Deren provisorische Reparatur ist ein Schwerpunkt der vielen Arbeiten, die anstehen. In manchen Landesteilen sei binnen weniger Tage die vier- bis sechsfache durchschnittliche Monatsmenge an Regen niedergegangen.

Aufräumen nach Hochwasser-Katastrophe in Niederösterreich

© HELMUT FOHRINGER

© HELMUT FOHRINGER

© HELMUT FOHRINGER

© TRIPPOLT DANIEL

© HELMUT FOHRINGER

© ROLAND SCHLAGER

© ROLAND SCHLAGER

© HELMUT FOHRINGER

© HELMUT FOHRINGER

© HELMUT FOHRINGER

© HELMUT FOHRINGER

© HELMUT FOHRINGER

© HELMUT FOHRINGER

Etwa 32.600 Einsatzkräfte halfen in Niederösterreich. Allein am Dienstag sind es auch 1300 aus anderen Bundesländern. 26 Gemeinden seien nicht erreichbar. Etwa 1100 Objekte mit rund 2200 Personen wurden evakuiert, davon 49 Menschen mit Hubschraubern. 765 befanden sich in organisierten Unterkünften, die Mehrzahl von ihnen in der Messe Tulln. Aus 13 Bezirken lagen Anforderungen für Assistenzeinsätze des Bundesheeres vor. Insbesondere geht es dabei um beschädigte Hochwasserschutzanlagen.

Schadenskommissionen würden zeitnah in die Gemeinden kommen, kündigte Mikl-Leitner an. Darauf folgen soll rasche Unterstützung der vom Hochwasser Betroffenen mit Gelder aus dem Katastrophenfonds.

Video | Erkundungsflug über Hochwasser-Gebiet vom Montag

Am Montag bzw. in der Nacht auf Dienstag sind nach einem Dammbruch sieben Ortschaften im Tullnerfeld evakuiert worden. Nachdem sich die Lage in Wien entspannt hatte, wurden Hilfskräfte und Gerätschaften der Wiener Feuerwehr in den Bezirk Tulln gebracht.

„Sehr langsames“ Sinken des Donau-Pegels erwartet

Bei den westlichen Donaupegeln wurde in den Morgenstunden der Scheitel erreicht. Der Wasserstand der östlichen (Korneuburg und Wildungsmauer) werde im Laufe des Tages noch leicht ansteigen und danach ebenfalls zurückgehen. Generell werde für die Donau ein „sehr langsames“ Sinken des Wasserspiegels erwartet. Die Donauzubringer zeigten Dienstagfrüh eine weiter fallende Tendenz. Anstiege seien nur noch bei Leitha und March zu erwarten, die Scheitelwerte für Mittwoch prognostiziert.

In den kommenden Tagen erwarten die Hydrologen in Niederösterreich laut dem Landesvize „im Wesentlichen keine relevanten flächigen Niederschläge“. Kleinräumige lokale Spitzen bis maximal 15 Millimeter könnten im südwestlichen Mostviertel auftreten.

Etwa 250 Straßen in Niederösterreich waren laut ÖAMTC weiterhin gesperrt. Längere Staus im Frühverkehr blieben aber aus, berichtete ein Sprecher.

Experte: Gefahr durch Hangrutschungen steigt „massiv“

Thomas Glade, Experte für Geomorphologie und Katastrophenschutz, warnt indes vor der Gefahr durch Hangrutschungen und Muren. Die Gefahr steige derzeit insbesondere in Niederösterreich „massiv“. Auch wenn der Fokus derzeit auf dem Hochwasser liege, ist sich Glade, der in der Vergangenheit auch Gefahrenhinweiskarten für das gesamte Bundesland erstellt hat, „sehr sicher, dass schon jetzt viele Rutschungen und auch Muren abgegangen sind bzw. noch abgehen werden“. Die Böden seien vollkommen wassergesättigt. Auch in den nächsten Tagen sei daher mit Rutschungsereignissen auch an flachen Hanglagen zu rechnen. „Es gibt hier eine Zeitverzögerung von einigen Tagen.“

Video | Analyse der aktuellen Situation am Dienstag

Für den Geomorphologen, der sich auch mit dem nachhaltigen Management von Flusseinzugsgebieten befasst, haben sich durch das Hochwasser einige Aspekte klar gezeigt: „Ja, es wird immer Großereignisse geben, die die Kapazitäten, auf die wir uns vorbereitet haben, überschreiten. Damit müssen wir rechnen. Extreme werden extremer.“ Sich darauf einzustellen, wäre eine große Herausforderung.

Es sei ein „Riesenglück“ gewesen, dass man es diesmal mit einer Kaltfront zu tun gehabt habe, ansonsten hätte das Hochwasser-Ereignis noch deutlich gravierender ausfallen können, so Glade. Viel Wasser wurde im Schnee gespeichert. Dieses werde in den nächsten Tagen bei wärmeren Temperaturen abfließen, jedoch nicht mehr zu einem großen Problem werden. (TT.com, APA)

Mehr zum Thema:

undefined

Kommentar

Die Flut an Katastrophen

undefined

Einsatz im Katastrophengebiet

Tiroler Feuerwehren helfen bei Überschwemmungen in Niederösterreich