Neue Energie-Gemeinschaft

Günstigerer Strom, mehr Unabhängigkeit: Innsbrucker Verein startet Pilotprojekt

Am Dach der Reitsportanlage in Igls stellten die Beteiligten das Projekt vor: v. l. IIG-Chef Franz Danler, GF Martin Tschurtschenthaler (Raiffeisen Regenerative), Energiegemeinschafts-Obmann Markus Zettinig, BM Johannes Anzengruber, Obmann-Stv. Mario Stöckholzer und Bernhard Pfeifer, Bereichsleiter bei der IIG.
© Die Fotografen

In Igls hat sich die erste Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft im Innsbrucker Stadtgebiet formiert. Mit der Stadt-Tochter IIG als Partner können die Mitglieder ab sofort günstigeren Sonnenstrom beziehen bzw. auch von höheren Einspeisetarifen profitieren. Ein Überblick über das innovative Projekt.

Innsbruck – Sonnenstrom direkt vor Ort zu produzieren und zu nutzen, mit deutlich günstigeren Strompreisen für die Endverbraucher und mehr Unabhängigkeit von den Schwankungen auf den internationalen Energiemärkten: Mit diesem Ziel formieren sich derzeit in vielen Tiroler Gemeinden Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (kurz: EEG). Mit dem im September gegründeten Verein „EEG KW Light“ startet nun auch in der Stadt Innsbruck erstmals ein solcher Zusammenschluss durch.

Partnerin ist dabei die Stadt Innsbruck über ihre 100-%-Tochter IIG (Innsbrucker Immobiliengesellschaft): Die von der IIG betreute Innsbrucker Sportanlagen Errichtungs- und Verwertungs GmbH bringt als ersten Schritt den Strom einer 500-Kilowattpeak-Photovoltaikanlage auf dem Gelände der Reitsportanlage Igls in die Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft ein. Ein solcher großer Einspeiser ist für den Start essenziell.

Was sind die Vorteile einer EEG?

Die Kooperation von privaten und öffentlichen Beteiligten bringe eine „Win-win-Situation“, freut sich Markus Zettinig, Obmann des Vereins, der als gesetzliche Grundlage für die EEG gegründet wurde: Da sei zum einen der „hervorragende Tarif“ für die Teilnehmer.

Mit der nun anlaufenden Pilotphase sind die Vereinsmitglieder Nutznießer von Strompreisen, die bis zu 44,6 % unter denen herkömmlicher Anbieter liegen: Bei einem herkömmlichen Energieversorger zahlt ein Haushalt derzeit inklusive Netzgebühr etwa 14,16 Cent pro kWh. Mitglieder der Igler EEG können Sonnenstrom abzüglich Netzrabattierung um ca. 9,79 Cent/kWh beziehen.

Die Großanlage am Areal der Reitsportanlage in Igls – mit insgesamt rund 1500 Quadratmetern an PV-Fläche – ist für die neue Energiegemeinschaft essentiell.
© Michael Domanig

Die Energiegemeinschafts-Mitglieder profitieren dabei von Abschlägen bei der Nutzung des Stromnetzes (da der lokal erzeugte Strom nur minimal durch das überregionale Netz transportiert und dieses so entlastet wird).

Vorteile gibt es aber auch für die Betreiber von Photovoltaikanlagen: Der Einspeisetarif für Strom aus PV-Anlagen ins öffentliche Netz liegt für Großanlagen derzeit bei ca. 5,3 Cent pro kWh. Über die EEG erhalten die Anlagenbetreiber dagegen rund 8,4 Cent/kWh.

Wie es in der Praxis funktioniert

Ein weiterer Partner, die Raiffeisen Regenerative GmbH, übernimmt für die Mitglieder die monatliche (digitale) Abrechnung: Über die Smart Meter (digitale Stromzähler) werden die Daten vom Netzbetreiber erfasst und in eine Managementsoftware der „Regenerative“ eingespielt.

„Jedes Mitglied der Energiegemeinschaft gibt seine Zählpunkte und seine Bankdaten bekannt. Am Monatsende stehen dann Gutschriften für die Lieferanten und Lastschriften für die Stromverbraucher“, führt Zettinig aus. Der bestehende Energievertrag mit den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB) bleibt dabei als Back-up für Zeiten bestehen, in denen kein Sonnenstrom produziert werden kann.

Der Verein startet vorerst mit 43 Mitgliedern. Darunter sind sowohl reine Lieferanten, die ihren Überschuss einspeisen, reine Nutzer, die selbst keinen Strom produzieren, als auch Lieferanten, die zugleich Nutzer sind (und über ihre eigene PV-Anlage zum Beispiel zu wenig Sonnenstrom für den laufenden Betrieb ihres E-Autos erzeugen können).

Laut Zettinig spricht die EEG auch Nutzer an, die sich schwerer damit tun, selbst Photovoltaikanlagen am Dach zu installieren, weil sie etwa im Stadt- und Ortsbildschutzgebiet im Zentrum von Igls oder in Mehrparteienhäusern leben, wo es einstimmige Beschlüsse bräuchte.

Hoffnung auf überregionale Vorbildwirkung

Läuft das Projekt erfolgreich an, will die „EEG KW Light“ dieses auf weitere Mitglieder ausdehnen. Beitreten können Personen und Kleinunternehmen, die im Einzugsgebiet des Umspannwerks Igls liegen und das Netz der IKB nützen – also konkret solche in den Stadtteilen Igls und Vill (Kontakt: info@eegkwlight.at bzw. https://eegkwlight.at). Im Herbst und Winter gelte es nun Erfahrungswerte zu sammeln, sagt Zettinig.

Das Stadtgebiet von Innsbruck ist in verschiedene Umspannwerk-Bereiche eingeteilt, innerhalb derer regionale Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften umgesetzt werden können.
© Michael Domanig

Die IIG plant laut Geschäftsführer Franz Danler in Kooperation mit der Energiegemeinschaft schon den nächsten Schritt: Beim Wohnbauprojekt „Am Bichl III“ in Igls, das bis Herbst 2025 fertiggestellt sein soll, möchte man ein „Plus Energie“-Quartier etablieren: Per Photovoltaikanlage soll dort übers Jahr mehr Energie produziert als verbraucht werden. Beide Anlagen zusammen könnten dann bilanziell rund 185 Haushalte mit Energie versorgen.

Worin sich alle Seiten einig sind: Das Projekt in Igls soll Vorbild für künftige Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften in anderen Stadtteilen und darüber hinaus sein.

Die Stadt selbst investiere generell stark in Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden bzw. solchen der IIG, betont Bürgermeister Johannes Anzengruber. Laut IIG-Chef Danler hat die Innsbrucker Immobiliengesellschaft bereits mehr als 8 Mio. Euro in Photovoltaikanlagen gesteckt und über 30.000 Quadratmeter an PV-Flächen realisiert.

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