Durchfall droht: Zehntausende Klagenfurter seit Tagen ohne sauberes Trinkwasser
Das Trinkwasser der Kärntner Landeshauptstadt ist mit Enterokokken verseucht. Seit Donnerstag ist die Versorgung zumindest in einem Stadtteil wieder gesichert.
Klagenfurt – Zumindest die Menschen im Klagenfurter Stadtteil Wölfnitz atmeten zuletzt auf: Sie können das Wasser aus der Leitung wieder ohne Bedenken trinken. Ein erster Lichtblick, hieß es beim Einsatzstab. Zumindest seit Mittwoch voriger Woche ist das Wasser in der 100.000 Einwohner-Stadt mit Enterokokken versucht. Dabei handelt es sich um Fäkalbakterien. Diese können bei Kleinkindern, Senioren oder gesundheitlich angeschlagenen Menschen zu Durchfall führen.
Bundesheer hilft, Gratis-Wasser von der Stadt
Am Freitag vor einer Woche registrierten die Stadtwerke erstmals die Verunreinigung. Seither gilt die Empfehlung, das Leitungswasser vor dem Trinken abzukochen. Supermärkte registrierten daraufhin Hamsterkäufe von Mineralwasser. Lokale müssen auf zugekaufte Eiswürfel zurückgreifen. Soda- und Getränkemischer können nicht mit Leitungswasser betrieben werden.
Die Stadt Klagenfurt verteilt kostenlos Trinkwasser an Bürgerinnen und Bürger. Schulen, Kindergärten, Alters- und Pflegeheime werden direkt mit sauberem Trinkwasser versorgt, auch das Bundesheer hilft bei Transport, Abfüllung und Verteilung von Trinkwasser. Bis Donnerstagabend wurden rund 200.000 Liter Wasser ausgegeben oder geliefert. Wie lange das Trinkwasser noch belastet bleibt, war vorerst unklar.
Rechnungshof kritisierte Überalterung der Wasserleitungen
Auch die Quelle der Verschmutzung war nach einer Woche nicht gefunden. Das Leitungsnetz umfasst insgesamt 900 Kilometer. Laut mehreren Berichten des Rechnungshofes ist dieses Netz überaltert. Der Klagenfurter Bürgermeister Christian Scheider (Team Kärnten) geht unter Berufung auf die Stadtwerke aber davon aus, dass die Verunreinigung nicht durch ein Leck in einer alten Leitung erfolgt.
„Das Wasser in der Leitung fließt mit mindestens fünf Bar Druck. Wenn ein Leck an der Leitung entsteht, tritt Wasser aus, aber nichts ein“, sagt Stadtwerke-Chef Erwin Smole. Es könnte jedoch sein, dass bei Bauarbeiten ein Kanal beschädigt wurde und darüber Bakterien mit leichtem Überdruck ins Trinkwasser gelangt sind.
Smole vermutet die Ursache eher in einem der rund 500 privaten Brunnen in der Stadt. Die Besitzer dieser Brunnen seien aufgefordert worden, ihre Anlagen zu überprüfen.
Polit-Match zwischen Landeshauptmann und Bürgermeister
Über die Reaktion auf die Misere ist zudem ein Streit zwischen Scheider und dem Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) entbrannt. Kaiser kritisierte in einem Brief an die Stadt, dass diese die Bevölkerung nicht schnell genug und ausreichend informiert habe. Klagenfurt habe auch Hilfsangebote ausgeschlagen.
Stadtchef Scheider widerspricht. (sabl, APA)
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